Erhöht der Ruhestand das Risiko für Demenz? Tipps zur Vorbeugung

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Manche Menschen fiebern ihr ganzes Arbeitsleben auf den Ruhestand hin – und erkranken dann an Demenz. Wie lässt sich das Risiko senken? Endlich ausschlafen, mehr Zeit mit den Liebsten verbringen, Hobbys nachgehen, das Leben genießen: So oder so ähnlich stellen sich wohl viele Berufstätige ihren Ruhestand vor. Die Realität sieht aber häufig anders aus. Denn im Rentenalter steigt das Risiko für zahlreiche Erkrankungen, auch für solche, die einem unbeschwerten Leben im Weg stehen. Zu den häufigsten gehört dabei die Demenz . Bei einer Demenz lassen die Geisteskräfte zunehmend nach. Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Lernen, Orientierung, Sprache und die Fähigkeit, mit anderen Menschen zu interagieren: Nahezu alle wichtigen kognitiven Prozesse können vom Abbau betroffen sein. Die Einschränkungen schreiten immer weiter fort, bis die Betroffenen ihren Alltag nicht mehr eigenständig bewältigen, geschweige denn aktiv gestalten und genießen können. Demenz – warum der Ruhestand das Risiko erhöhen könnte Eines vorweg: Ob gewisse ungesunde Gewohnheiten die Entstehung einer Demenz fördern, lässt sich nicht sicher sagen. Was man bislang darüber weiß, basiert auf Beobachtungsstudien, die ursächliche Zusammenhänge nie zweifelsfrei beweisen können. Am Ende lassen sie üblicherweise die Frage offen: Hat nun die untersuchte Gewohnheit zur Demenz geführt oder ist die Gewohnheit vielmehr ein Symptom der Demenz? Gleichwohl hat die Forschung bereits wertvolle Hinweise auf mögliche Risikofaktoren für Demenz geliefert. Und ausgerechnet im Ruhestand kommen nicht selten mehrere dieser Faktoren zusammen, vor allem: Bewegungsmangel, soziale Isolation, geringe geistige Aktivität und eventuell depressive Symptome. Zu ihnen neigen in erster Linie Menschen, für die mit dem Ende des Berufslebens: geistig anregende Aufgaben wegfallen, soziale Kontakte verloren gehen, die sich am Arbeitsplatz ergeben haben, das tägliche Sportprogramm ausbleibt. Das gilt gerade für Personen, die eine körperlich anstrengende Profession ausgeübt und/oder ihren Arbeitsweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt haben, die Tagesstruktur verloren geht: Ohne den festen Rahmen des Arbeitsalltags müssen geistige und soziale Anregungen selbst organisiert werden. Das kann im Alter schwieriger sein, insbesondere für Menschen, die nicht gut sozial vernetzt sind, keinen regelmäßigen Freizeitaktivitäten nachgehen und nur wenige Interessen haben. Tatsächlich kamen Studien zu dem Ergebnis, dass ein späterer Renteneintritt mit besserer kognitiver Leistungsfähigkeit und einem geringeren Demenzrisiko einhergeht. Andere Untersuchungen hingegen konnten einen solchen Zusammenhang nicht finden oder lieferten sogar Anhaltspunkte dafür, dass der Ruhestand der kognitiven Leistungsfähigkeit zugutekommt. Das heißt: Ob der Ruhestand der geistigen Fitness schadet oder nützt, lässt sich bislang nicht eindeutig beantworten. Entscheidend ist vermutlich, wie Menschen diese Lebensphase gestalten. Demenz im Ruhestand: So verringern Rentner ihr Risiko Als zentraler Schutzfaktor gilt die kognitive Reserve. Normalerweise setzt sich diese aus der angeborenen Intelligenz und geistigen Kompetenzen zusammen, die man in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter gesammelt hat, insbesondere durch eine gute Bildung und einen intellektuell herausfordernden Lebensstil. Wenn jemand eine große kognitive Reserve hat, kann sein Gehirn krankhafte oder verletzungsbedingte Schädigungen besser kompensieren. Dafür sprechen jedenfalls die Befunde vieler Studien. Die kognitive Reserve entwickelt sich also über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg und lässt sich nicht mit dem Renteneintritt auf die Schnelle deutlich vergrößern. Dennoch können ältere Menschen einiges dafür tun, ihre vorhandene Reserve zu schützen. Fachleute sprechen von der "Use-it-or-lose-it"-Hypothese: Geistige Fähigkeiten bleiben eher erhalten, wenn sie regelmäßig gefordert werden. Daraus lassen sich folgende Tipps ableiten: Lassen Sie Ihren Alltag nicht vom Fernsehprogramm bestimmen, erst recht nicht, wenn die Inhalte Ihr Gehirn kaum fordern. Wer stattdessen liest, schreibt, spielt oder etwas Neues lernt, hält seine geistigen Fähigkeiten eher auf Trab. Bleiben Sie neugierig. Ein neues Instrument lernen, eine Sprache auffrischen, einen Kurs besuchen oder sich in ein neues Hobby einarbeiten – all das fordert das Gehirn stärker als vertraute Routinen. Pflegen Sie soziale Kontakte. Gespräche, gemeinsame Aktivitäten oder ehrenamtliches Engagement sind geistig überraschend anspruchsvoll und können das Gehirn stimulieren. Bewegen Sie sich regelmäßig. Körperliche Aktivität verbessert die Durchblutung des Gehirns und wird in vielen Studien mit einem geringeren Risiko für kognitiven Abbau in Verbindung gebracht. Achten Sie darauf, dass Ihr Alltag nicht zu gleichförmig verläuft. Wer immer dieselben Tätigkeiten ausführt, fordert sein Gehirn wenig. Abwechslung und neue Eindrücke halten es eher aktiv. Meiden Sie es, aus Langeweile oder Einsamkeit zu rauchen, Alkohol zu trinken oder übermäßig viel zu essen. Solche Gewohnheiten schaden aber nicht nur Herz und Stoffwechsel, sondern auch dem Gehirn. Suchen Sie bei psychischen Beschwerden wie Niedergeschlagenheit rechtzeitig Unterstützung, etwa in einer psychotherapeutischen Praxis. Menschen, die den Ruhestand fürchten, sollten sich womöglich mehr mit all den neuen Freiheiten befassen: Was früher unter Zeitdruck erledigt werden musste, lässt sich nun in aller Ruhe angehen. Zeitaufwändige Hobbys und Reisen müssen nicht mehr beruflichen Verpflichtungen geopfert werden. Wer mehr Selbstbestimmung über den eigenen Tagesrhythmus hat, kann Routinen etablieren, die zu den eigenen Bedürfnissen passen. Genau darin besteht vielleicht die größte Chance des Ruhestands: mehr Zeit für das zu haben, was Körper und Geist guttut.
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