Medikamente sollen die Gesundheit verbessern. Umso schlimmer ist es, wenn es die Qualität nicht stimmt. In Deutschland sind die Verdachtsfälle für Mängel auf einem Rekordhoch. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) registrierte im Jahr 2025 11.154 Verdachtsfälle zu Arzneimittelrisiken. Etwa zwei Drittel der Meldungen bezogen sich auf Qualitätsprobleme, ein Drittel auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Damit setzt sich nach Angaben der AMK der bereits im Vorjahr beobachtete Trend steigender Beschwerden fort und erreicht nun einen neuen Höchststand. Die Meldungen gingen aus knapp 5.000 (Krankenhaus-)Apotheken ein. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Meldungen um knapp 300, während sich die Anzahl der meldenden Apotheken um 21 erhöhte. Überwiegend verschreibungspflichtige Arzneimittel betroffen 94 Prozent der Beschwerden bezogen sich auf Arzneimittel, darunter 8.795 verschreibungspflichtige, inklusive 311 Betäubungsmittel. Allein auf den Mounjaro KwikPen gingen insgesamt 535 Meldungen von (potenziellen) Anwendungsfehlern zurück. 1.697 Beschwerden betrafen nicht verschreibungspflichtige Präparate. Der Rest bezog sich auf Lebensmittel inklusive Nahrungsergänzungsmittel, Medizinprodukte, Chemikalien sowie weitere Produkte wie Rezepturen oder Kosmetika. Dabei unterscheidet die AMK zwischen Verdachtsfällen zu unerwünschten Wirkungen von Arzneimitteln und Verdachtsmeldungen zu Qualitätsmängeln. Annahme widerlegt : Dieses Schmerzmittel schützt doch nicht vor Darmkrebs Versteckter Viagra-Wirkstoff : Warnung vor Honigpaste – Dauererektion möglich Nebenwirkungen sind häufigste unerwünschte Wirkung Die Zahl der Meldungen zu unerwünschten Wirkungen stieg in einem Jahr um 24 Prozent auf insgesamt 3.498 Fälle. Dazu gehören: Nebenwirkungen : Der größte Teil (66 Prozent) dieser unerwünschten Wirkungen ging auf Nebenwirkungen durch Arzneistoffe zurück. Um welche Nebenwirkungen es sich dabei genau handelt, wurde nicht erfasst. Allerdings wurden 661 Fälle aufgrund ihrer Schwere innerhalb von 15 Tagen an die zuständigen Bundesoberbehörden weitergeleitet. Hinzu kommen knapp zehn Prozent unerwünschter Wirkungen bei anderen Produktgruppen als Arzneimitteln. Medikationsfehler : Am zweithäufigsten (17 Prozent) ging es bei den Meldungen um sogenannte Medikationsfehler, was die AMK vor allem auf die Probleme mit dem Mounjaro KwikPen zurückführt. Darüber hinaus kann es sich bei Medikationsfehlern aber auch um unklare Rezepte handeln oder auch um die Verschreibung einer falschen Dosis, Anwendungshäufigkeit oder Einnahmedauer eines Medikaments. Auch wenn Patienten nicht richtig über die Anwendung des Arzneistoffs informiert werden, ist das formal ein Medikationsfehler. Um welche Medikationsfehler genau es sich in der Erhebung der AMK handelt, ist allerdings nicht beschrieben. Minderwirkung : Auch Verdachtsmeldungen zu einer geringeren Wirkung des Medikaments (fünf Prozent) nahmen zu. Missbrauch : Nur die Verdachtsmeldungen zu Arzneimittelmissbrauch waren leicht rückläufig (2025: 41, 2024: 50). Verpackungsfehler dominieren Qualitätsmängel Die berichteten Verdachtsmeldungen zu Qualitätsmängeln sanken leicht von 8.062 auf 7.656 Meldungen. Wie in den Jahren zuvor wurden am häufigsten Verpackungsfehler gemeldet (knapp 50 Prozent), gefolgt von mechanischen (25 Prozent) und technischen Defekten (20 Prozent) und Deklarationsmängeln (fünf Prozent). Zu vermuteten Manipulationen beziehungsweise Fälschungen gingen insgesamt 18 Meldungen (0,2 Prozent) im Jahr 2025 ein. Allergiezeit : Jeden Tag Cetirizin – Wie lange ist das unbedenklich? Neue Aufgabenverteilung : So könnte sich der Hausarztbesuch verändern Verdachtsfälle führten zu 150 Rückrufen Aus all diesen Beschwerden resultierten im Jahr 2025 263 Risikoinformationen; hierunter 23 Rote-Hand- und Informationsbriefe, mit denen Angehörige der Heilberufe über neu identifizierte, bedeutende Arzneimittelrisiken und Maßnahmen zur Risikominimierung informiert werden. Zudem kam es zu 150 Chargenrückrufen und Überprüfungen. Martin Schulz , Vorsitzender der AMK, betont die wichtige Sicherheitskontrolle durch Apotheken vor Ort. Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer, rief zudem Patienten dazu auf, Probleme mit Arzneimitteln direkt in der Apotheke zu besprechen: "Apothekerinnen und Apotheker können Qualitätsfragen von Arzneimitteln beurteilen, mögliche Anwendungsfehler erkennen und zur Verträglichkeit der Therapie beraten." Ob die steigenden Zahlen auf eine zunehmend schlechtere Qualität der Medikamente zurückzuführen ist oder darauf, dass mehr Menschen Mängel und Nebenwirkungen in der Apotheke melden, wird in dem Bericht der AMK nicht erklärt.