Gold-Preis droht Beben: Zweifel am "sicheren Hafen" wachsen

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Nach zwei heftigen Abstürzen innerhalb weniger Wochen wächst der Zweifel an Gold als sicherem Hafen. Zu Recht? In Krisenzeiten flüchten viele Anlegerinnen und Anleger zu Gold . Schließlich gilt das gelbe Edelmetall als "sicherer Hafen". Wenn die Börsen verrückt spielen und Aktien unter Druck geraten, soll Gold das Depot stabilisieren. So zumindest will es das Lehrbuch. Und sehr oft funktionierte das in der Vergangenheit auch. Zuletzt aber stürzte der Goldpreis zweimal empfindlich ab: Ende Januar und zu Beginn der Woche. Und nun fragen sich Anleger unweigerlich, ob Gold als Krisenschutz ausgedient hat. Gold auf Achterbahnfahrt Was war am vergangenen Montag nur los an den Rohstoffmärkten? Schon seit Tagen war Gold unter Druck, aber dann folgte in den frühen Morgenstunden der dramatische Absturz um fast zehn Prozent. Selbst überzeugte Gold-Fans und ausgewiesene Edelmetall-Experten rieben sich die Augen. Ich habe es live erlebt, denn ich habe das Zukunftsforum Edelmetalle in Frankfurt moderiert. Was für ein Timing! Während die Experten auf der Bühne nach Erklärungen suchten und den Blick in die Zukunft wagten, erholte sich der Preis für das gelbe Edelmetall zwar wieder deutlich – einem Post von US-Präsident Donald Trump sei Dank. "Sie werden es bitter bereuen": Was Börsenprofis in der Krise raten Börsenbeben: Wenn die Kurse Achterbahn fahren Der hatte allerdings auch den Absturz ausgelöst. Seine Drohungen in Richtung des Iran kamen bei Investoren nicht gut an. Sein "Rückzieher" löste Erleichterung aus. Aber Moment! Müsste denn der Goldpreis nicht gerade in solch unsicheren Zeiten, in Krisen und Kriegen steigen? Und im Falle der Entwarnung fallen? Warum flüchten Anleger, wenn sich die Krise zuspitzt, plötzlich aus dem "sicheren Hafen", anstatt genau diesen anzusteuern? Der abrupte Absturz von Gold wirkt paradox und widerspricht der klassischen Logik. Von wegen "sicherer Hafen" – denken wohl viele. Aber ist es wirklich so einfach? Sie ahnen es: Nein, ist es nicht. Zu Beginn des Iran-Krieges reagierten die Edelmetallpreise erst einmal lehrbuchhaft. Der Goldpreis markierte ein neues Allzeithoch bei mehr als 5.400 Dollar. Doch schon wenige Tage später begann der Abstieg, der immer weiterging. Warum der Goldpreis gerade jetzt abstürzt Wie kann das sein? Überraschend ist das eigentlich nicht. Es gibt gleich mehrere Gründe, wenn wir uns das Umfeld anschauen. Der Krieg in Nahost lässt die Energiepreise und damit unweigerlich auch die Inflation beziehungsweise die Inflationserwartungen stark steigen. Das wiederum stärkt Dollar und Realzinsen, macht Zinssenkungen eher unwahrscheinlich und belastet damit den Goldpreis. War's das jetzt? Goldpreis schmiert ab – das sind die Gründe Bedenken Sie also immer, wenn Sie den "sicheren Hafen" ansteuern wollen, dass Gold äußerst sensibel auf Zinsen, Währungen und Marktliquidität reagiert. Liquidität schlägt Sicherheit Noch ein weiterer Faktor kommt hinzu: Gerade in stürmischen Börsenphasen wird Gold oft auch verkauft. Aber nicht, weil es plötzlich uninteressant oder kein "sicherer Hafen" mehr ist, sondern weil gerade institutionelle Investoren wie Stiftungen, Pensionskassen oder auch Family Offices Geld benötigen. Wer an anderer Stelle Verluste ausgleichen muss oder schlicht Liquidität braucht, verkauft oft zuerst das, was weniger stark verloren hat und rasch handelbar ist. Dieses Phänomen war in vielen Stressphasen an der Börse zu beobachten: Gold gerät unter Druck, obwohl es eigentlich als "sicherer Hafen" gefragt sein müsste. Aktuell haben die Profis sicherlich auch hohe Gewinne aus der jüngsten Vergangenheit realisiert. Gold ist und bleibt ein sicherer Hafen Hat Gold als Krisenschutz also ausgedient oder war es vielleicht auch nie ein "sicherer Hafen"? Nein! Obwohl ich nie wirklich ein großer Gold-Fan war – Gold zahlt weder Zinsen noch Dividenden –, glaube ich an den Krisenschutz. Gold bringt Sicherheit ins Depot, aber eben nicht 100-prozentigen Schutz. Es gab durchaus Bärenmärkte an den Börsen, in denen Gold gestiegen ist. Die Finanzkrise ist ein solches Beispiel. Grundsätzlich gilt aber eher, dass der Goldpreis in Krisenphasen deutlich weniger stark fällt als die Aktienkurse. Und das ist ja auch schon was, oder? Aber wir sollten uns nicht darauf verlassen, dass der "sichere Hafen" Gold unsere Verluste am Aktienmarkt ausgleicht. Das wird nicht funktionieren. Einen absolut "sicheren Hafen" gibt es nicht. Und wie geht es nun weiter? Die Experten beim Zukunftsforum waren verhalten positiv gestimmt. Von einer – vielleicht sogar überfälligen – Korrektur war die Rede. Bald könnte es wieder aufwärtsgehen, wenn auch weniger stark als in den vergangenen Jahren. Eines dürfen wir nämlich nicht vergessen: China und andere Länder wollen unabhängiger vom Dollar werden. Ihre Notenbanken investieren seit einigen Jahren massiv in Gold, was den Preis nach oben treibt und wohl auch weiter treiben wird. Wer langfristig investiert ist, sollte also einfach nur die Nerven bewahren. Wer eher kurzfristig unterwegs ist, muss Zinsen, Dollar und Inflationserwartungen im Auge behalten.
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