Viele Deutsche fürchten, dass das Geld im Pflegefall nicht reicht. Und die Kosten könnten noch stärker steigen. Die soziale Pflegeversicherung steckt finanziell in der Krise. Konnte im vergangenen Jahr ein Minus nur durch staatliche Darlehen in Höhe von drei Milliarden Euro verhindert werden, droht für 2027 ein Defizit von fünf Milliarden Euro. Ein Umstand, der viele Menschen in Deutschland umtreibt. Auch deshalb, weil es für die Versicherten deutlich teurer werden könnte. So rechnen 84 Prozent der Deutschen damit, dass die Beiträge für die Pflegeversicherung in den kommenden zwölf Monaten steigen werden. Dies geht aus einer repräsentativen Civey-Umfrage unter 10.000 Befragten im Auftrag des AOK-Bundesverbands hervor. Gerade einmal zehn Prozent glauben hingegen nicht an Beitragssteigerungen. Zuletzt hatte die Bundesregierung die Beiträge zur sozialen Pflegeversicherung zum 1. Januar 2025 von 3,4 auf 3,6 Prozent des Bruttoeinkommens erhöht. Dieser Beitrag wird paritätisch zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern geteilt. Versicherte ab 23 Jahren ohne Kinder zahlen zudem einen Kinderlosenzuschlag in Höhe von 0,6 Prozent des Bruttoeinkommens. Angst vor finanzieller Überforderung Neben höheren Beiträgen fürchtet die überwiegende Mehrheit der Befragten (86 Prozent) zudem eine finanzielle Überforderung für den Fall, dass man selbst in einem Heim gepflegt werden muss. Grund sind die seit Jahren stark steigenden Eigenanteile. Laut Daten des Verbands der Ersatzkassen mussten Pflegebedürftige zuletzt durchschnittlich 3.245 Euro monatlich aus eigener Tasche für einen Heimplatz aufbringen. Am stärksten verbreitet ist dabei die Sorge, im Pflegeheim in einem Mehrbettzimmer wohnen zu müssen: 57 Prozent der Befragten befürchten dies. Die Hälfte der Befragten hat zudem Angst, die eigene Familie finanziell zu belasten. Genauso viele Menschen befürchten, kein bezahlbares Pflegeheim in ihrer Nähe zu finden. Ein weiteres Viertel (27 Prozent) fürchtet zudem, für die Bezahlung der Pflegeheimkosten auf staatliche Leistungen angewiesen zu sein. Die Zahl der Menschen in Pflegeheimen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, war zuletzt gestiegen. Ende 2024 galten laut Statistischem Bundesamt rund 800.000 Menschen als hilfsbedürftig – 19.000 Menschen mehr als noch im Jahr zuvor. Was Gesundheitsministerin Warken plant Die Eigenanteile könnten zudem weiter steigen. So plant Gesundheitsminister Nina Warken laut Medienberichten, die gestaffelten Zuschüsse, die Pflegeheimbewohner je nach Aufenthaltsdauer zur Senkung der Eigenanteile erhalten, langsamer steigen zu lassen als bisher. Derzeit erhalten Heimbewohner im ersten Jahr einen Zuschuss von 15 Prozent zu den reinen Pflegekosten. In den Folgejahren steigt dieser Zuschuss auf 30 Prozent (nach 12 Monaten), 50 (nach 24 Monaten) und schließlich 75 Prozent (nach 36 Monaten). Künftig sollen die Zuschüsse jeweils erst nach 18 Monaten statt wie bisher nach 12 Monaten erhöht werden. Carola Reimann, Vorsitzende des AOK-Bundesverbands, kritisierte entsprechende Pläne. Diese würden auf einseitige Belastungen der Versicherten und Leistungskürzungen hinauslaufen. "Das klang wenigstens wenig ermutigend", so Reimann. Eine nachhaltige Stabilisierung der sozialen Pflegeversicherung ließe sich – anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung – nicht allein durch Effizienzsteigerungen und Ausgabenbegrenzungen bewerkstelligen. Stattdessen forderte Reimann zur Stabilisierung der Pflegeversicherung weitere Steuerzuschüsse. Vernichtendes Urteil für Pflegepolitik "Die Pflegeheim-Bewohnenden müssen aktuell mit ihren Eigenanteilen die Versäumnisse der Länder bei der Finanzierung der Investitionskosten für die Pflegeeinrichtungen ausgleichen", so Reimann. "Auch das muss Teil der Pflegereform sein. Die Herausnahme der Ausbildungskosten für die Pflegeberufe aus den Eigenanteilen könnte die Belastungen zusätzlich dämpfen und würde die Pflegebedürftigen in den Heimen auf einen Schlag um etwa eine Milliarde Euro entlasten." Wie groß die Verunsicherung der Menschen sei, ließe sich aus der Umfrage ablesen, so Reimann. Insgesamt stellten die Befragten der Bundesregierung im Hinblick auf die gesetzliche Pflegeversicherung ein vernichtendes Zeugnis aus. 44 Prozent bewerten die Arbeit der Bundesregierung mit "ungenügend", weitere 24 Prozent vergaben die Note "mangelhaft". Lediglich ein Prozent der Befragten empfindet die Pflegepolitik hingegen als "sehr gut", weitere zwei Prozent immerhin noch als "gut".