Diabetes-Risiko durch Einsamkeit: Mediziner spricht Warnung aus

latest news headlines 22 std vor
Flipboard
Einsamkeit belastet nicht nur die Psyche. Neue Forschung zeigt: Wer sich dauerhaft einsam fühlt, erkrankt deutlich häufiger an Typ-2-Diabetes. Aber jeder kann etwas gegen Einsamkeit tun. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. fühlen sich 19 Prozent der Deutschen regelmäßig einsam; vor der Pandemie waren es 14 Prozent. Einer kürzlich erschienenen Umfrage zufolge erleben sogar 34 Prozent der jungen Erwachsenen in Deutschland regelmäßig Einsamkeit . Dabei ist Einsamkeit kein rein persönliches oder gesellschaftliches Problem. Sie kann auch körperliche Folgen haben. Darauf weist der Psychosomatiker Karl-Heinz Ladwig von der Technischen Universität München hin. Beim Kongress "Diabetologie grenzenlos" in München erklärte er laut "Medscape" kürzlich, dass Einsamkeit das Risiko für Typ-2-Diabetes deutlich erhöhe, und forderte mehr Aufmerksamkeit für Einsamkeit als Risikofaktor in der Diabetesprävention. Studien zeigen deutlich erhöhtes Risiko Bereits mehrere Studien haben den Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Typ-2-Diabetes aufgezeigt. So ergab eine Studie aus dem vorigen Jahr, dass Menschen, die an Einsamkeit leiden, ein um 32 Prozent erhöhtes Risiko haben, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2019 stellte denselben Zusammenhang fest und schloss gleichzeitig beeinflussende Faktoren wie Depressionen und sozialer Isolation als Ursache aus. Laut Ludwig hätten verschiedene bevölkerungsbasierte Studien "ein valides und überzeugendes Bild" zum Zusammenhang zwischen Einsamkeit und dem Auftreten eines Typ-2-Diabetes gezeichnet. "Einsamkeit schmerzt wie eine tiefe Wunde und dominiert das gesamte Lebensgefühl, sie hat erhebliche Auswirkungen auf die somatische Gesundheit. Andauernde Einsamkeit ist außerdem mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko verbunden, mit koronaren Herzerkrankungen und Schlaganfällen", so Ladwig. Diese Symptome ernst nehmen : Warnzeichen für Typ-2-Diabetes Diabetes verhindern : Experten empfehlen neue Maßnahme Chronischer Stress belastet den Körper Experten vermuten mehrere Gründe für den Zusammenhang. Ladwig zufolge ist ein wichtiger Faktor dauerhafter Stress. Menschen, die sich über lange Zeit einsam fühlen, stehen häufig unter anhaltender psychischer Belastung. Dieser Stress beeinflusse das vegetative Nervensystem – ein Teil des Nervensystems, der automatisch Körperfunktionen wie Herzschlag oder Verdauung steuert. Dabei könne sich die Aktivität des sogenannten Sympathikus erhöhen, so Ladwig. Dieses Nervensystem aktiviert den Körper in Stresssituationen, in der Folge steigt etwa die Herzfrequenz und die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel kann den Stoffwechsel verändern und langfristig eine Insulinresistenz begünstigen, erklärt Ladwig – eine zentrale Ursache für Typ-2-Diabetes. Was hilft gegen Einsamkeit? Ladwig plädiert deshalb dafür, Einsamkeit stärker in der medizinischen Versorgung zu berücksichtigen. "Die Integration von psychosozialen Screenings und Interventionen in die klinische Alltags-Praxis – nicht nur bei Depressionen und Angstzuständen, sondern auch bei Einsamkeit – kann von entscheidender Bedeutung sein." Auch andere Gesundheitsexperten raten dazu, Einsamkeit ernst zu nehmen und aktiv gegenzusteuern. Ein erster wichtiger Schritt bestehwe darin, sich das eigene Gefühl einzugestehen. Viele Menschen empfinden Einsamkeit zunächst als persönliches Versagen – doch sie ist ein weitverbreitetes gesellschaftliches Problem. Die Experten der Harvard School of Education empfehlen zudem folgende Maßnahmen: Kontakt zu Familie oder Freunden aufnehmen Lernen, sich selbst zu lieben Lernen, anderen gegenüber nachsichtiger zu sein Möglichkeiten finden, anderen zu helfen Zudem bieten Vereine, Sportgruppen oder Ehrenämter Möglichkeiten, neue Menschen kennenzulernen. Bewegung in der Gruppe kann gleich doppelt helfen: Sie stärkt die psychische Gesundheit und senkt gleichzeitig bekannte Diabetes-Risiken wie Übergewicht oder Bewegungsmangel. Auch gemeinsame Aktivitäten wie Kochkurse, Musikgruppen oder Nachbarschaftsprojekte können soziale Bindungen stärken. Wer neben Einsamkeit unter starker Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit leidet, sollte zudem mit einem Arzt sprechen. In manchen Fällen kann psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sein.
Aus der Quelle lesen