Früherkennungsuntersuchungen können Leben retten. Doch nicht alle gelten als gleich sinnvoll. Neue Daten stellen jetzt eine verbreitete Annahme infrage. Die Früherkennung von Prostatakrebs galt lange als umstritten. Neue Daten zeigen nun: Sie ist ähnlich wirksam wie das etablierte Brustkrebs-Screening. Forscher sehen darin einen möglichen Wendepunkt in der Debatte um den PSA-Test. Denn bislang lehnen viele Fachleute ein organisiertes Screening für Männer ab – anders als bei Frauen. Studie vergleicht zwei etablierte Methoden Eine aktuelle Analyse des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) bringt Bewegung in die Debatte. Die Wissenschaftler präsentierten kürzlich ihre Ergebnisse auf dem Kongress der Europäischen Vereinigung für Urologie (EAU) in London . Sie verglichen Daten aus der Probase-Studie zur Prostatakrebs-Früherkennung mit dem deutschen Brustkrebs-Screeningprogramm. Im Fokus stand der sogenannte PSA-Test . PSA bedeutet "prostataspezifisches Antigen". Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das die Prostata bildet. Ein erhöhter Wert im Blut kann auf Krebs hinweisen, aber auch andere Ursachen haben. Beim Brustkrebs-Screening kommt dagegen die Mammografie zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine spezielle Röntgenuntersuchung der Brust. Krebsvorsorge: Nicht einmal jeder Dritte nutzt kostenloses Angebot Prostatakrebs: Neues Medikament erzielt "beispiellose Ergebnisse" Mehr falsch-positive Befunde beim PSA-Test Die Forscher werteten Daten von 39.392 Männern im Alter von 45 bis 50 Jahren aus. Diese hatten einen PSA-Test gemacht. Zum Vergleich nutzten sie Daten von mehr als 2,8 Millionen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, die an einem Mammografie-Screening teilgenommen hatten. Die Ergebnisse zeigen ein gemischtes Bild: Der PSA-Test führte häufiger zu falsch-positiven Befunden als die Mammografie (37 bis 42 Prozent gegenüber zehn Prozent). Ein falsch-positives Ergebnis bedeutet, dass ein Test Krebs anzeigt, obwohl keiner vorliegt. Biopsien liefern bei Männern häufiger klare Ergebnisse Trotzdem überwiesen Ärzte ähnlich viele Männer und Frauen zu einer Biopsie . Bei dieser Untersuchung entnehmen sie Gewebe, um Krebs sicher nachzuweisen. Bei Männern lag die Rate bei 0,8 bis 2,4 Prozent, bei Frauen bei 1,1 Prozent. Auffällig war: Die Biopsien lieferten beim Prostatakrebs deutlich häufiger einen tatsächlichen Krebsbefund als beim Brustkrebs . In 50 bis 68 Prozent der Fälle fanden Ärzte bei Männern einen Tumor. Bei Frauen lag dieser Anteil nur bei etwa zehn Prozent. Das spricht dafür, dass Ärzte Männer gezielter zur Biopsie schicken. Ähnliche Werte bei aggressiven Tumoren Auch bei den aggressiven Krebsformen zeigten sich ähnliche Werte. Zwischen 60 und 74 Prozent der entdeckten Prostatatumoren galten als invasiv, beim Brustkrebs waren es 73 Prozent. Invasive Tumoren wachsen in umliegendes Gewebe ein und gelten als gefährlicher. Das Prostatakrebs-Screening entdeckte allerdings etwas häufiger langsam wachsende Tumoren. Diese sogenannten indolenten Krebsformen verursachen oft keine Beschwerden. Ihr Anteil lag bei 26 bis 31 Prozent, beim Brustkrebs bei 22 Prozent. Die Forscher betonen, dass beide Screening-Methoden ähnlich stark zur Senkung der Sterblichkeit beitragen. Frühere Studien zeigen, dass das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben, durch das Screening um etwa 0,22 Prozent sinkt – ein Wert, der mit dem Brustkrebs-Screening vergleichbar ist. Experten fordern Umdenken Trotz dieser Ergebnisse mahnen die Experten zur Vorsicht. Sie vergleichen eine klinische Studie mit einem etablierten bevölkerungsweiten Programm. Außerdem handelt es sich um zwei unterschiedliche Krebsarten. Dennoch ziehen sie ein klares Fazit: Es erscheint zunehmend schwer nachvollziehbar, warum viele Länder ein Brustkrebs-Screening unterstützen, ein Prostatakrebs-Screening jedoch ablehnen. Offen bleibt jedoch vor allem die Frage: Wie teuer wäre ein flächendeckendes Screening für Männer – und lohnt es sich im Vergleich zu den bisherigen, oft zufälligen Untersuchungen? Genau das wollen die Forscher nun klären.