Blasenentzündung und Co: Harnwegsinfekt mit untypischen Symptomen im Alter

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Harnwegsinfektionen sind ein häufiges Gesundheitsproblem älterer Menschen. Typische Infektionszeichen fehlen aber oft, was eine frühe Diagnose und Behandlung erschwert. Im Alter zählt der Harnwegsinfekt zu den häufigsten bakteriellen Infektionen überhaupt – nur die Lungenentzündung ist noch verbreiteter. Allerdings äußert sich die Erkrankung bei älteren Menschen nicht durch die typischen Beschwerden wie Brennen beim Wasserlassen und häufigen Harndrang. Stattdessen treten bei ihnen diffuse Anzeichen auf. Deshalb ist die Diagnose bei Seniorinnen und Senioren schwierig – und das kann gefährlich werden. Denn unbehandelt kann sich ein harmloser Infekt zur Nierenbeckenentzündung oder gar zur lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Urosepsis) entwickeln. Neue Leitlinie betont Besonderheiten im Alter Die Deutsche Gesellschaft für Urologie hat ihre medizinische Leitlinie zur Behandlung von Harnwegsinfektionen nach sieben Jahren aktualisiert. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei erstmals auch auf geriatrischen Patienten, also Menschen über 70, die häufig bereits weitere Erkrankungen aufweisen. Sie gelten als besonders gefährdet, weil viele dieser Begleiterkrankungen, genau wie eine veränderte Immunabwehr und Medikamente, die Diagnose und Behandlung erschweren. Studie offenbart : Viele verwechseln Blasenentzündung mit anderen Krankheiten Bei Frauen kommt ein weiterer Faktor hinzu: Nach der Menopause verändert sich das Scheidenmilieu. Der sinkende Östrogenspiegel begünstigt das Eindringen schädlicher Bakterien. Auch eine Blasensenkung, Restharn oder eine gestörte Darmflora erhöhen das Risiko. Untypische Symptome: So zeigen sich Harnwegsinfekte im Alter Weil ältere Menschen oft keine Schmerzen beim Wasserlassen spüren, denken viele nicht an einen Harnwegsinfekt. Stattdessen äußert sich dieser häufig durch: plötzliches Auftreten oder die Verschlechterung einer Inkontinenz (unwillkürlicher Urinverlust), akuten Harnverhalt (die Blase lässt sich trotz Harndrangs nicht entleeren), Übelkeit, Erbrechen oder Fieber ab 37,4 °C (bei Älteren bereits als Fieber zu werten), plötzliche Verwirrtheit oder Benommenheit, reduzierter Appetit und eine verminderte Flüssigkeitsaufnahme, eine allmähliche Verschlechterung des Allgemeinzustands. Deshalb raten Fachleute: Auch bei scheinbar harmlosen Beschwerden wie Müdigkeit oder Appetitlosigkeit sollte an eine Harnwegsinfektion gedacht werden, vor allem bei älteren Menschen. Leichte Blasenschwäche : Diese Tipps erleichtern den Alltag mit Harninkontinenz Was Ältere zur Behandlung wissen sollten Tritt plötzlich Fieber , starke Übelkeit oder Verwirrung auf, sollten Betroffene oder Angehörige sofort handeln – insbesondere, wenn die Person älter ist oder andere Erkrankungen hat. In solchen Fällen ist schnelles ärztliches Eingreifen wichtig. Wichtig bei der Diagnose ist auch eine Urinkultur, um den Erreger genau zu bestimmen. Denn oft sind es andere Keime als bei Jüngeren, etwa Enterokokken oder Pseudomonas statt Escherichia coli. Allgemein gilt: Unkomplizierte Harnwegsinfektionen heilen oft von allein aus. Bei starken Beschwerden können bestimmte Hausmittel sowie schmerzlindernde und krampflösende Medikamente helfen, etwa Paracetamol oder Ibuprofen . Auch bei der Behandlung im Alter gilt nicht mehr, dass die Infektionen immer und lange mit Antibiotika behandelt werden müssen. Wenn keine Komplikationen vorliegen, kann laut der neuen Leitlinie in manchen Fällen auch eine pflanzliche Therapie helfen. Auch wenn pflanzliche Mittel wie Bärentraubenblätter oder Präparate mit Rosmarin, Liebstöckel und Tausendgüldenkraut nur für jüngere Frauen mit unkompliziertem Infekt ausdrücklich empfohlen werden, so gibt es für ältere Menschen aber kein Verbot. Die Anwendung sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Auch eine Begleittherapie mit diesen Mitteln ist möglich. Kurzzeit-Antibiotika wie Fosfomycin oder Nitrofurantoin gelten laut der neuen Leitlinie auch im Alter als wirksam und gut verträglich. Fluorchinolone und andere Reserveantibiotika sollten hingegen vermieden werden, da sie für andere Erkrankungen zurückgehalten werden sollten. Wie sich Infektionen vorbeugen lassen Wer weiß, worauf es ankommt, kann viel tun, um Infekten vorzubeugen – ganz ohne Medikamente: Trinken Sie täglich mindestens 1,5 Liter, um die Harnwege zu spülen. Gehen Sie bei Harndrang zeitnah zur Toilette und entleeren Sie die Blase vollständig. Vermeiden Sie Unterkühlung im Unterleib. Achten Sie auf sanfte Intimhygiene – Seifen mit hohem pH-Wert schaden der natürlichen Scheidenflora. Gesunde Ernährung, Bewegung und Normalgewicht stärken das Immunsystem. Zusätzlich können laut der Leitlinie bestimmte pflanzliche Mittel oder Immunstimulanzien (gefriergetrocknete Lysate von 18 E. coli-Stämmen, OM-89) helfen, vor allem bei wiederkehrenden Infekten. Dazu zählen zum Beispiel Extrakte aus Kapuzinerkresse und Meerrettich oder der Wirkstoff D-Mannose. Auch Impfungen mit inaktivierten Bakterien werden in Erwägung gezogen, allerdings zahlen die Krankenkassen diese in der Regel nicht.
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