Altern: Geisteskraft und Fitness können sich im Alter verbessern

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Im Alter geht es körperlich und geistig bergab? Im Gegenteil, meint ein Forschungsteam der Universität Yale. Ihre Untersuchung widerspricht dem gängigen Bild vom Alterungsprozess. Bei vielen betagten Menschen verbessern sich im Laufe der Jahre die geistige Leistungsfähigkeit und teilweise sogar die körperliche Fitness: Das legen die Ergebnisse der Langzeitstudie nahe, die nun im Fachmagazin "Geriatrics" erschienen ist. Über einen Zeitraum von bis zu zwölf Jahren verfolgten die Altersforscherin Becca R. Levy und ihr Kollege Martin Slade die Entwicklung von mehr als 11.000 Menschen ab 65 Jahren. Diese sollten regelmäßig verschiedene Tests absolvieren: Ihre kognitive Leistungsfähigkeit war unter anderem mit Erinnerungs-, Orientierungs- und einfachen Rechenaufgaben erfasst worden. Die körperliche Leistungsfähigkeit konnte über die Gehgeschwindigkeit gemessen werden. Knapp 50 Prozent der Älteren zeigten Verbesserungen Anhand der Testergebnisse konnten Levy und Slade feststellen, wer sich mit der Zeit verschlechterte, wer stabil blieb oder wer sich verbesserte. Das Ergebnis: Rund 45 Prozent der Teilnehmer verzeichneten in mindestens einem dieser Bereiche eine Zunahme ihrer Fähigkeiten. Etwa ein Drittel schnitt später in kognitiven Tests besser ab, gut ein Viertel steigerte die eigene Gehgeschwindigkeit. "Bemerkenswert ist, dass diese Verbesserungen verschwinden, wenn man nur Durchschnittswerte betrachtet", kommentiert Levy die Befunde in einer Pressemitteilung. "Mittelt man alle Menschen zusammen, sieht man einen Rückgang. Schaut man sich jedoch die individuellen Verläufe an, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Ein beträchtlicher Teil der älteren Teilnehmer hat sich im Laufe der Zeit tatsächlich verbessert." Vorzeitig gealtert oder jung geblieben? Ermitteln Sie Ihr biologisches Alter im Selbsttest "Alte-Leute-Geruch": Woher er kommt und was hilft Forscher finden neue Hinweise: Das könnte beeinflussen, wie viel Lebenszeit jemandem bleibt Eine Frage der Einstellung Levy hatte 2023 ein Buch mit dem Titel "Du bist so alt, wie du dich denkst" veröffentlicht. Die Ergebnisse ihrer neuen Studie untermauern diese These. Zu Beginn waren die Teilnehmer nämlich auch zu ihren Einstellungen zum Altern befragt worden. Sie sollten etwa angeben, ob sie den Aussagen "Je älter ich werde, desto nutzloser fühle ich mich" und "Ich bin heute genauso glücklich wie in meiner Jugend" zustimmen oder eher nicht. Bei der späteren Auswertung stellte sich heraus: Menschen, die zu Beginn der Studie eine positivere Sicht auf das Älterwerden hatten, zeigten später häufiger Verbesserungen – sowohl bei den Denktests als auch bei der Gehgeschwindigkeit. Das Team wertet diesen Befund als Hinweis darauf, dass kulturelle Vorstellungen über das Altern tatsächlich Auswirkungen auf die Gesundheit haben könnten. Darauf deuten auch frühere Forschungsarbeiten von Levy hin, laut denen die Einstellung einer Person zum Altern möglicherweise vorhersagen kann, wie hoch ihr Risiko ist, Gedächtnis- und Schlafprobleme oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln. Ermutige Botschaft mit einem "Aber" Wie so gut wie jede Untersuchung hat auch diese gewisse Schwächen, die ihre Aussagekraft einschränken. Zum Beispiel taugt sie nicht als sicherer Beweis dafür, dass die bessere Entwicklung bestimmter Teilnehmer wirklich auf deren positivere Einstellung zum Altern zurückzuführen ist. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, belegt sie lediglich einen Zusammenhang. Und der könnte auch umgekehrt erklärbar sein: Menschen, die gesünder oder fitter sind, blicken wahrscheinlich optimistischer auf ihr Älterwerden. Dennoch zeigen die Ergebnisse recht deutlich, wie unterschiedlich Altern verlaufen kann. Für ältere Menschen könnte diese Botschaft ermutigend sein. Entwicklung ist offenkundig auch im höheren Lebensalter noch möglich.
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