Augeninnendruck erhöht: Wann eine Therapie wirklich nötig ist

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Ein erhöhter Augeninnendruck kann das Sehvermögen schwächen. Das geschieht aber nicht zwangsläufig. Was also tun: den Druck senken oder nicht? Wenn der Druck im Augeninneren steigt, verursacht er im Laufe der Zeit mitunter Schäden am Sehnerv, die das Sehvermögen verschlechtern: Es entsteht ein Glaukom, auch grüner Star genannt . Eine lebenslange Senkung des Augeninnendrucks könnte dies verhindern, doch nicht jede betroffene Person würde davon profitieren. Auf der diesjährigen Augenärztlichen Akademie Deutschland (AAD) in Düsseldorf war kürzlich zu erfahren, was bei der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung zu bedenken ist. Ohne Behandlung kann später Erblindung drohen Als Glaukom bezeichnet man verschiedene Augenerkrankungen, bei denen der Sehnerv geschädigt ist. Ohne Behandlung kann diese Schädigung das Gesichtsfeld zunehmend einschränken, sodass die Betroffenen bestimmte Sehbereiche nicht mehr oder nur noch eingeschränkt wahrnehmen. Auf Dauer können Sie sogar erblinden. Eine Senkung des Augeninnendrucks kann diese Entwicklung aufhalten, weshalb ein erhöhter Augeninnendruck lange Zeit als eine wichtige Ursache für die Erkrankung galt. Forschung: Regulieren "Reinigungszellen" im Auge den Druck? Glaukom: Betroffene sollten auf hohe Kopfkissen verzichten Studie: Wer zu viel oder zu wenig schläft, riskiert Augenschäden Tatsächlich hat aber ein Drittel der Menschen mit einem Glaukom einen normalen Augeninnendruck. Umgekehrt kann der Druck im Augeninneren durchaus erhöht sein, ohne dass jemals Anzeichen einer Schädigung des Sehnervs auftreten. In einem solchen Fall wäre eine drucksenkende Therapie also unnötig. Stattdessen abzuwarten bedeutet aber, die Entstehung eines Glaukoms zu riskieren. Keine Behandlung ohne individuelle Risikoeinschätzung Wie Jan Lübke von der Universitätsaugenklinik Freiburg auf der AAD ausführte, ist es für das weitere Vorgehen bei einem erhöhten Augeninnendruck unerlässlich, das Risiko der Betroffenen individuell zu bewerten. Dafür sei es entscheidend, die Faktoren zu finden, die eine Verschlechterung hin zum Glaukom wahrscheinlicher machen. Dazu zählen unter anderem: ein deutlich erhöhter Augeninnendruck ein höheres Lebensalter eine dünnere Hornhaut familiäre Vorbelastung (also nahe Verwandte mit Glaukom) Um die augenärztliche Entscheidung für oder gegen eine drucksenkende Therapie zu erleichtern, empfahl Lübke einen Risikokalkulator: Dieser ermöglicht es, das Erkrankungsrisiko anhand verschiedener Faktoren (Alter, Augeninnendruck, zentrale Hornhautdicke, Beurteilung des Sehnervenkopfs und Ergebnis der Gesichtsfelduntersuchung) zumindest ungefähr einzuschätzen. Wenn danach ein Abwarten vertretbar erscheint, empfiehlt es sich, zunächst alle sechs Monate und (bei normalen Befunden) später in größeren Abständen den Sehnervkopf auf Veränderungen zu untersuchen sowie eine Gesichtsfeldmessung vorzunehmen. Mit dieser Strategie lässt sich eine lebenslange Behandlung mit drucksenkenden Augentropfen, die womöglich unnötig ist und oft Nebenwirkungen hat, verhindern. Und sobald sich bei den augenärztlichen Kontrollen Anzeichen für einen Übergang zum Glaukom ergeben, kann immer noch mit der Behandlung begonnen werden.
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