Jeden Tag beantwortet ein Experte aus der t-online-Ratgeberredaktion eine Leserfrage rund ums Geld. Heute geht es um das neue Altersvorsorgedepot. Am Freitag hat der Deutsche Bundestag eine Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen . Das sogenannte Altersvorsorgedepot soll die Riester-Rente ablösen, die 2002 eingeführt wurde. Das System wurde von vielen kritisiert, da die Kosten oft die Wertentwicklung negativ beeinflusst haben, sodass viele Rentner am Ende nicht viel mehr erhalten, als sie einst eingezahlt haben. Dies soll mit dem neuen Altersvorsorgedepot anders werden. Das Modell geht ab 2027 an den Start. Bisherige Riester-Sparer können in das neue System wechseln, müssen das aber nicht tun. Für wen lohnt sich also der Wechsel zum Altersvorsorgedepot? Kosten, Dauer und Förderung: Das sollten Riester-Sparer bedenken Das kann man nicht pauschal beantworten. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, das zu prüfen. Wer von einem Riester-Vertrag in das Altersvorsorgedepot wechseln möchte , kann das kostenfrei tun, wenn der Vertrag schon seit mindestens fünf Jahren läuft. Andernfalls können Anbieter eine Gebühr für die Vertragsauflösung verlangen. Beim Wechsel in das Altersvorsorgedepot behalten Sparer die bisher gezahlten Zulagen, sie müssen sie also nicht, wie bei einer regulären Kündigung, zurückzahlen. Die erste Frage, die sich Riester-Sparer vor dem Wechsel stellen sollten: Wie lange ist es noch bis zur Rente ? Wer noch zehn bis 15 Jahre vor sich hat, kann über einen Wechsel nachdenken. Denn mit dem neuen Depot können Sparer am Kapitalmarkt investieren , was manchmal größeren oder kleineren Schwankungen unterliegen kann. Wer in einen breit gestreuten ETF-Sparplan investiert, hat trotzdem ein relativ kleines Risiko und über eine lange Dauer gleichen sich die Schwankungen wieder aus. Im Schnitt können ETF-Sparer mit einer jährlichen Rendite von sechs Prozent rechnen. Wenn es nur noch ein paar Jahre bis zur Rente sind, ist das Risiko größer, dass Sie gerade in einer Zeit investieren, in der es an der Börse bergab geht und mögliche Verluste nicht mehr ausgeglichen werden können. In diesen Fällen ist es mutmaßlich sinnvoller, beim bestehenden Riester-Vertrag zu bleiben. Am Ende entscheiden aber Sie, ob Sie mögliche Schwankungen aushalten oder nicht. Ab 2027 gibt es keine neuen Riester-Verträge mehr Ein weiterer Faktor, den Sie vor einem Wechsel bedenken sollten, betrifft die bisherigen Konditionen und die Wertentwicklung des bestehenden Riester-Vertrags. Diese sollten sich Sparer jetzt genau anschauen. Dazu kann ein Blick in die Riester-Jahresmitteilung helfen: Dort werden die jährlichen Kosten ausgewiesen. Häufig kommt es vor, dass die Riester-Zulagen durch Kosten vollständig aufgefressen werden – in so einem Fall kann es sinnvoll sein, auf ein anderes Modell zu wechseln. Allerdings nur, wenn die Kosten im neuen Vertrag nicht genauso hoch ausfallen. Das gilt es vor dem Wechsel ebenfalls zu prüfen. Für Einsteiger und Menschen mit wenig Finanzwissen gibt es im neuen System sogenannte Standardprodukte. Für diese gilt ein Kostendeckel, und zwar dürfen die Kosten die Schwelle von einem Prozent des verwalteten Vermögens pro Jahr nicht übersteigen. Das klingt nach wenig, kann aber im Laufe der Zeit eine große Summe bedeuten: Wer monatlich 200 Euro bei einer jährlichen Rendite von 6 Prozent spart, zahlt nach 40 Jahren fast 65.000 Euro nur für Gebühren. Auf die Höhe dieser Kosten sollten Sparer vor einem Wechsel also achten. Zu berechnen wäre zudem, in welchem Szenario sich die Förderung für das Altersvorsorgedepot im Vergleich zum Riester-Vertrag mehr lohnt. Für manche Geringverdiener mit vielen Kindern könnte es sein, dass das alte Modell vorteilhafter ist. Wer keine Kinderzulagen erhält oder zu den Gut- oder Durchschnittsverdienern gehört, kann eher über einen Wechsel nachdenken. Ob sich ein Altersvorsorgedepot hingegen mehr lohnt als ein privater ETF-Sparplan, hängt ebenfalls von den Kosten ab. "Als Faustformel lässt sich sagen, dass die staatliche Förderung im Schnitt etwa einen Prozentpunkt Renditevorteil pro Jahr bringen kann. Sind die Kosten zu hoch, fressen sie diesen Vorteil aber auf", erklärt Verbraucherschützer Niels Nauhauser im t-online-Interview . Ob Sie also vom Riester-Vertrag in das Altersvorsorgedepot wechseln, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Keiner wird dazu gezwungen. In manchen Fällen kann sich das neue System aber mehr lohnen als das alte. Ab 2027 können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden, das alte System wird also nach und nach verschwinden.