Statine: Forscher widerlegen viele befürchtete Nebenwirkungen

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Statine sollen den Cholesterinspiegel senken. Doch die Beipackzettel listen zahlreiche mögliche Nebenwirkungen auf. Ein Forscherteam hat untersucht, wie wahrscheinlich sie wirklich sind. Statine gehören zu den wichtigsten Medikamenten in der Herz-Kreislauf-Medizin. Ärzte verschreiben sie millionenfach, um den Cholesterinspiegel bei Risikopatienten zu senken und dadurch Herzinfarkte sowie Schlaganfälle zu verhindern. Trotzdem brechen viele Patienten die Therapie ab oder beginnen sie gar nicht erst, aus Sorge vor Nebenwirkungen. Genau diese Sorge hat nun ein internationales Forschungsteam in einer aktuellen Übersichtsarbeit genauer untersucht. Die Studie wurde kürzlich im renommierten Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht. Vier Statin-Nebenwirkungen bestätigt Die sogenannte Cholesterol Treatment Trialists’ (CTT) Collaboration analysierte 19 hochwertige Studien mit insgesamt rund 124.000 Teilnehmenden. Alle Studien liefen doppelblind ab. Das bedeutet: Weder die Patientinnen und Patienten noch die behandelnden Ärzte wussten, wer ein Statin und wer ein Placebo erhielt. Die Forschenden prüften gezielt, ob die Nebenwirkungen aus den offiziellen Beipackzetteln tatsächlich durch Statine verursacht wurden. Das Ergebnis: Zusätzlich zu den bereits früher bestätigten Auswirkungen auf die Muskulatur und den Blutzuckerspiegel (siehe Infobox) ließen sich nur vier von 66 möglichen Nebenwirkungen eindeutig auf Statine zurückführen. Dazu gehören: Veränderte Werte der Leber-Transaminase ( erhöhte Leberwerte deuten in der Regel auf Veränderungen beziehungsweise Krankheiten im Bereich der Leber hin ) andere Veränderungen in der Leberfunktion, etwa bei bestimmten Leberenzymen Veränderungen der Urinzusammensetzung Ödeme (Wassereinlagerungen) Wichtig dabei: Die zusätzlichen Risiken blieben sehr gering. Pro Jahr betrafen sie jeweils deutlich weniger als ein Prozent der Behandelten, bis auf die Ödeme, bei denen etwas über ein Prozent betroffen waren. Bei den Leberwerten zeigte sich zudem ein dosisabhängiger Effekt: Höhere Statin-Dosen führten häufiger zu Auffälligkeiten. Auch José Luis López Sendón, ein spanischer Kardiologe und Forscher, der selbst nicht an der Studie beteiligt war, schrieb im "Science Media Centre" (SMC): "Zusätzliche Nebenwirkungen treten im Vergleich zum Placebo sehr selten auf. Die Ergebnisse dieser Arbeit stellen einen sehr wichtigen Beitrag zur Sicherheit von Statinen dar." Zahlen richtig deuten : Ab wann die Cholesterinwerte zu hoch sind Auch bei Gesunden ein Problem? So wirken sich hohe Cholesterinwerte auf den Körper aus Keine Hinweise auf viele befürchtete Beschwerden Für zahlreiche häufig genannte Nebenwirkungen fanden die Wissenschaftler dagegen keinen Zusammenhang. Dazu gehören unter anderem Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen , Depressionen oder Gedächtnisprobleme. Auch für Erkrankungen wie Nierenschäden, Nervenschädigungen oder Demenz ergaben sich keine Belege. Die Studienautoren schlussfolgern daraus: "Angesichts dieser Erkenntnisse sollten solche Kennzeichnungen und andere offizielle Quellen für Gesundheitsinformationen überarbeitet werden, damit Patienten und ihre Ärzte angemessen informierte Entscheidungen hinsichtlich einer Statintherapie treffen können." Auch Emily Herrett, Professorin an der London School of Hygiene & Tropical Medicine, erklärt im SMC: "Diese Ergebnisse sollten sowohl Patienten als auch Ärzte beruhigen. Viele Menschen setzen Statine aufgrund von wahrgenommenen oder befürchteten Nebenwirkungen ab. Diese Studie zeigt jedoch, dass die während der Statin-Einnahme aufgetretenen Symptome wahrscheinlich auch ohne die Einnahme von Statinen aufgetreten wären." Hinter der Wahrnehmung solcher Nebenwirkungen, ohne dass sie mit dem Medikament begründet sind, vermuten Forscher den sogenannten Nocebo-Effekt. Er beschreibt das Phänomen, dass allein die Erwartung einer Nebenwirkung Beschwerden auslösen kann.
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