Eigentlich sollte die Sojus-5 noch 2025 abheben. Doch nun verschiebt Roskosmos den Start – und wirft damit neue Fragen zum Zustand der russischen Raumfahrt auf. Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos und die kasachische Weltraumagentur Kazkosmos haben sich darauf geeinigt, den geplanten Start der neuen Sojus-5-Rakete zu verschieben. Das berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass am 26. Dezember 2025. Als Grund nannte Roskosmos "technische Gründe". Konkret gehe es um zusätzliche Überprüfungen der Bordsysteme und der Bodenausrüstung, schreibt das Portal "golem.de". Ein konkreter neuer Starttermin wurde zunächst nicht genannt. Der erste Testflug soll nun im Rahmen des russisch-kasachischen Baiterek-Projekts frühestens im ersten Quartal 2026 stattfinden. Das gab Zhaslan Madiyev, kasachischer Minister für Künstliche Intelligenz und digitale Entwicklung, laut Tass bekannt. "Dies ist unsere eigene kasachische Startrampe, von der aus Trägerraketen zwischen den mittleren und schweren Lastklassen gestartet werden", so Madiyev. Laut Dmitri Baranow, stellvertretender Generaldirektor für Raketenprojekte bei Roskosmos, sei die Verschiebung notwendig, um "Statistiken zu sammeln und die Zuverlässigkeit und Sicherheit des Starts weiter zu gewährleisten". Die Rakete sei zwar technisch bereit, ebenso wie die Startinfrastruktur am Raumfahrtzentrum Baikonur, dennoch würden weitere Tests als erforderlich angesehen. Zweifel an Wettbewerbsfähigkeit Die Sojus-5 ist eine zweistufige Trägerrakete der mittleren Klasse. Sie soll Satelliten und Raumfahrzeuge in eine erdnahe Umlaufbahn (LEO) befördern und nach offiziellen Angaben bis 2028 voll einsatzbereit sein. Anders als moderne Trägersysteme westlicher Anbieter ist die Sojus-5 jedoch nicht wiederverwendbar. In Kombination mit den Auswirkungen internationaler Sanktionen und dem Krieg in der Ukraine dürfte das die Wettbewerbsfähigkeit der neuen Rakete weiter einschränken. Laut "golem.de" gibt es aktuell nur wenige Abnehmer für Starts mit russischen Trägerraketen. Trotzdem setzt Russland auf neue Einnahmequellen: Ab dem 1. Januar 2026 ist kommerzielle Werbung auf russischen Raumfahrzeugen erlaubt. Wie diese konkret aussehen soll, ist bislang nicht bekannt. Energie für den Mond – aus dem Atomreaktor Parallel zu den laufenden Arbeiten an der Sojus-5 plant Russland langfristig ein eigenes Kraftwerk auf dem Mond. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat Roskosmos einen Vertrag mit dem Raumfahrtunternehmen Lawotschkin geschlossen. Ziel sei es, bis 2036 ein Energieversorgungssystem zu errichten, das Rover, wissenschaftliche Instrumente und eine geplante internationale Mondforschungsstation mit Strom versorgen kann. An dem Projekt beteiligt sind auch Rosatom, die staatliche russische Atomenergiebehörde sowie das Kurtschatow-Institut, ein führendes russisches Forschungszentrum für Atomenergie und Physik. Obwohl in offiziellen Mitteilungen nicht ausdrücklich von einem Atomkraftwerk die Rede ist, legen die beteiligten Partner nahe, dass es sich um ein nukleares System handelt. Roskosmos selbst bezeichnet das Vorhaben als "wichtigen Schritt zur Schaffung einer ständig funktionierenden wissenschaftlichen Mondstation". Neuer Wettlauf zum Mond? Auch die USA verfolgen ähnliche Ziele. Die Nasa kündigte im August an, bis spätestens Anfang 2030 einen eigenen Reaktor auf dem Mond zu installieren. US-Verkehrsminister Sean Duffy sagte dazu: "Wir befinden uns in einem Wettlauf zum Mond, in einem Wettlauf mit China zum Mond. Und um eine Basis auf dem Mond zu haben, brauchen wir Energie". Hinter dem Wettlauf stehen auch erhebliche wirtschaftliche Interessen. Einige Experten sagen einen regelrechten Goldrausch auf dem Mond voraus. Die Nasa verweist auf Schätzungen über Vorkommen von bis zu einer Million Tonnen Helium-3 auf dem Mond, einem auf der Erde seltenen Helium-Isotop, das als potenzieller Brennstoff für die Kernfusion gilt. Zudem sollen auf dem Mond Seltene Erden vorhanden sein, die für Smartphones, Computer und andere Hochtechnologien benötigt werden. Dazu gehören laut einer Untersuchung des Luftfahrt-Konzerns Boeing Scandium, Yttrium und die 15 Lanthanoide. Rückstand soll aufgeholt werden Für Russland sind die laufenden Projekte auch ein Versuch, wieder an internationale Standards anzuknüpfen. Zwar gilt der erste bemannte Raumflug durch Juri Gagarin 1961 bis heute als historischer Erfolg, doch in den vergangenen Jahren hat das Land im Bereich Raumfahrt an Bedeutung verloren. Rückschläge wie der Absturz der unbemannten Luna-25-Mission im Jahr 2023 und die Dominanz westlicher Anbieter wie SpaceX haben das Bild geprägt. Langfristig setzen Moskau und Peking auf eine gemeinsame Infrastruktur im All. Die mit China geplante internationale Mondforschungsstation soll wissenschaftliche Langzeitmissionen ermöglichen. Für ihren Betrieb wird elektrische Energie benötigt – hier kommt das geplante Reaktorsystem ins Spiel. Veränderte Marktbedingungen Wie viele von den ambitionierten Plänen tatsächlich umgesetzt werden, hängt nicht nur von der technischen Machbarkeit ab. Auch geopolitische Faktoren, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und internationale Kooperationen spielen eine Rolle. Der Markt für Trägerraketen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert – mit einem klaren Vorteil für wiederverwendbare Systeme. Mit dem geplanten Testflug der Sojus-5 im ersten Quartal 2026 will Roskosmos nun zumindest den nächsten Schritt gehen.