Gewisse Medikamente können das Gedächtnis beeinträchtigen. Einige stehen womöglich sogar mit Demenz im Zusammenhang. Was darüber bekannt ist, erfahren Sie hier. Gerade Menschen im mittleren oder höheren Lebensalter nehmen häufig dauerhaft Medikamente ein, nicht selten mehrere. Das ist in vielen Fällen notwendig, um Erkrankungen unter Kontrolle zu bringen oder deren Symptome zu lindern. Allerdings birgt besonders eine längerfristige medikamentöse Behandlung immer auch Risiken. Bei einigen Arzneien betreffen diese unter anderem die Hirngesundheit: Einerseits gibt es Medikamente, die als akute Nebenwirkung demenzähnliche Beschwerden hervorrufen. Diese bilden sich in vielen Fällen wieder zurück, wenn das Medikament abgesetzt oder seine Dosis verringert wird. Andererseits stehen bestimmte Mittel in Verdacht, langfristig das Demenzrisiko zu erhöhen. Vor allem bei älteren Menschen werden demenzähnliche Symptome, die als Nebenwirkung auftreten, jedoch nicht immer als solche erkannt. Mitunter deuten Angehörige oder sogar Fachpersonen die Gedächtnisstörungen irrtümlich als Beginn oder Verschlechterung einer Demenzerkrankung. Gerade im Falle eines sogenannten Delirs kann das verheerende Folgen haben: Betroffene erleiden dabei eine plötzliche, krankhafte Veränderung des Geisteszustands, die sich typischerweise unter anderem durch Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, verminderte Aufmerksamkeit, Orientierungslosigkeit und Halluzinationen bemerkbar macht. Ohne rechtzeitige Behandlung kann ein Delir dauerhafte Beeinträchtigungen nach sich ziehen oder sogar lebensbedrohlich sein. Daher gilt ein Delir als medizinischer Notfall. Diese Medikamente können Demenzsymptome auslösen Verschiedene Gruppen von Arzneimitteln können kurzfristige kognitive Probleme verursachen. Der Fachbegriff dafür lautet "medikamenteninduzierte kognitive Beeinträchtigung" (kurz DILI für drug-induced cognitive impairment). Anzeichen dafür sind etwa Vergesslichkeit, Verwirrtheit, Konzentrationsprobleme oder verlangsamtes Denken. In schweren Fällen kann sogar ein Delir auftreten, ein akuter Zustand mit starker Verwirrtheit und Desorientierung. Zu den Medikamentengruppen, bei denen solche Nebenwirkungen beschrieben wurden, gehören: Schlaf- und Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine oder sogenannte Z-Substanzen Opioide zur Schmerzbehandlung trizyklische Antidepressiva, die unter anderem zur Behandlung von Depressionen zum Einsatz kommen Antipsychotika (Medikamente, die vorwiegend bei Schizophrenie verordnet werden) Parkinson-Mittel Antihistaminika der ersten Generation (zum Beispiel Hydroxyzin, Promethazin, Cyproheptadin oder Diphenhydramin) Medikamente gegen Harninkontinenz Protonenpumpenhemmer (etwa Omeprazol, Pantoprazol) gegen Sodbrennen Glukokortikoide, Statine oder Blutdruckmedikamente Die Aufzählung zeigt, dass grundsätzlich viele verschiedene Wirkstoffe Einfluss auf Denk- und Gedächtnisleistungen haben können. In der Regel betreffen diese jedoch nur einen Teil der Patientinnen und Patienten. Diese Liste sollte nicht den Eindruck erwecken, fast jede Arznei führe zu Gedächtnisproblemen. Viele der erwähnten Medikamente sind für die Therapie bestimmter Erkrankungen sehr wichtig und für die meisten Menschen verträglich. Ob die Einnahme zu den erwähnten oder anderen Nebenwirkungen führt und wie stark diese ausgeprägt sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere vom konkreten Wirkstoff, der Dosis, der Dauer der Behandlung und der individuellen Empfindlichkeit. Wenn kognitive Nebenwirkungen auftreten, können sie sich bereits kurz nach Beginn der Einnahme oder auch erst im Verlauf der Behandlung zeigen. Häufig bessern sich die Symptome wieder, wenn die oder der Betroffene die Dosis reduziert oder das Medikament absetzt. Wenn der Zusammenhang mit den Medikamenten übersehen wird, können Gedächtnis- und Denkprobleme hingegen über Jahre bestehen bleiben. Wichtig ist: Jede Veränderung bei der Einnahme sollte immer in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt erfolgen. Medikamente aus Sorge vor Nebenwirkungen eigenständig abzusetzen, kann gefährlich sein. Erhöhtes Demenzrisiko durch Medikamente? Gewisse Medikamente stehen möglicherweise langfristig mit einem erhöhten Demenzrisiko in Verbindung. Entsprechende Hinweise fanden sich für: Anticholinergika, die unter anderem bei Parkinson, COPD , Asthma, Reizdarmsyndrom und überaktiver Blase verordnet werden (etwa Atropin, Butylscopolamin, Ipratropiumbromid und Tiotropiumbromid). Benzodiazepine, die in bestimmten verschreibungspflichtigen Schlaf- oder Beruhigungsmitteln vorkommen. In Bevölkerungsstudien zeigte sich: Wer Mittel aus diesen Wirkstoffgruppen über mehrere Monate hinweg einnahm, hatte ein höheres Risiko, später an Demenz zu erkranken. Dieses Risiko stieg den Untersuchungen zufolge mit der Dosis und der Einnahmedauer. Die Studien beweisen allerdings nicht, dass die Medikamente tatsächlich Demenz verursachen. Es handelt sich um Beobachtungsstudien, die nur Zusammenhänge, aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen. Eine andere denkbare Erklärung für den festgestellten Zusammenhang ist beispielsweise, dass die Erkrankungen, deretwegen die Medikamente verordnet werden, ihrerseits mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden sein können. So treten etwa Schlafstörungen , Depressionen oder Angststörungen häufiger bei Menschen auf, die später eine Demenz entwickeln. In solchen Fällen kann es schwer zu unterscheiden sein, ob eher die Erkrankung selbst oder die Behandlung damit eine Rolle spielt. Sorge vor kognitiven Problemen durch Medikamente: Was tun? Gerade für ältere Menschen ist ein regelmäßiger Medikamenten-Check sinnvoll, etwa in der hausärztlichen Praxis. Dabei geht man gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt alle eingenommenen Präparate durch, sowohl verschreibungspflichtige Medikamente als auch frei verkäufliche Mittel und Nahrungsergänzungsmittel. So lässt sich prüfen, ob alle Arzneien weiterhin notwendig sind oder ob sich einzelne vielleicht reduzieren oder absetzen lassen – etwa, weil sie zu starke Nebenwirkungen hervorrufen, oder aufgrund von Wechselwirkungen. Ergeben sich Hinweise auf derartige Probleme, kann die Ärztin oder der Arzt möglicherweise besser verträgliche Alternativen suchen oder die Dosis senken.