Vier schöne Wanderwege, ein mittelalterlicher Marktplatz und ein Auftritt in einem Kultfilm. Ein Mosel-Ort hat im Frühling viel zu bieten. Der Frühling ist da – und mit ihm beginnt auch die Suche nach schönen Ausflügen in Nordrhein-Westfalen. Bernkastel-Kues an der Mosel ist dafür eine verlässliche Adresse: Die Stadt zieht Reisebusse und Ausflugsdampfer gleichermaßen an, und das schon seit Jahrhunderten. Der britische Maler William Turner bereiste die Mosel im Jahr 1824 per Schiff und hielt seine Eindrücke noch Jahre später, um 1830, in einem Aquarell fest. Der Moselwein, die Burg Landshut und die historische Fachwerkarchitektur der Altstadt sind hier die klassischen Gründe, warum Touristen das Mosel-Örtchen heute ansteuern – und bei milden Frühlingstemperaturen kommen die Wanderwege rund um die Stadt noch einmal besonders zur Geltung. Anfahrt von Aachen nach Bernkastel-Kues Von Aachen aus ist Bernkastel-Kues mit dem Auto zu erreichen: Die schnellste Route führt über die E42 und die A60 und ist laut Google Maps rund 169 Kilometer lang – bei normalem Verkehr eine Fahrzeit von etwa zwei Stunden und 16 Minuten. Aktuell führt die schnellste Route wegen Straßensperrungen auf der A60 durch Belgien. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist zwar möglich, aber aufgrund mehrfachen Umsteigens wenig komfortabel und für einen Tagesausflug kaum empfehlenswert. Da sollte man schon etwas mehr Zeit einplanen, etwa für einen Wochenendtrip oder gleich einen Kurzurlaub an der Mosel. Altstadt, Burg und ein kurzes Harry-Potter-Gastspiel In der Altstadt von Bernkastel lohnt sich ein ausgedehnter Spaziergang. Besonders sehenswert sind die Adler-Apotheke von 1660 sowie das Renaissance-Rathaus mit dem Michaelsbrunnen davor. Das "Spitzhäuschen" aus dem Jahr 1416 – heute ebenfalls mit Weinstube – hatte sogar einen kurzen Auftritt im Harry-Potter-Film "Die Heiligtümer des Todes". Abseits der bekanntesten Sehenswürdigkeiten findet sich im Zylinderhaus ein Oldtimer-Museum mit rund 150 Fahrzeugen sowie die Cusanus-Bibliothek im St. Nikolaus-Hospital – eine Sammlung, die der Theologe Nikolaus von Kues, genannt Cusanus, testamentarisch dorthin überführen ließ. Nach dem Stadtbummel empfiehlt sich eine Einkehr in einer der zahlreichen Winzerstuben der Altstadt. Neben dem lokalen Moselwein gibt es deftige Spezialitäten wie "Scholes", einen Kartoffel-Auflauf. Wandern von der Burgruine bis zur "Bernkasteler Schweiz" Bernkastel-Kues bietet für aktive Besucher gleich mehrere lohnende Wanderrouten – von kurz und knackig bis ausgedehnt. Gerade jetzt, wenn die Weinberge langsam grüner werden, lassen sich die Wege besonders genießen. Stadtspaziergang zur Burg Landshut (1,9 km, schwer, ca. 1 Stunde): Der Klassiker. Vom mittelalterlichen Marktplatz in Bernkastel führt ein Serpentinen-Pfad durch die Weinberge hinauf zur Burgruine Landshut – die 112 Meter sind sportlich, aber lohnend. Oben wartet ein weiter Blick über die Moselschleife sowie ein Restaurant. Historisch interessant: Im Jahr 2012 machten Arbeiter bei Routinearbeiten spektakuläre Funde, die nahelegen, dass in den Mauerresten das vom Geografen von Ravenna überlieferte "Princastellum" zu sehen ist – möglicherweise die erste Bergbefestigung des Moseltals. Schon die Römer errichteten hier ein Kastell. Der Rückweg führt am Schützenhaus vorbei. Cusanuswanderweg (3,5 km, leicht, ca. 2,5 Stunden): Ein entspannter Stadtspaziergang, der die Spuren des Theologen und Philosophen Nikolaus von Kues verfolgt – einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des 15. Jahrhunderts und großer Sohn der Stadt. Start und Ziel ist das Mosel-Gäste-Zentrum in Bernkastel-Kues. Mit nur rund 41 Metern Aufstieg ist die Route auch für Familien mit Kindern gut geeignet. Burg-Olymp-Tour (6,9 km, mittel, ca. 2 Stunden 50 Minuten): Schattige Wälder, historische Denkmäler und schmale Pfade hoch geht es entlang über der Moselstadt. Mit 315 Metern Aufstieg fordert die Tour etwas Kondition. Start und Ziel ist die Touristen-Information in der Gestade 6. Bernkasteler Schweiz (11,1 km, mittel, ca. 3 Stunden 45 Minuten): Die längste und vielleicht unbekannteste der vier Routen führt ins Tiefenbachtal – eine Gegend, die sich selbstironisch "vielleicht die kleinste Schweiz Deutschlands" nennt. Entsprechend unberührt und idyllisch ist sie. Mit knapp 373 Metern Aufstieg die anspruchsvollste Option für alle, die Stille suchen. Start und Ziel ist das Mosel-Gäste-Zentrum in der Gestade 6.