Früher oder später ist die Prostata bei fast jedem Mann vergrößert. Das kann sich vor allem durch bestimmte Beschwerden beim Wasserlassen äußern. Eine vergrößerte Prostata ist meist altersbedingt: Jeder zweite Mann hat etwa ab dem 50. Lebensjahr damit zu tun. Bei 90-Jährigen ist die Veränderung fast immer vorhanden. Direkt gefährlich ist eine solche Alterserscheinung nicht. Fachleute sprechen daher auch von einer gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie). Jedoch nimmt sie im Laufe der Zeit zu, was zu verschiedenen Beschwerden führen kann. Darüber hinaus kann eine stark vergrößerte Prostata verschiedene Komplikationen nach sich ziehen. Vergrößerte Prostata kann auf Blase drücken Ist die Prostata vergrößert, muss sich das nicht zwingend bemerkbar machen. Wenn doch, sind Probleme beim Wasserlassen typisch. Das liegt daran, dass sich die Prostata in direkter Umgebung von Harnblase und Harnröhre befindet. Bei entsprechender Größenzunahme kann das Organ auf Blase und Harnröhre drücken und somit auch die Blasenmuskulatur belasten. Das kann mehrere Folgen haben: Der Körper signalisiert Harndrang, obwohl die Blase noch nicht voll ist. Die Blase entleert sich nicht mehr komplett, weil die Muskulatur der Blase durch den permanenten Druck schwächer ist. Harn kann nicht mehr ungehindert abfließen, weil die Harnröhre eingeengt wird. Verschiedene Blasenbeschwerden möglich Zu möglichen Symptomen einer vergrößerten Prostata zählen: ein häufiger und starker Harndrang; die Toilette muss dann sehr rasch aufgesucht werden häufiges nächtliches Wasserlassen ein schwächerer Urinstrahl als gewohnt längere Dauer, bis die Blase entleert ist Der Urin tritt nicht wie gewohnt sofort aus, sondern mit Verzögerung. Nachtröpfeln von Urin nach dem Wasserlassen das Gefühl, die Blase habe sich nach dem Wasserlassen nicht vollständig entleert unkontrollierter Abgang von Urin (Inkontinenz) Die Beschwerden nehmen im Laufe der Zeit meist langsam zu. Es kann aber auch Phasen geben, in denen sie vorübergehend milder sind. Manche Männer spüren trotz einer stark vergrößerten Prostata keine Symptome. Andere bemerken schon früh erste Anzeichen und empfinden es als belastend, nachts häufig auf die Toilette zu müssen. Beschwerden allein sagen also nichts darüber aus, wie ausgeprägt die Prostatavergrößerung tatsächlich ist. Komplikationen einer Prostatavergrößerung Eine vergrößerte Prostata ist nur selten bedrohlich. Manchmal zieht sie jedoch Komplikationen nach sich. Dazu zählen unter anderem: bakterielle Infektionen: Wenn sich die Blase nicht mehr vollständig entleert, können sich dort Bakterien leichter ansiedeln. akuter Harnverhalt : Bei einer stark vergrößerten Prostata ist das Wasserlassen in seltenen Fällen nicht mehr möglich. Ein Harnverhalt ist ein Notfall, der umgehend behandelt werden muss. Blutungen: Durch den Druck können Blutgefäße im Bereich der Blase oder Prostata einreißen und Blutungen auslösen. Blasensteine: Kleinere Harnsteine werden bei einer vergrößerten Prostata unter Umständen nicht so leicht beim Urinieren ausgeschwemmt, sodass sie größer werden und zu Beschwerden führen können. Störungen der Nierenfunktion: Diese können entstehen, wenn sich Urin bis in die Nieren staut. Gutartig oder Krebs? Eine gutartige Prostatavergrößerung ist eine häufige Ursache von Beschwerden beim Wasserlassen. Es kommen jedoch auch andere Ursachen infrage – darunter auch bösartige Erkrankungen wie Prostatakrebs . Bei anhaltenden und/oder starken Symptomen ist daher immer ein Arztbesuch angesagt. Denn nur durch eine Untersuchung lässt sich feststellen, ob eine gutartige Prostatavergrößerung hinter den Beschwerden steckt oder ob eine andere Ursache infrage kommt. Dazu zählt zum Beispiel auch eine Entzündung der Prostata. Untersuchung bringt Gewissheit Im Gespräch wird der Arzt zunächst nach Art, Intensität und Dauer der Beschwerden fragen. Auch wird er beispielsweise wissen wollen, ob der Patient Medikamente nimmt und ob er bestimmte Vorerkrankungen hat. Es folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei tastet der Arzt unter anderem das äußere Genital ab. Zudem führt er einen Finger in den Enddarm ein, um die Prostata von innen zu ertasten. Anhand einer Urinprobe lässt sich unter anderem herausfinden, ob eine Infektion hinter den Beschwerden stecken könnte. Um zu messen, wie schnell der Urin ausgeschieden wird, kann eine Harnstrahlmessung sinnvoll sein. Dabei uriniert die Person in ein spezielles Messgerät. Im Ultraschall lässt sich eine Prostatavergrößerung erkennen. Auch kann der Arzt damit herausfinden, ob nach der Blasenentleerung übermäßig viel Restharn in der Blase zurückbleibt. Im Rahmen einer Blutuntersuchung wird der Arzt möglicherweise auch vorschlagen, den PSA-Wert zu bestimmen. PSA steht für prostataspezifisches Antigen. Ist der Wert erhöht, kann das auf Prostatakrebs hinweisen – ein Beweis für die Erkrankung ist er jedoch nicht, denn im Rahmen anderer Erkrankungen (auch bei einer Prostatavergrößerung) kann der Wert ebenfalls erhöht sein. Ob die Bestimmung des Werts sinnvoll ist, sollten Arzt und Patient daher gemeinsam abwägen. PSA-Test: Was sagt er aus und wie sicher ist er? Prostatavergrößerung lässt sich behandeln Eine gutartige Prostatavergrößerung erfordert nicht immer eine sofortige Behandlung. In manchen Fällen kann zunächst abgewartet werden. Wenn die Symptome jedoch sehr belastend sind, wird der Arzt eine Therapie vorschlagen . Dasselbe gilt, wenn Komplikationen auftreten oder das Risiko dafür hoch ist. Es kommen pflanzliche oder nicht pflanzliche Medikamente infrage. Einige Präparate können die Prostata verkleinern, andere entspannen die Muskeln im Bereich von Blase und Prostata. In bestimmten Fällen ist auch eine OP sinnvoll oder sogar erforderlich, etwa, wenn das Wasserlassen kaum noch möglich ist oder wiederholt Blaseninfekte auftreten.