Alter, gesundheitliche Probleme, Stolperfallen und mehr: Ein Sturz kann unzählige Gründe haben. Ein möglicher Risikofaktor ist auch die häufige Reizblase. Menschen mit einer Reizblase (fachsprachlich überaktive Blase genannt) haben ein deutlich erhöhtes Sturzrisiko: Das hat eine kürzlich im Fachmagazin "Neurourology and Urodynamics" veröffentlichte Studie ergeben. Danach kommt es umso häufiger zu Stürzen, je stärker die Beschwerden der Reizblase wie Harndrang und nächtliches Wasserlassen ausgeprägt sind. Stürze sind oft folgenschwer Stürze können zu schwerwiegenden Verletzungen wie Oberschenkelhalsbrüchen und Schädel-Hirn-Verletzungen führen. Daher gehören sie zu den häufigsten Ursachen für Behinderungen und den Verlust der Selbstständigkeit bei Erwachsenen. Umso wichtiger ist es, für eine wirksame Sturzvermeidung alle Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen. Sturzverletzungen: So schwer können die Folgen sein Studie zeigt: Diese Ernährung schwächt die Knochen Risiko: Warum Diabetes die Knochen gefährden kann Reizblase als Risikofaktor im Fokus Inwieweit eine Reizblase mit dem Sturzrisiko zusammenhängt, ist bislang nur unzureichend untersucht worden. Das wollte ein Forschungsteam um Brian J. Linder vom Department of Urology der Mayo-Klinik in Minnesota mit der aktuellen Studie ändern. Denn wer öfter starken Harndrang verspürt, kann aus mehreren naheliegenden Gründen zu Stürzen neigen. So verändert sich das Gangbild, wenn jemand wegen starken Harndrangs zur Toilette eilt, was eher zu Stürzen führt. Bei nächtlichem Harndrang steigt dieses Risiko wegen der oftmals schlechten Lichtverhältnisse und der verminderten Wachsamkeit zusätzlich. Überdies können nächtliche Toilettengänge den Schlaf stören, sodass die Konzentration, die Koordination und die Reaktionsfähigkeit am Tag beeinträchtigt sind. Schließlich können Medikamente gegen die Reizblase Nebenwirkungen haben, die das Risiko für Stürze und Knochenbrüche erhöhen. Schwächelnde Blase: Die Wechseljahre können schuld sein Blasenschwäche beim Mann: Oft steckt die Prostata dahinter Studie deckt breite Altersspanne ab Für seine Studie analysierte das Forschungsteam Gesundheitsdaten aus den USA , die von mehr als 4.000 Erwachsenen im Alter von 20 bis 69 Jahren stammten. Von allen teilnehmenden Personen hatten fast 20 Prozent eine Reizblase. 28,3 Prozent gaben an, innerhalb des vergangenen Jahres mindestens einmal gestürzt zu sein. Ergebnis fällt eindeutig aus Auffällig war dabei, dass Menschen mit Reizblase ein deutlich höheres Sturzrisiko hatten: Es lag bei knapp 40 Prozent. Bei Personen ohne Blasenprobleme war es hingegen mit rund 26 Prozent etwas niedriger. Zudem waren Stürze bei einer Reizblase umso wahrscheinlicher, je stärker diese sich bemerkbar machte: Während nur 24,3 Prozent der Personen ohne nennenswerte Symptome stürzten, passierte dies bei starken Beschwerden mehr als der Hälfte der Betroffenen. Dieser deutliche Zusammenhang zwischen einer Reizblase und dem Sturzrisiko blieb auch nach Berücksichtigung anderer möglicher Einflussfaktoren auf die Sturzneigung (wie Alter oder gesundheitliche Probleme) bestehen. Anders ausgedrückt: Das Blasenproblem scheint ein unabhängiger Risikofaktor für Stürze zu sein. Bedeutung für die Sturzvermeidung Angesichts der hohen Anzahl an Betroffenen könnte somit eine gute urologische Versorgung dazu beitragen, Stürze zu vermeiden: Nach Schätzungen haben etwa sieben Prozent aller unter 35-Jährigen und mehr als 30 Prozent der über 75-Jährigen eine Reizblase. Die Dunkelziffer ist vermutlich höher, da viele Betroffene keinen ärztlichen Rat suchen. Das Forschungsteam schlägt daher vor, bei der Einschätzung des Sturzrisikos künftig gezielt nach Beschwerden einer Reizblase zu fragen. Ob eine Behandlung der Symptome das Sturzrisiko tatsächlich senken kann, müssen allerdings weitere Studien zeigen.