Abnehmspritze bei entzündlicher Fettleber: Semaglutid erhält Zulassung

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Wer an einer entzündlichen Fettleber erkrankt ist, kann künftig Semaglutid verordnet bekommen, den Wirkstoff der "Abnehmspritze". Das könnte Millionen von Menschen betreffen. Semaglutid ist den meisten wohl als Wirkstoff der Medikamente Ozempic oder Wegovy bekannt, den sogenannten Abnehmspritzen. Anders als die gängige Bezeichnung nahelegt, handelt es sich jedoch nicht um ein Schlankheitsmittel, sondern um ein verschreibungspflichtiges Medikament mit begrenzten Einsatzgebieten: In Deutschland dürfen bisher nur Menschen mit Typ-2-Diabetes oder starkem Übergewicht damit behandelt werden. Das ändert sich nun: Die EU-Kommission hat einem Semaglutid-haltigen Medikament die Zulassung zur Behandlung einer verbreiteten Lebererkrankung erteilt – der metabolisch-assoziierten Steatohepatitis (MASH). Dabei handelt es sich um eine entzündliche Form der Fettleber , die nicht durch Alkohol verursacht wird. In Deutschland sind daran schätzungsweise drei Millionen Menschen erkrankt. Um diese Erkrankung geht es Eine Fettleber entwickelt sich, wenn der Körper Fett nicht mehr nur unter der Haut einlagert, sondern auch in der Leber. Die häufigsten Ursachen dafür sind das metabolische Syndrom, ausgelöst durch eine fett- und zuckerreiche Kost und Bewegungsmangel, sowie ein Übermaß an Alkohol. Steckt das metabolische Syndrom hinter der Erkrankung, sprechen Fachleute von einer nicht-alkoholischen Fettleber. Davon sind hierzulande etwa 30 Prozent der Erwachsenen betroffen. Entzündet sich die Leber durch die Verfettung, liegt eine nicht-alkoholische Fettleberentzündung oder -hepatitis vor. Auch das kommt häufig vor, nämlich bei etwa jeder vierten Person mit einer Fettleber. Bisher bestand die Behandlung hauptsächlich darin, den Ursachen entgegenzuwirken. Dabei waren vor allem nicht-medikamentöse Maßnahmen wichtig, die den Lebensstil der Erkrankten betrafen. Diese erhielten unter anderem den Rat, sich ausgewogener zu ernähren und mehr zu bewegen. Auf gesündere Gewohnheiten zu achten, bleibt weiterhin der entscheidende Teil der Therapie. Diese kann in Zukunft aber durch Semaglutid ergänzt werden. Die Voraussetzung für die Verordnung ist, dass die Leber bereits vernarbt ist, sich aber noch keine Leberzirrhose entwickelt hat. Ärzte sprechen dann von den Fibrosestadien F2 bis F3. Das bedeutet: Die Vernarbung der Leber ist schon fortgeschritten, jedoch noch nicht im Endstadium. Was das Medikament bewirkt Die Behandlung mit Semaglutid kann den Appetit verringern, den Blutzucker verbessern und beim Abnehmen helfen. Auf diese Weise wirkt sie jenen Faktoren entgegen, die eine Verfettung der Leber verursachen oder begünstigen. Dass Menschen mit einer MASH davon tatsächlich profitieren können, zeigte sich in einer Studie mit erwachsenen Patienten. Bei einigen von ihnen ging die Entzündung der Leber zurück, bei anderen verbesserte sich die Vernarbung. Der Anteil der Patienten mit solchen Verbesserungen war höher als in der Vergleichsgruppe, die ein Placebo erhalten hatte. Das heißt: Unter der Behandlung mit Semaglutid zeigten mehr Patienten eine Besserung ihrer Erkrankung als ohne Wirkstoff. Das Medikament wird einmal pro Woche als Spritze unter die Haut verabreicht, etwa in Bauch, Oberschenkel oder Oberarm. Die Behandlung beginnt mit einer niedrigen Dosis, die über mehrere Wochen langsam erhöht wird. BMI-Rechner für Erwachsene: Liegt Ihr Gewicht im gesunden Bereich? Fettleber heilen: Das müssen Sie dafür tun Symptome einer Fettleber: Auf diese Anzeichen sollten Sie achten Wann ist das Mittel verfügbar? Wann das Medikament tatsächlich für Patienten erhältlich sein wird, ist noch offen. Erfahrungsgemäß dauert es nach einer EU-Zulassung oft mehrere Monate, bis ein neues Präparat auf den Markt kommt. Zur Orientierung: Beim Abnehmmedikament Wegovy dauerte es rund anderthalb Jahre von der EU-Zulassung im Januar 2022 bis zur Markteinführung in Deutschland im Juli 2023.
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