Die Ukraine nutzt seit Jahren zunehmend erfolgreich billige Drohnen, um die russischen Angreifer zurückzuschlagen. Rheinmetall-Chef Armin Papperger zweifelt an der Technologie. Der Vorstandsvorsitzende des Rüstungskonzerns Rheinmetall , Armin Papperger , hat mit Aussagen über die ukrainische Drohnenindustrie Spott und Empörung ausgelöst. Hintergrund ist ein Gespräch mit dem Magazin "The Atlantic": Darin verglich Papperger den Bau von Drohnen für den Krieg in der Ukraine mit Lego-Bausteinen. Außerdem stellte er infrage, dass hinter den heimischen Entwicklungen der Ukraine echte Innovation steckt. "So spielt man mit Lego-Steinen", sagte er der Zeitschrift. "Was ist die Innovation der Ukraine?", wird Papperger weiter zitiert. "Sie haben keinen technologischen Durchbruch erzielt. Sie entwickeln Innovationen mit ihren kleinen Drohnen und sagen: ‚Wow!‘ Und das ist toll. Wie auch immer." Das aber sei nicht die Technologie von Rüstungskonzernen wie Lockheed Martin , General Dynamics oder Rheinmetall. Erster Angriff dieser Art: Ukraine trifft Putins Arktis-Eisbrecher in der Ostsee Newsblog: Alle aktuellen Entwicklungen im Ukraine-Krieg Weiterhin fragte Papperger: "Wer ist der größte Drohnenhersteller in der Ukraine?" Als "The Atlantic"-Journalist Simon Shuster ihm einige Produzenten aufgezählt habe, soll Papperger spöttisch reagiert haben: "Das sind ukrainische Hausfrauen." Weiter wird der Rheinmetall-Chef zitiert: "Sie haben 3D-Drucker in der Küche und produzieren Teile für Drohnen." Das sei keine Innovation. Ukraine entwickelt immer wieder neue Drohnen Die Ukraine hat Drohnen für den Krieg seit Beginn der russischen Vollinvasion fortwährend weiterentwickelt. Insbesondere unbemannte Fluggeräte – oft handelsübliche Kleindrohnen, die mit Sprengstoff ausgerüstet werden – fügen den russischen Streitkräften schwere Verluste zu. Zudem baut die ukrainische Rüstungsindustrie zunehmend eigene Kriegsdrohnen. Immer wieder gelingt es den Ukrainern, mit den Drohnen, die sich meist für unter 1.000 Euro bauen lassen, schweres Militärgerät der Kremltruppen im Wert von mehreren Millionen Euro auszuschalten. Der deutsche Konzern Rheinmetall stellt vor allem Panzer, Artillerie, Munition, Militär-Lkw und in geringerem Maße Drohnen her. Einige der Waffen sind auch im Ukraine-Krieg im Einsatz. Im vergangenen Jahr machte im vergangenen Jahr mit 33.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 9,9 Milliarden Euro, was ein Plus von 29 Prozent gewesen war. Die Firmenzentrale ist in Düsseldorf und das größte Werk im niedersächsischen Unterlüß. Reaktionen aus der Ukraine: "Schon mehr als 11.000 russische Panzer zerstört" In der Ukraine fielen die Reaktionen auf Pappergers Aussagen einhellig aus. Der ukrainische Drohnenhersteller SkyFall erklärte auf Anfrage von "The Atlantic": "Wenn eine Drohne, die von ukrainischen 'Hausfrauen‘ gebaut wurde, ausreicht, um Panzer und Artillerie auszuschalten, dann sind wir wohl offiziell in der Ära der 'Hausfrauen‘ angekommen." Alexander Kamyshin, Berater des ukrainischen Präsidenten für strategische Fragen, schrieb in einem Post auf X: "Unsere Lego-Drohnen, die von Hausfrauen in ihren Küchen gebaut wurden, haben bereits mehr als 11.000 russische Panzer zerstört." Richard Woodruff, der als britischer Freiwilliger laut eigenen Angaben die Ukraine seit 2022 unterstützt, teilte auf X ein Bild von sich vor Dutzenden aufgetürmten Drohnen. Dazu schrieb er spöttisch, dass er erst heute erfahren habe, dass er "eine ukrainische Hausfrau" sei. Der deutsche Militärexperte Nico Lange urteilte auf X: "Die Überheblichkeit so mancher in Bundeswehr, Industrie und Politik gegenüber der neuen Ökonomie des Krieges mit massenweisen billigen Drohnen und Raketen könnte für uns noch zum ernsten Sicherheitsrisiko werden."