RTL strukturiert um und streicht Stellen. Darunter auch prominent besetzte. Die meisten Moderatorinnen und Moderatoren scheinen den Sender jedoch ohne große Ankündigung zu verlassen. Derzeit befindet sich RTL Deutschland in einem Wandel. Die Umstrukturierung innerhalb des Konzerns bringt neue Formate mit sich, ebenso wie das Ende altbekannter Sendungen und Magazine. Darunter "Gala TV", "Prominent" auf Vox sowie die morgendlichen RTL-Formate "Punkt 6", "Punkt 7" und "Punkt 8". Statt der drei "Punkte" setzt RTL gemeinsam mit ntv ab Mai auf ein neues Morgenprogramm. Das hatte die Sendergruppe bereits Anfang Januar mitgeteilt. Nach und nach meldeten sich nach der Ankündigung Personen zu Wort, die RTL Deutschland damit einhergehend verlassen oder zumindest lukrative Jobs verlieren. Offizielle, öffentliche Abschiede mit Worten des Dankes und der guten Wünsche vonseiten des Konzerns sind aber Fehlanzeige. Stattdessen passiert das meiste über die Instagram-Accounts der Betroffenen oder etwa innerhalb der jeweiligen Sendungen. Seitenhieb inklusive: Annett Möller verlässt RTL nach 18 Jahren RTL-Magazin trennt sich von Moderatoren: Fans entsetzt So hatte vergangene Woche bereits Vanessa Civiello ihren letzten Auftritt in den Frühstücksformaten. Eine vorherige Mitteilung diesbezüglich hatte es nicht gegeben. Völlig überraschend kam es also zu einem tränenreichen Abschied bei "Punkt 8". Civiello verlässt den Sender nicht ganz, sie wird in Zukunft weiter für die Morningshow des Kindersenders Toggo Radio vor dem Mikrofon stehen. Dann wären da noch die prominenteren Namen: An diesem Freitag begrüßte Annett Möller zum letzten Mal zum Morgenprogramm bei RTL. "Ich bin fein, mir geht es gut. Natürlich bin ich traurig, dass es zu Ende ist, aber es ist okay", sagte sie zum Abschied. Nach 18 Jahren endete damit ihre Zeit bei RTL. Wer nach so langer Zeit beim Sender einen Blumenstrauß oder einen Einspieler mit Möllers schönsten, lustigsten Momenten erwartet hatte, wurde enttäuscht. All das gab es nicht. Für Möllers Kollegen Simon Beeck steht kommende Woche das Aus an. Angela Finger-Erben verabschiedet sich nach 15 Jahren ebenfalls, zumindest von den Morgensendungen. Auch die beiden zuletzt genannten Personalien verkündete RTL nicht offiziell in einer Pressemitteilung. Der Sender rückte erst auf Nachfrage der "Abendzeitung München" damit heraus. Inwiefern Finger-Erben und Beeck weiterhin bei RTL beschäftigt sein werden, ist derzeit nicht bekannt. Der "AZ" sagte eine Sendersprecherin nur: "Zu möglichen weiteren Planungen halten wir Sie gerne auf dem Laufenden." Klar ist jedoch, dass Finger-Erben schon seit Jahren gemeinsam mit Olivia Jones "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! Die Stunde danach" moderiert. Simon Beeck ist auch Sprecher in Shows wie "Love Island" oder dem Dschungelcamp. Eine Zukunft beim Sender dürften beide also haben. Die Neuen in der Morgenrunde Am 4. Mai soll dann das neue Nachrichtenmagazin "Deutschland am Morgen" starten, das bei RTL und ntv läuft. Details dazu gibt es auf den hauseigenen Plattformen und im Pressebereich: Moderiert wird das Format, das montags bis freitags von 6 bis 9 Uhr läuft, im Wechsel von Sabrina Ilski und Jörg Boecker sowie Sibylle Scharr und Jan Malte Andresen. Sabrina Ilski ist seit 2024 Moderatorin bei "Punkt 12", Joerg Boecker steht seit 2017 für ntv-Formate vor der Kamera, genauso wie Sibylle Scharr. Jan Malte Andresen moderiert seit 2024 die Morgensendungen bei RTL. Zum erweiterten Moderationsteam gehören noch Sarah Oswald und Daniel Fischer. Oswald moderiert ebenfalls seit 2024 bei ntv und Fischer ist seit 2022 für RTL im Einsatz. Die Zuschauerinnen und Zuschauer erwartet dem Sender zufolge eine TV-Sendung, die eng mit digitalen Angeboten und Social Media verknüpft ist. Es gibt Nachrichten, Sport, Wetter und Rubriken wie "Meinung am Morgen", "Gesund am Morgen" oder "Geld am Morgen" sowie Gespräch mit unterschiedlichen Gästen aus unterschiedlichen Bereichen. RTL Deutschland streicht 600 Stellen RTL Deutschland hatte Anfang Januar mitgeteilt, dass im Konzern rund 600 Stellen gestrichen werden sollen. Von dem Vorhaben, das der Sender selbst "Shift 2026" nennt, sind zahlreiche Menschen betroffen, die im Hintergrund arbeiten, aber eben auch die genannten Gastgebenden aus den Morgenmagazinen. Zudem strich man ganze Formate, teilweise wenige Tage nach der Verkündung. Auch Annika Lau , die von 2022 bis zum Ende der Sendung im Januar 2026 "Gala TV" moderierte, hat ihren Job verloren, ebenso wie Laura Dahm, von 2018 bis 2026 Moderatorin des eingestellten Vox-Boulevardmagazins "Prominent!". Generell sind unter den Abgängen deutlich mehr Frauen. Was den Konzern zu der weitreichenden Umstrukturierung veranlasst hat, erklärte Martin Gradl, Geschäftsführer RTL News und n-tv, im Januar so: "Entscheidungen wie diese fallen uns nicht leicht und sind sehr schmerzhaft. Gleichzeitig sind sie notwendig geworden, um RTL News weiterhin in einer starken und zukunftssicheren Position zu halten." Laut Programmchefin Inga Leschek stellt man mit den geplanten Maßnahmen "die Weichen verstärkt Richtung Digital". RTL hat seit Jahren mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen. Lineares Fernsehen liefert nicht mehr ansatzweise so viele TV-Werbeumsätze wie einst – seit 2019 sind sie um mehr als 20 Prozent gesunken. Der Ausbau des Streamingdienstes RTL+ mit seinen Abonnements kann diese Verluste nicht auffangen. Nächste Hiobsbotschaft für RTL-Angestellte Am Donnerstag berichtete die "Süddeutsche Zeitung" sogar, dass RTL Deutschland die Erfolgsbeteiligung für 2025 gestrichen hat. Diese jährliche Gewinnausschüttung – in guten Jahren das Eineinhalbfache des jeweiligen Bruttomonatsgehalts, zuletzt immerhin ein halbes Monatsgehalt, je nach Erfolg – ist seit 1993 in einer Betriebsvereinbarung verankert und gilt für Mitarbeitende, die seit mindestens zwei Jahren bei RTL angestellt sind. Dies haben die Angestellten dem Bericht zufolge in einer nüchternen Mitteilung im Intranet erfahren. Darin hieß es, man blicke dennoch "zuversichtlich nach vorne". Man setze zudem auf ein neues Modell der Erfolgsbeteiligung, welches in zwei Wochen vorgestellt werden solle. Dass die Angestellten jetzt auch für ihre Milch im Kaffee zahlen müssen, scheint da nebensächlich. Trotz all dieser ernüchternden Mitteilungen für die Mitarbeitenden setzt RTL später am Tag im TV-Programm dann doch auf sehr prominente Namen. So startete erst in diesem Jahr Rebecca Mir als Moderatorin des Magazins "Exclusiv", während Bella Lesnik schon seit dem vergangenen Jahr nicht mehr in dem Format zu sehen war und sich auf Instagram als ehemalige "Exclusiv"-Kollegin bezeichnet. Obendrein darf sich Stefan Raab weiterhin ausprobieren. Immerhin wurde er für fünf Jahre und 90 Millionen Euro kolportiertes Auftragsvolumen verpflichtet. Kürzlich feierte seine gemeinsame Samstagabendshow mit Barbara Schöneberger Premiere. Ein kleiner Lichtblick angesichts der sonst kaum zufriedenstellenden Quoten seiner Formate. Zudem kündigte der Sender die von ihm präsentierte "1. Jetski Star Weltmeisterschaft" für Ende August an.