Die New England Patriots stehen im Super Bowl 60. Vater des Erfolgs ist Headcoach Mike Vrabel – von dem seine Spieler aus verschiedenen Gründen schwärmen. Von Jens Bistritschan, San Francisco Noch nie hat ein Coach sowohl als Spieler als auch als Cheftrainer mit dem gleichen Team einen Super Bowl gewonnen. Mike Vrabel könnte dieses Kunststück nun im Endspiel der National Football League (NFL) mit den New England Patriots gegen die Seattle Seahawks gelingen. Vor einem Jahr lagen die New England Patriots am Boden. Mit gerade einmal vier Siegen aus 17 Partien hatte das in den beiden Jahrzehnten zuvor so erfolgsverwöhnte Team zum dritten Mal in Folge den Einzug in die Playoffs der NFL verpasst. Teambesitzer Robert Kraft fackelte daraufhin nicht lange und entließ Cheftrainer Jerod Mayo. Dieser hatte von Kraft schon vor Jahren die Zusage bekommen, Nachfolger von Bill Belichick zu werden, wenn die Trainer-Legende nicht mehr Trainer der Patriots sein würde. Als es nach sechs Super-Bowl-Erfolgen soweit war, hielt Kraft 2024 Wort, doch die Bilanz von Mayo in seinem ersten Jahr war genau so schlecht wie die von Belichick in seinem letzten. Also zog Kraft die Reißleine. "Die schwerste Entscheidung seines Lebens" "Das war einer der schwersten, wenn nicht gar die schwerste Entscheidung meines Lebens. Jerod hätte einfach mehr Zeit gebraucht. Aber ich sehe mich und meine Familie als Verwalter eines öffentlichen Vermögenswertes", erklärte der 84-Jährige vor einigen Wochen. Deshalb habe er die Entscheidung zur Trennung von Mayo getroffen. Ziel sei es dann gewesen, "einen Coach zu finden, der uns zurück in die Playoffs und hoffentlich zu weiteren Titeln führt". Und den fand er in Mike Vrabel, der als Spieler selbst drei Titel mit New England geholt hatte. Noch nie in der Geschichte der NFL erlebte ein Team innerhalb einer Spielzeit eine derartige Trendwende wie die 2025er-Patriots. Am Ende der regulären Saison standen 14 Siege bei drei Niederlagen zu Buche. Und nach drei Siegen in den Playoffs gegen die Los Angeles Chargers, die Houston Texans und bei den Denver Broncos steht New England in der Nacht von Sonntag auf Montag zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder im Super Bowl. Mit seiner Art scheint Vrabel seine Spieler für sich gewonnen zu haben. "Er kann ein harter Hund sein, wenn es sein muss", erklärte Center Garrett Bradbury nach dem Halbfinalsieg bei den Denver Broncos. "Aber man kann auch viel Spaß mit ihm haben. Die ganze Kabine glaubt an ihn." "Wir sind bereit" Und auch Wide Receiver Kayshon Boutte lobt Vrabel als "großartigen Coach. Ohne ihn würden wir heute nicht dort sein, wo wir sind." Gemeint ist natürlich der Super Bowl. Maßgeblichen Anteil an dem Turnaround hat sicherlich auch Offensive Coordinator Josh McDaniels, den Vrabel nach New England zurückholte. Dieser wirkt beim Endspiel in Santa Clara vor den Toren von San Francisco zum zehnten Mal als Assistenztrainer in einem Super Bowl mit – NFL-Rekord. Unter McDaniels Ägide machte Quarterback Drake Maye in seiner zweiten NFL-Saison einen gewaltigen Sprung nach vorne. Über 70 Prozent seiner Würfe brachte der Spielmacher an den Mann (Ligabestwert in 2025) und besondere bei den weiten Pässen wusste er zu überzeugen. In das Endspiel gehen die Patriots als leichter Außenseiter. Darauf angesprochen erklärte Vrabel bei der Opening Night am Montag ganz trocken: "Einer muss das ja sein" – wohl wissend dass die Wettquote auf einen Sieg seines Teams im Super Bowl vor der Saison 80:1 war. Davon, dass New England nach sechs Titeln und zwei weiteren Finalteilnahmen innerhalb von 18 Jahren unter Belichick nun zu einer neuen Dynastie ansetzen könnte, wollte Vrabel in der Woche vor dem Super Bowl nichts wissen. "Ich habe keine Ahnung, wie das aufgekommen ist. Vielleicht kann man die Teams, bei denen ich (als Spieler, Anm. des Autor) mitgewirkt habe, als Teil einer Dynastie bezeichnen. Aber wir versuchen hier gerade etwas wieder aufzubauen. Dass wir es schon im ersten Jahr in den Super Bowl geschafft haben, ist eine tolle Sache. Wir sind bereit."