Eine giftige Substanz aus der Herbstzeitlosen wird seit Jahrhunderten gegen Gicht eingesetzt. Nun zeigte sie auch einen schützenden Effekt auf das Herz-Kreislauf-System. Der Pflanzenstoff Colchicin, der aus der giftigen Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) stammt, wirkt entzündungshemmend – und das schon in sehr niedrigen Dosen. Diese Wirkung nutzt man seit Langem bei Gicht . Nun zeigt eine neue Übersichtsstudie in der renommierten Cochrane-Datenbank, dass Colchicin auch nach einem Herzinfarkt sinnvoll eingesetzt werden kann: Es senkt das Risiko auf weitere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall . Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich seltener Für ihre Analyse wertete ein Schweizer Forschungsteam Daten von über 22.000 Patientinnen und Patienten aus zwölf Studien aus. Alle Teilnehmer litten bereits an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, viele hatten einen Herzinfarkt überstanden. Die Hälfte erhielt täglich 0,5 Milligramm Colchicin – entweder einmal oder zweimal täglich. Die andere Hälfte diente als Kontrolle. Das Ergebnis: Bei den Patientinnen und Patienten, die Colchicin einmal täglich einnahmen, sank die Rate an weiteren Herzinfarkten um 26 Prozent. Noch deutlicher fiel der Effekt bei Schlaganfällen aus: Hier reduzierte sich das Risiko sogar um ein Drittel. Allerdings konnten die Forscher nur einen kleinen, nicht signifikanten Unterschied bei der Sterberate feststellen. Alarmsignale erkennen : Herzinfarkt kann sich über mehrere Tage entwickeln Warnzeichen der Nase : Unscheinbares Symptom kann mit Herz zusammenhängen "Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die niedrig dosiertes Colchicin mindestens sechs Monate lang zur Sekundärprävention einnehmen, profitieren von einer geringeren Häufigkeit von Herzinfarkt und Schlaganfall", so die Einschätzung der Studienautoren. Dafür gebe es "eindeutige Belege". Auch bei den unerwünschten Wirkungen gibt es gute Nachrichten: Schwere Nebenwirkungen traten unter Colchicin nicht häufiger auf als unter Placebo oder herkömmlicher Therapie. Allerdings kam es häufiger zu Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall oder Übelkeit. Diese seien laut Studie jedoch meist mild und vorübergehend gewesen. Warum Colchicin entzündliche Prozesse im Herz dämpfen kann Herzinfarkte werden durch verengte Herzkranzgefäße ausgelöst. Eine solche Koronarsklerose, auch koronare Herzkrankheit (KHK) genannt, geht häufig mit einer erhöhten Entzündungsreaktion einher – erkennbar an einem Anstieg des C-reaktiven Proteins. Ähnliches gilt für Schlaganfälle. Hier sind die Blutgefäße des Gehirns betroffen. An dieser Stelle setzt die entzündungshemmende Wirkung von Colchicin an. Besonders wichtig ab 60 Jahren : Dieses Vitamin kann das Gehirn schützen Anzeichen frühzeitig erkennen : Das passiert bei einem Schlaganfall im Gehirn Colchicin entfaltet seine Wirkung, indem es in die Immunantwort eingreift. Insbesondere hemmt es die Aktivität bestimmter Entzündungsmediatoren und weißer Blutkörperchen (Neutrophilen), die bei chronischen Entzündungen eine Rolle spielen. Colchicin kann damit offenbar das Fortschreiten der Gefäßverkalkung bremsen, wie auch frühere Studien zeigen. Zulassung zur Herzinfarkt-Prävention steht in der EU noch aus Aufgrund der Studienlage hat die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA Colchicin deshalb bereits 2023 für den Einsatz nach Herzinfarkten zugelassen. In Europa steht eine solche Entscheidung noch aus – obwohl auch die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie den Einsatz von Colchicin laut dem "Ärzteblatt" inzwischen als mögliche Option aufführen. Und auch in Deutschland bleibt Colchicin bisher ein Außenseiter in der Kardiologie. Das bestätigt auch der Kardiologe Ulrich Laufs vom Universitätsklinikum Leipzig im "Ärzteblatt". Seine Analyse der Apotheken-Datenbank (APTA) ergab: Das Medikament wird in der Praxis kaum eingesetzt.