Nachtröpfeln auf der Toilette ist bis zu einem gewissen Grad normal. Geht in anderen Momenten Urin ab, deutet das auf eine Störung der Harnwege hin. Nachtröpfeln kann Männer und Frauen betreffen. Dauert es auf der Toilette, bis der Harnstrahl versiegt, ist das in der Regel unbedenklich. Bis sich die Muskulatur der Harnwege wieder angespannt hat, kann es etwas nachtröpfeln. Nimmt das Nachtröpfeln zu, kann es ein Warnsignal sein und beispielsweise auf eine Blasenschwäche oder eine vergrößerte Prostata hindeuten. Wann ein Arztbesuch sinnvoll ist. Nachtröpfeln nach dem Urinieren – was ist normal? Versiegt der Hauptstrahl und spannt sich die Blasenmuskulatur wieder an, tröpfelt meist noch etwas Harn nach. Das ist nicht ungewöhnlich. Es handelt sich in der Regel um die letzten Tropfen, die aus der Harnröhre fließen. Bleibt es allerdings nicht beim kurzen, leichten Nachtröpfeln, sondern nimmt die Menge zu, sollten Betroffene aufmerksam werden. Das gilt auch dann, wenn zwischendurch plötzlich ungewollt Harn abgeht oder der Harnstrahl generell schwächer wird. Nachtröpfeln – mögliche Ursachen bei Frau und Mann Diese Beschwerden deuten darauf hin, dass der normale Ablauf der Harnentleerung gestört ist. Eine häufige Ursache bei Frauen ist eine Harninkontinenz, umgangssprachlich auch Blasenschwäche genannt. Schwangerschaft und Geburt können ebenso wie hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren die Blasenkontrolle der Frau beeinträchtigen. Bei Männern steckt oft eine gutartige Prostatavergrößerung hinter dem "Tröpfeln danach". Weitere mögliche Ursachen für vermehrtes Nachträufeln können sein: Harnwegsinfekte: Ist beispielsweise die Blase entzündet, ist das Urinieren schmerzhaft und die Blasenentleerung aufgrund der verkrampften Blasenmuskulatur erschwert. Oft kommen nur wenige Tropfen. Chronische Prostataentzündung : Sie kann eine Schwellung der Prostata verursachen und die Harnröhre einengen. Prostatakrebs : Größer werdende Tumoren können die Harnröhre verengen/abdrücken. Blasensteine: Sie stellen ebenfalls ein Hindernis dar, welches die Entleerung der Blase behindern kann. Harnblasenkrebs: Größer werdende Tumoren können den Übergang zur Harnröhre verstopfen. Harnröhrenverengung: Sie kann sich unter anderem nach längerem Tragen eines Katheters oder als Folge einer Operation (Narbenbildung) einstellen. Einnahme bestimmter Medikamente: Manche Medikamente, etwa bestimmte Beruhigungsmittel, Antidepressiva und Neuroleptika, können die Funktion der Blase beeinträchtigen. Stress und verkrampftes Wasserlassen ungünstige Sitzposition auf der Toilette Bei verstärktem Nachtröpfeln zum Arzt Tröpfelt es vermehrt nach, ist das der Inkontinenz Selbsthilfe e. V. zufolge ein Warnsignal. Vor allem, wenn weitere Beschwerden hinzukommen, etwa Schmerzen beim Urinieren, ein Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung, Blut im Urin , ungewollter Urinverlust oder vermehrter Harndrang. Dann sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen und die Ursache klären lassen. Für Frauen und Männer ist oft der Hausarzt der erste Kontakt. Dieser überweist bei Verdacht auf eine Erkrankung im Bereich der Harnwege an einen Urologen weiter. Der Urologe ist kein reiner "Männerarzt". Er beschäftigt sich nicht nur mit den männlichen Geschlechtsorganen, sondern auch mit Veränderungen und Erkrankungen von Nieren und Harnwegen bei beiden Geschlechtern. Nachtröpfeln bei Frauen: Blasenschwäche oft die Ursache Wie bereits erwähnt, ist bei Frauen eine Harninkontinenz eine häufige Ursache für vermehrtes Nachtröpfeln und unwillkürlichen Urinverlust. Zu den Gründen, warum Frauen anfälliger für Blasenschwäche sind als Männer, gehören anatomische Gegebenheiten, ein dehnbareres und generell schwächeres Bindegewebe, Schwangerschaften und Geburten sowie hormonelle Einflüsse, etwa in den Wechseljahren. Auch Übergewicht, ständige Verstopfung und chronischer Husten gehören zu den Risikofaktoren, welche eine Blasenschwäche begünstigen können. Beckenbodentraining kann helfen, den Beckenboden zu kräftigen und die Beschwerden der Blasenschwäche zu lindern. Das Beckenbodentraining sollten Frauen unter professioneller Anleitung eines entsprechend geschulten Physiotherapeuten oder einer Physiotherapeutin erlernen. Das Training ist das A und O bei der Behandlung einer leichten Belastungsinkontinenz. Laut der Inkontinenz Selbsthilfe e. V. ist eine kräftige Beckenbodenmuskulatur die Basis für eine sichere Blasenkontrolle. Die Übungen trainieren die Stützfunktion des Halteapparates und stärken die Funktion des Blasenschließmuskels. Gutartige Prostatavergrößerung beim Mann: Warum es oft nachtröpfelt Ab dem 40. Lebensjahr führen altersbedingte Veränderungen im männlichen Hormonhaushalt zu einem langsamen Wachstum der Prostata, das zunächst meist symptomlos verläuft. Ab einer bestimmten Größe kann die Prostata die Harnröhre aber so verengen, dass Männer Probleme beim Wasserlassen bekommen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) ist nahezu jeder zweite Mann über 50 von Problemen beim Wasserlassen betroffen. Verzögertes Wasserlassen ("Anlaufschwierigkeiten") sowie ein schwächer werdender Harnstrahl gehören zu den ersten Symptomen einer gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie (BPH). Zudem dauert es länger, bis die Blase entleert ist. Das Gefühl einer unvollständig entleerten Blase sowie plötzlicher und häufiger Harndrang sind weitere Symptome. Nachtröpfeln bis hin zu Inkontinenz können auftreten. Nachtröpfeln durch vergrößerte Prostata – was hilft Die DGU rät Männern, Beschwerden beim Wasserlassen immer ärztlich abklären zu lassen. Im Falle einer gutartigen Prostatavergrößerung gibt es verschiedene Behandlungsmethoden, darunter die Einnahme von Medikamenten sowie unterschiedliche Operationsverfahren. Neben der klassischen operativen Methode der Ausschälung der Prostata durch die Harnröhre (TURP) werden der DGU zufolge immer häufiger innovative Verfahren wie die Lasertherapie oder der Hochdruckwasserstrahl eingesetzt. Durch die Entfernung des überschüssigen Prostatagewebes wird die Behinderung des Harnabflusses behoben. Ungünstige Gewohnheiten vermeiden, Nachtröpfeln reduzieren Die Inkontinenz Selbsthilfe e. V. rät, einige Tipps zu beherzigen, um Nachtröpfeln entgegenzuwirken: Frauen sollten nach dem Wasserlassen nicht pressen, da das den Beckenboden schwächt. Besser sei es, durch Anspannen der Beckenbodenmuskulatur verbleibenden Restharn herauszubekommen. Eine aufrechte und leicht nach vorn gebeugte Haltung erleichtert Frauen die Blasenentleerung. Männer wie Frauen sollten sich ausreichend Zeit zum Wasserlassen nehmen und nicht hektisch pressen. Das "Anhalten" des Harnstrahls beim Wasserlassen sollte vermieden werden. Regelmäßige Toilettengänge wirken einer Überdehnung der Blase entgegen. Bei neu auftretenden, anhaltenden oder sich verstärkenden Beschwerden sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden.