Emoji-Studie: Gehirn verarbeitet Emojis ähnlich wie echte Gesichtsausdrücke

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Das Gehirn nimmt Emojis offenbar ernster als gedacht: Eine neue Studie legt nahe, dass sie teils ähnlich verarbeitet werden wie echte menschliche Gesichtsausdrücke. Hui, ein Herz-Kuss-Smiley! Steht er auf mich? Oje, wofür schämt sich das Äffchen? Was soll jetzt das Zwinkern, war das ironisch gemeint? Emojis können große Gefühle hervorrufen, Fragen aufwerfen und Verwirrung stiften. Das kennen wohl die meisten aus eigener Erfahrung. Laut einer Untersuchung hängt das nicht nur mit der inhaltlichen Bedeutung der Symbole zusammen: Wenn Menschen Emojis sehen, reagiert das Gehirn auf die dargestellten Emotionen offenbar ähnlich wie bei echten Gesichtsausdrücken. Gehirnaktivität beim Emoji-Anschauen gemessen Wir verarbeiten die Mimik unserer Mitmenschen extrem schnell. Experimente haben gezeigt, dass das Gehirn nur wenige Zehntelsekunden braucht, um zu erkennen, ob jemand lächelt oder wütend schaut. Bei Emojis war bisher weniger klar, wie das Gehirn sie verarbeitet. Wie abstrakte grafische Symbole? Oder wie echte Gesichter? Genau das wollte ein Forschungsteam um die Psychologin Madeline Molly Ely von der Bournemouth University herausfinden. Dafür analysierte das Team die Gehirnaktivität von insgesamt 49 jungen Erwachsenen mithilfe eines sogenannten EEG. Dabei tragen Versuchspersonen eine Kappe mit vielen kleinen Sensoren auf dem Kopf. Diese messen winzige elektrische Signale, die entstehen, wenn Nervenzellen im Gehirn aktiv sind. Den Teilnehmern wurden während der Untersuchung auf einem Bildschirm verschiedene Gesichtsausdrücke präsentiert. Eine Gruppe betrachtete Fotos realer Personen. Eine andere Gruppe sah Emoji-Gesichter. In beiden Fällen ging es um vier einfache Emotionen: glücklich, wütend, traurig oder neutral. Nach jedem Bild sollten die Probanden entscheiden, welche Emotion dargestellt war. Welcher Typ sind Sie? Das sagen Emojis über Ihre Persönlichkeit aus Schmerzhafter Handynacken: Wie Smartphones zu Schulter- und Nackenverspannungen führen Die Auswertung der gemessenen Signale ergab: Sowohl bei echten Gesichtern als auch bei Emojis ließen sich in den EEG-Daten Muster erkennen, die mit den dargestellten Emotionen zusammenhingen. Die Abläufe im Gehirn waren also nicht immer gleich, sondern veränderten sich je nachdem, welche Gefühlsregung gezeigt wurde. Glückliche, wütende oder traurige Gesichter – egal, ob als Foto oder als Emoji – gingen jeweils mit leicht unterschiedlichen Mustern der Gehirnaktivität einher. Gehirn reagiert erstaunlich schnell Im nächsten Schritt nutzten die Forscher ein Computerprogramm, das typische Muster in gemessenen Gehirnsignalen erkennen kann. Zunächst "lernte" das Programm anhand der EEG-Daten aus dem Experiment mit echten Gesichtern, welche Aktivitätsmuster im Gehirn zu welcher Emotion passen, also zum Beispiel zu einem glücklichen oder zu einem wütenden Gesicht. Anschließend prüften die Forschenden, ob das Programm diese Muster auch in den Daten aus dem Emoji-Experiment wiederfindet. Tatsächlich funktionierte das bis zu einem gewissen Grad. Das Gehirn greift beim Lesen von Emoji-Gesichtern also offenbar zum Teil auf dieselben Prozesse zurück wie bei echter Mimik. Das Programm prüfte außerdem, ab welchem Zeitpunkt die Gehirnsignale genügend Informationen enthalten, um Emotionen zu unterscheiden. Bemerkenswerterweise zeigten sich entsprechende Signale bereits etwa 100 bis 120 Millisekunden nach dem Erscheinen des Bildes auf dem Bildschirm und erreichten ihren Höhepunkt nach ungefähr 150 Millisekunden. Das passt zu einem bekannten Befund aus der Gesichtsforschung: Rund 150 Millisekunden nach einem Bild beginnt das Gehirn normalerweise damit, Gesichter und ihre Gefühle zu erkennen. In der Studie fiel diese Reaktion genau in dieses Zeitfenster, unabhängig davon, ob ein echtes Gesicht oder ein Emoji zu sehen war. Was das bedeuten könnte Die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu interpretieren. Erstens handelt es sich um eine Ähnlichkeit in der Verarbeitung. Die Muster überschneiden sich teilweise – sie sind nicht identisch. Zweitens war die Teilnehmergruppe relativ klein und bestand hauptsächlich aus jungen Erwachsenen. Ob Kinder, ältere Menschen oder Personen aus anderen Kulturkreisen Emojis genauso verarbeiten, bleibt offen. Drittens fand das Experiment unter Laborbedingungen statt. Die Teilnehmer sahen einzelne Bilder auf einem Bildschirm und mussten eine Emotion auswählen. In echten Chats gestaltet sich die Kommunikation komplexer. Der Kontext einer Nachricht, der Wortlaut, Ironie oder die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern spielen ebenfalls eine Rolle. Dennoch lassen sich aus der Studie interessante Schlüsse ziehen. Die Befunde könnten dazu beitragen, zu erklären, warum Emojis so wirkungsvoll sein können. Sie sind mehr als niedliche oder lustige Bildchen. Sie werden womöglich wie echte Mimik wahrgenommen – und beeinflussen damit, wie eine Nachricht verstanden wird. Die Studie liefert somit einen weiteren Grund dafür, Emojis bewusst einzusetzen.
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