Blutstrom-Infektionen: Forscher warnen vor Anstieg bis 2050

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Ein neuer Bericht zeigt: Infektionen durch resistente Bakterien könnten in Europa dramatisch ansteigen – auch in Deutschland. Wer besonders gefährdet ist. Ob bei Lungenentzündung , Wundinfektion oder Blasenkatheter: Wenn Bakterien in den Blutkreislauf gelangen, kann das lebensgefährlich werden. Solche Blutstrominfektionen (auch Bakteriämien genannt) betreffen schon heute etwa sechs Prozent aller Menschen, die stationär im Krankenhaus behandelt werden. Doch die Zahl wird in Zukunft weiter steigen – ebenso wie die der Erreger, die nicht mehr auf Antibiotika ansprechen. Davor warnt eine neue Studie aus Großbritannien . Blutstrominfektionen: Bis 2050 droht ein deutlicher Anstieg Das Forschungsteam um Gwen Knight von der London School of Hygiene and Tropical Medicine hat 12,8 Millionen Blutkultur-Daten aus 29 europäischen Ländern ausgewertet. Die Forscher haben diese Zahlen auf die nächsten Jahrzehnte hochgerechnet und kommen zu diesem Ergebnis: Die Zahl der Blutstrominfektionen in Europa wird demnach deutlich steigen, ebenso die Zahl der Fälle mit resistenten Keimen. Der Grund: Europas Bevölkerung altert rasant. Denn mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko, eine solche Infektion zu erleiden. Besonders Menschen ab 65 Jahren werden laut den Prognosen überdurchschnittlich häufig betroffen sein. Und: Männer öfter als Frauen. Schon heute infizieren sich Männer häufiger, und dieser Unterschied wird laut der Studie in Zukunft sogar größer. Grippe und Sepsis: Bei diesen Anzeichen wird es gefährlich Prostatakrebs: Experten fordern personalisierte Therapie Antibiotika helfen immer seltener Eine Blutstrominfektion kann gefährlich werden, wenn das verabreichte Antibiotikum nicht wirkt, also wenn der Erreger resistent ist. In solchen Fällen bleibt oft nur noch eine sehr begrenzte Auswahl an Medikamenten. Die aktuelle Studie rechnet damit, dass in 89 Prozent der getesteten Bakterien-Antibiotika-Kombinationen die Resistenzraten bis 2050 steigen werden. Für Deutschland bedeutet das: Die Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika wie Amikacin werden bei den Bakterien E. coli und Klebsiella pneumoniae deutlich zunehmen. UN-Ziel kaum zu erreichen Die Vereinten Nationen wollen die Zahl der Todesfälle durch resistente Infektionen bis 2030 um zehn Prozent senken. Die neue Modellrechnung zeigt jedoch: Dieses Ziel dürfte in Europa verfehlt werden – zumindest bei den Blutstrominfektionen. Und das selbst dann, wenn keine weiteren Anstiege bei den Infektionen mehr vorkommen. Die demografische Entwicklung allein reicht laut der Studie schon aus, um die Fallzahlen wachsen zu lassen. Studienleiterin Knight warnt daher: "Alter und Geschlecht werden bei der Vorhersage von Resistenzen noch immer zu selten berücksichtigt, obwohl sie einen entscheidenden Einfluss darauf haben, wer betroffen ist." Kliniken und Gesundheitssysteme sollten sich schon jetzt auf steigende Fallzahlen einstellen und gezielt ältere Männer als besonders gefährdete Gruppe in den Blick nehmen. Zugleich brauche es mehr Forschung und klare politische Maßnahmen, um Resistenzen wirksam einzudämmen.
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