Diabetiker kämpfen oft mit Folgen für Herz, Gefäße oder Nerven. Weniger bekannt ist jedoch: Auch das Risiko für Krebs kann deutlich steigen. Menschen mit Typ-2-Diabetes erkranken deutlich häufiger an Darmkrebs als Stoffwechselgesunde. Fachleute warnen deshalb: Wer Diabetes hat, sollte besonders konsequent vorsorgen. Darauf weist der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) zum Darmkrebsmonat März hin. Studien zeigen, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes ein deutlich erhöhtes Risiko für ein sogenanntes kolorektales Karzinom haben. Dabei handelt es sich um Krebs im Dick- oder Enddarm. Neben der höheren Erkrankungsrate sterben Betroffene auch häufiger an dieser Krebsart. Warum Diabetes das Darmkrebsrisiko erhöht Typ-2-Diabetes verändert den Stoffwechsel dauerhaft. Viele Betroffene haben erhöhte Blutzuckerwerte, Übergewicht und chronische Entzündungen im Körper. Diese Kombination belastet die Darmzellen. Sebastian Bittner vom VDBD erklärt: "Dieses Zusammenspiel setzt die Darmzellen unter Stress, regt ihre Vermehrung an und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus zunächst gutartigen Veränderungen Krebs entwickelt." Eine wichtige Rolle spielt auch das Hormon Insulin. Insulin senkt normalerweise den Blutzucker. Beim Typ-2-Diabetes reagieren viele Körperzellen jedoch schlechter darauf. Ärzte sprechen von Insulinresistenz, einer verminderten Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin. Um den Blutzucker trotzdem zu kontrollieren, schüttet die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin aus. Dadurch steigt der Insulinspiegel im Blut dauerhaft an. Das Problem: Insulin wirkt nicht nur auf den Blutzucker. Das Hormon kann auch das Wachstum von Zellen fördern. Unter dem Einfluss hoher Insulinwerte teilen sich Zellen schneller – auch mögliche Tumorzellen im Darm. Dadurch kann Krebs leichter entstehen und aggressiver wachsen. Studien zeigen außerdem: Menschen mit Typ-2-Diabetes erkranken deutlich häufiger an Darmkrebs als Stoffwechselgesunde. In einer großen US-Kohortenstudie lag das Risiko um 47 Prozent höher. Zuckerkrankheit: Warum sie bei Frauen oft erst spät entdeckt wird Mythos oder wahr? Nur Übergewichtige bekommen Diabetes Vorsorge kann Darmkrebs verhindern Darmkrebs entwickelt sich meist langsam über viele Jahre. Häufig entstehen zunächst gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut, sogenannte Polypen. Aus ihnen kann sich später Krebs entwickeln. Eine Darmspiegelung (medizinisch Koloskopie genannt) kann solche Vorstufen früh erkennen. Ärzte entfernen die Polypen oft direkt während der Untersuchung. Dadurch lässt sich Krebs in vielen Fällen verhindern. Ein erster Schritt der Vorsorge ist der immunologische Stuhltest (iFOBT). Dieser Test sucht nach verborgenem Blut im Stuhl, das ein Hinweis auf Veränderungen im Darm sein kann. Betroffene können ihn zu Hause durchführen. Allerdings erkennt dieser Test nur etwa die Hälfte der fortgeschrittenen Polypen. Eine Darmspiegelung bleibt deshalb die zuverlässigste Methode. Sie entdeckt mehr als 95 Prozent der invasiven Darmkrebsfälle und einen Großteil der fortgeschrittenen Polypen. Gute Blutzuckerwerte senken das Risiko Auch die Einstellung des Diabetes spielt eine wichtige Rolle. Der sogenannte HbA1c-Wert zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen zwei bis drei Monate. Eine große populationsbasierte Analyse zeigt: Menschen mit gut eingestellten Blutzuckerwerten haben ein etwa 28 Prozent geringeres Darmkrebsrisiko als Personen mit schlecht kontrolliertem Diabetes. Liegt der HbA1c-Wert über sieben Prozent, steigt das Risiko stufenweise auf bis zu 58 Prozent. Darmkrebsprävention beginnt im Alltag Auch der Lebensstil spielt eine entscheidende Rolle. Regelmäßige Bewegung, eine ballaststoffreiche Ernährung und ein gesundes Körpergewicht können den Stoffwechsel verbessern. Experten empfehlen mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche. Gleichzeitig sollten Menschen möglichst wenig verarbeitetes und rotes Fleisch sowie Alkohol nur in Maßen konsumieren. "Darmkrebsprävention beginnt nicht erst bei der Vorsorgeuntersuchung, sondern im Alltag – durch eine konsequente Stoffwechselkontrolle und einen gesundheitsfördernden Lebensstil", sagt Bittner. Sein Appell: Wer Typ-2-Diabetes hat, sollte das persönliche Risiko gemeinsam mit seinem Arzt besprechen und die Vorsorgeangebote konsequent nutzen. Denn Darmkrebs lässt sich oft verhindern, wenn Ärzte Veränderungen früh entdecken.