Demenz erkennen: Forscher entdecken sechs neue Risikofaktoren

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Wer mit Mitte 50 unter depressiven Beschwerden leidet, trägt ein höheres Risiko für eine spätere Demenz. Aber nicht jede Depression wirkt sich gleich aus, entscheidend sind sechs Warnzeichen. Depressionen gelten seit Längerem als möglicher Risikofaktor für Demenz . Doch bislang betrachteten Wissenschaftler die Erkrankung meist als einheitliches Krankheitsbild. Ein Team vom University College London hat nun genauer hingeschaut und sechs Symptome identifiziert, die ausschlaggebend für das spätere Demenzrisiko sein könnten. Die Ergebnisse erschienen kürzlich in der Fachzeitschrift "The Lancet Psychiatry". Mehr als 20 Jahre Nachbeobachtung Die Analyse basiert auf Daten der Whitehall-II-Studie. Daran nahmen britische Beamtinnen und Beamte teil. Für die aktuelle Auswertung nutzten die Forscher Angaben von 5.811 Personen, die zwischen 1997 und 1999 einen ausführlichen Fragebogen zur psychischen Gesundheit ausfüllten. Das Durchschnittsalter lag bei 55,7 Jahren. Die Teilnehmer beantworteten den sogenannten "General Health Questionnaire" (GHQ-30). Dieses Instrument erfasst psychische Belastungen und depressive Symptome in der Allgemeinbevölkerung. Wer fünf oder mehr Punkte erreichte, galt als klinisch auffällig für eine Depression. Anschließend verfolgte das Team die gesundheitliche Entwicklung über einen Zeitraum von über 22 Jahren. Millionen Deutsche sind betroffen : Woran sterben Menschen mit Demenz? 12 Tipps für Menschen ab 45 : So senken Sie Ihr Demenzrisiko um die Hälfte Sechs Symptome stechen besonders hervor Bis März 2023 entwickelten 586 Personen eine Demenz , das entspricht 10,1 Prozent. Und es bestätigte sich zunächst ein bekanntes Bild: Menschen mit einer Depression in der Lebensmitte erkrankten häufiger an einer Demenz. Das Risiko lag um 27 Prozent höher als bei Personen ohne depressive Störung. Überraschend war jedoch ein anderes Ergebnis: Das erhöhte Demenzrisiko ließ sich laut den Studienautoren vollständig auf sechs einzelne Symptome zurückführen – zumindest bei Menschen, die zu Beginn der Studie jünger als 60 Jahre waren. Diese sechs Beschwerden erwiesen sich als besonders bedeutsam: Verlust des Selbstvertrauens: 51 Prozent höheres Risiko Unfähigkeit, sich Problemen zu stellen: 49 Prozent höheres Risiko Kein Gefühl von Wärme und Zuneigung für andere: 44 Prozent höheres Risiko Ständig nervös und angespannt sein: 34 Prozent höheres Risiko Unzufriedenheit mit der Art, wie Aufgaben erledigt werden: 33 Prozent höheres Risiko Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren: 29 Prozent höheres Risiko Andere typische Depressionsanzeichen wie Schlafstörungen , gedrückte Stimmung oder Suizidgedanken zeigten dagegen keinen langfristigen Zusammenhang mit Demenz. Die britische Untersuchung legt nahe, dass nicht jede dieser Varianten das Demenzrisiko gleichermaßen beeinflusst. Wer in der Lebensmitte vor allem unter Selbstzweifeln, Konzentrationsproblemen oder sozialem Rückzug leidet, könnte besonders gefährdet sein. Neue Studie deckt auf: Das könnte bei Demenz besser helfen als Medikamente Frühdemenz : Diese ersten Demenzsymptome kennen viele Menschen nicht Unabhängig von anderen Risikofaktoren Die Forscher berücksichtigten in ihren Berechnungen zahlreiche bekannte Demenzrisiken. Dazu zählten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Lebensstilfaktoren. Auch das sogenannte APOEε4-Gen floss in die Analyse ein. Dieses Gen erhöht bekanntermaßen das Alzheimer-Risiko. Trotz dieser Anpassungen blieben die sechs Symptome signifikant mit einem höheren Demenzrisiko verbunden. Die Ergebnisse sprechen den Studienautoren zufolge daher dafür, dass bestimmte depressive Beschwerden in der Lebensmitte frühe Anzeichen von Veränderungen im Gehirn sein könnten. Solche Veränderungen – etwa Ablagerungen des Eiweißstoffs Amyloid – beginnen bei Alzheimer oft Jahrzehnte vor der Diagnose. Allerdings beweist die Studie keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang. Sie zeigt nur eine statistische Verbindung. Weitere Untersuchungen sollen klären, welche biologischen oder verhaltensbezogenen Mechanismen hinter dem Zusammenhang stecken. Was kann man tun? Auch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat Depressionen als eigenständigen Risikofaktor für eine spätere Demenz anerkannt. Sie rät dazu, bei häufiger oder über Wochen anhaltender depressiver Verstimmung mit dem Hausarzt zu sprechen. Denn eine Depression ist behandelbar. Auch soziale Isolation gilt als Risikofaktor einer Demenz. Die Fachgesellschaft rät daher, sozial aktiv zu bleiben, sei es im Verein, bei Treffen mit Freunden oder über das gemeinsame Interesse an kulturellen Angeboten. Werden die Risikofaktoren für Demenz durch einen gesunden Lebensstil verringert, kann man sein individuelles Risiko um etwa 40 Prozent senken.
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