Diese Fans schaden dem FC Bayern nur – die Kolumne von Stefan Effenberg

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Der FC Bayern muss für die Verfehlungen seiner Anhänger zahlen und zieht Konsequenzen. t-online-Kolumnist Stefan Effenberg geht mit den Fans hart ins Gericht – und nimmt dafür einen Senkrechtstarter in Schutz. Erinnern Sie sich noch an den vergangenen Sommer? Gleich zwei einschneidende Ereignisse beeinflussten damals die Planungen des FC Bayern maßgeblich. Erst verletzte sich Jamal Musiala bei der Klub-WM in den USA so schwer, dass er für die komplette erste Halbserie 2025/26 ausfallen würde. Und dann ging es über Wochen hin und her: Der FC Bayern will Nick Woltemade . Nick Woltemade will zum FC Bayern. Wasserstandsmeldung nach Wasserstandsmeldung – und am Ende verkaufte der VfB Stuttgart den deutschen Nationalspieler für 75 Millionen Euro an Newcastle United in die Premier League . Gerade einmal ein paar Monate ist das alles her – im Nachhinein aber haben diese zwei empfindlichen Schläge zu vielen positiven Entwicklungen beim deutschen Rekordmeister geführt. Ansonsten hätten wir vielleicht nicht einen Serge Gnabry derart stark aufspielen sehen wie in der Hinrunde der laufenden Spielzeit. Fünf Tore und acht Vorlagen in 21 Pflichtspielen: Gnabry liefert konstant ab – was ohnehin nie sein großes Problem war. Aber: Er ist seit längerer Zeit auch verletzungsfrei – das war in den vergangenen Jahren wiederholt nicht der Fall. Nun aber ist er fit, spielt regelmäßig und bereichert das Offensivspiel der Münchner. Kein "Luxusproblem" bei den Bayern Und für Lennart Karl ging die Tür weit auf – er profitierte ebenfalls von beiden Umständen und begeisterte in diesen ersten Monaten mit seinem unbekümmerten, erfrischenden Spiel. Jetzt haben sie in München mit Karl, Gnabry, Luis Díaz , Michael Olise und dem demnächst zurückkehrenden Musiala gleich fünf Spieler für die drei Positionen hinter Harry Kane in der Offensive. Ohne Musiala haben diese Vier in der laufenden Saison bisher 34 Pflichtspieltore für die Bayern erzielt und 31 weitere vorbereitet. Manche mögen da von einem "Luxusproblem" für Kompany sprechen – ich sehe das anders: Etwas Besseres könnte sich der Bayern-Trainer doch gar nicht wünschen. Denn für die entscheidende Phase der Saison, in die es bald geht, kannst du gar nicht breit genug aufgestellt sein – und dann auch noch mit gleich fünf Spielern auf diesem hohen Niveau. Das Fußballjahr 2026 beginnt mit einer englischen Woche und drei Spielen in zehn Tagen, dann geht es direkt mit Champions League und DFB-Pokal weiter. Da wird der eine oder andere auch mal eine Pause brauchen – oder sie direkt vom Trainer verordnet bekommen. Früher oder später wird das jeden dieser Stars mal erwischen. Karl darf sich noch Fehler erlauben Und genau da muss Kompany zeigen, was er kann: Er muss diesen Spielern – die ja nun mal alle regelmäßig und am liebsten von Anfang an spielen wollen – nun klar aufzeigen, wie er mit ihnen plant, wem er wann mal eine kurze Auszeit gönnt, wer wann in der Startelf steht, wer wann von der Bank kommt. Das ist seine große Aufgabe. Aber: Kompany ist nach allen bisherigen Eindrücken aus seiner Bayern-Zeit ein starker Kommunikator im Gespräch mit seinen Spielern und wird auch hier den richtigen Ton treffen. FCB-Vorstandschef Dreesen im Interview: "Bayern ohne die beiden, das ist sehr schwer vorstellbar" Bayern-Star kehrt zurück: Er wird alles verändern Nicht den ganz richtigen Ton getroffen hat zuletzt Lennart Karl, der bei einem Fanklub-Besuch erklärte, dass Real Madrid sein Traumverein sei . Dafür wurde er direkt öffentlich attackiert von einigen vermeintlichen Experten, die direkt meinten, das gehe doch gar nicht. Das ist totaler Quatsch. Ich sage: Lasst den Jungen in Ruhe! Karl ist erst 17 Jahre alt, in dem Alter darf man sich auch mal einen Fehler erlauben. Jetzt entwickelt sich gerade seine Persönlichkeit, jetzt lernt er, mit solchen Situationen umzugehen – und: Er ist dann ja auch später sogar direkt bei der Bayern-Führungsetage vorstellig geworden und hat sich für seine Äußerung entschuldigt. Dieser Fehler wird ihm nicht noch einmal passieren. Dazu hat er das Glück, dass Michael Ballack sein Berater ist, und der weiß genau, wie das Geschäft funktioniert. Seine Erfahrung wird Karl in solchen Momenten besonders helfen. Das müssen die Fans endlich begreifen Dagegen hat Bayerns Vorstandschef Jan-Christian Dreesen genau den richtigen Ton gegenüber den Fans des Rekordmeisters getroffen. "Wir sind echt am Überlegen, ob wir die komplette Südkurve sperren" , sagte Dreesen im Interview mit t-online mit Blick auf das nächste Heimspiel in der Champions League – denn dort hatten die Bayern-Anhänger beim 3:1 gegen Sporting massiv Pyrotechnik gezündet. Die Folge: Die Uefa bestrafte den Klub mit 50.000 Euro und einem Teilausschluss der Südkurve. Nun ist Dreesens Drohung wahr geworden: Die Südkurve wird gegen Union Saint Gilloise im Unterrang voraussichtlich tatsächlich komplett leer bleiben, weil es nicht möglich ist, nur die Tickets für die vom Ausschluss betroffenen Blöcke zu stornieren. Fast 10.000 Plätze in der Allianz Arena werden deshalb wohl frei bleiben. Dazu hätte es nicht kommen müssen, nicht kommen dürfen. Die Fans müssen endlich begreifen, dass sie ihrem Klub mit solchen Aktionen nur schaden. Das darf nicht noch mal passieren. Gerade in dieser Phase der Saison braucht eine Mannschaft doch den Support ihrer Fans. Einen prominenten Unterstützer haben die Bayern in tausenden Kilometern Entfernung in Vancouver in Kanada: Thomas Müller . Dreesen sagte zuletzt bei t-online: "Ich würde mir für die Zukunft sehr wünschen, dass er irgendwann eine Rolle bei uns einnimmt – eine wichtige Rolle" – damit hat er der Klublegende eine Tür zur Rückkehr aufgemacht. Nun liegt es an Müller, wann er durch diese Tür hindurchgeht. Das ist ein Geschenk für ihn. Ich würde ihm aber empfehlen, noch so lange wie möglich zu spielen – das ist schließlich die schönste Zeit im Sportlerleben, und die sollte er so lange wie möglich auskosten. Upamecano? Das ist bemerkenswert Das Feuer hat Müller nach wie vor – er hat mit Vancouver das Finale der MLS knapp verloren gegen Inter Miami mit Lionel Messi und will in der neuen Saison sicher wieder voll angreifen. Danach hat er dann immer noch Zeit, genau zu überlegen, ob und in welcher Funktion er nach München zurückkehren will. Ich glaube nämlich nicht, dass er jetzt schon an ein Comeback bei den Bayern denkt. Er hat noch anderes vor. Viel vor haben die Bayern derweil noch mit Dayot Upamecano , der wohl vor der Vertragsverlängerung in München steht. Ich habe mich stets dafür ausgesprochen, mit Upamecano zu verlängern – gerade auch, wenn es darum ging, stattdessen Nico Schlotterbeck von Borussia Dortmund nach München zu holen. Nein, warum denn? Mit Upamecano haben die Bayern doch einen äußerst stabilen, international hochklassigen Innenverteidiger, der dazu auch eine ganz bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht hat. In der Vergangenheit war er im Bayern-Trikot immer wieder für mittelschwere bis große Patzer anfällig, wirkte zeitweise unsicher. Heute ist das kaum noch vorstellbar. Denn unter Vincent Kompany – der ja selbst ein Weltklasse-Abwehrspieler war – hat er deutlich an Konstanz, Souveränität und Selbstvertrauen hinzugewonnen, hat sein eigenes Spiel nochmals auf ein höheres Level heben können. Das ist Kompanys Verdienst, die vielleicht sogar größte Leistung seiner bisherigen Bayern-Zeit – und das weiß Upamecano auch genau. Er hat seinem Trainer viel zu verdanken, und das wird auch in seine Entscheidung pro Bayern mit einfließen. Borussia Dortmund hat sich unterdessen dagegen entschieden, in der Winterpause Verstärkungen zu verpflichten. Wie denn auch? Wintertransfers, die einer Mannschaft sofort weiterhelfen, sind ohnehin schwer zu finden – und der aktuelle Markt gibt das unter 60, 70 Millionen Euro sowieso nicht her. Das kann der BVB nicht. Daher macht es total Sinn, dass Trainer Niko Kovač mit dem bestehenden Kader die Rückrunde bestreitet und noch die wieder genesenen Spieler zurückbegrüßt. Das wird der härteste Abstiegskampf seit Jahren Dortmund will mit einem Sieg zum Jahresauftakt gegen Eintracht Frankfurt oben an den Bayern dranbleiben – aber in der unteren Tabellenregion wird es auch heiß hergehen. Den aktuellen Zehnten Werder Bremen und den 17. Heidenheim trennen nur magere sechs Punkte. Insgesamt also gleich neun Vereine stecken potenziell im Abstiegskampf. Und an den ersten Spieltagen treffen gleich mehrere dieser Mannschaften aufeinander: Dieses Wochenende spielt Heidenheim gegen den 1. FC Köln, Gladbach empfängt Augsburg, unter der Woche dann gastiert Heidenheim bei Mainz 05, der VfL Wolfsburg trifft auf den FC St. Pauli. Am nächsten Wochenende haben wir gleich drei "Keller-Duelle": Wolfsburg gegen Heidenheim, der HSV gegen Gladbach und Köln gegen Mainz. Diese Woche jetzt wird für diese abstiegsgefährdeten Klubs richtungsweisend sein für den weiteren Verlauf der Saison. Das wird der vielleicht härteste Abstiegskampf seit Jahren. Wichtig werden die kommenden Wochen auch für Bundestrainer Julian Nagelsmann – und vor allem für Torwart Marc-André ter Stegen, der in seiner Reha gerade erst einen Rückschlag erlitten hat . Muss sich Nagelsmann dann nicht endlich festlegen, mit wem er als Nummer eins in die WM geht? Nein – warum jetzt schon? Er kann in aller Ruhe bis Ende März, wenn die Nationalmannschaft das erste Mal in diesem Jahr zusammenkommt, abwarten, und sich dann nach den Länderspielen gegen die Schweiz (27. März) und Ghana (30. März) seine endgültigen Gedanken machen. So gibt er auch ter Stegen noch die Chance, wieder in den Spielrhythmus zu finden, und alles zu versuchen, es doch noch zurückzuschaffen. Das hat er sich verdient.
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