Haferflocken senken Cholesterin: Schon nach zwei Tagen messbarer Erfolg

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Gerade einmal zwei Tage – so kurz kann es dauern, bis sich der Cholesterinspiegel messbar verbessert. Entscheidend ist ein Lebensmittel, das fast jeder im Schrank hat. Die Idee, Hafer therapeutisch einzusetzen, ist nicht neu: Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts behandelte der deutsche Arzt Carl von Noorden Diabetespatienten mit einer Haferkur und erzielte damit beachtliche Erfolge. Eine aktuelle Studie der Universität Bonn knüpft an dieses alte Wissen an: Sie zeigt, dass eine kurzzeitige Haferkur den Cholesterinspiegel überraschend stark senken kann und der Effekt sogar mehrere Wochen anhält. Die Studie wurde kürzlich im Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlicht. Haferflocken gegen hohe Blutfette In der Studie verordneten die Forscher 32 Menschen mit Metabolischem Syndrom eine strikte Haferkur. Beim Metabolischen Syndrom handelt es sich um eine Kombination von Übergewicht, Bluthochdruck sowie erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten. Zwei Tage lang nahmen sie ausschließlich einen gekochten Haferbrei aus 300 Gramm Haferflocken und Wasser zu sich und das dreimal täglich. Ein wenig Obst oder Gemüse war ebenfalls erlaubt. Dadurch war die Ernährung auch kalorienreduziert. Eine Kontrollgruppe wurde ebenfalls auf eine kalorienreduzierte Diät gesetzt, die allerdings keine Haferflocken enthielt. Das Ergebnis: Schon nach 48 Stunden sank der Anteil des sogenannten LDL-Cholesterins – also des besonders gefäßschädigenden Cholesterins – um rund zehn Prozent. "Das ist eine substanzielle Reduktion", sagt Studienleiterin Marie-Christine Simon. Auch wenn es nicht ganz vergleichbar mit der Wirkung moderner Medikamente ist. Zusätzlich verloren die Teilnehmer im Schnitt zwei Kilogramm Gewicht, auch der Blutdruck sank leicht. Haferkur könnte vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen "Gerade die Wirkung auf das LDL-Cholesterin dürfte Gesundheitsrelevanz haben", schreiben die Studienautoren in einer Pressemeldung zur Studie. Denn zu viel LDL-Cholesterin kann sich in den Wänden der Blutgefäße einlagern und so die Gefäße verengen und unelastischer werden lassen. Mediziner sprechen dann von einer Arteriosklerose . Das verschlechtert die Durchblutung. Zahlen richtig deuten : Ab wann die Cholesterinwerte zu hoch sind Fettreicher Ernährung : Darum sind hohe Cholesterinwerte nicht immer schlecht fürs Herz Durch hohen Blutdruck können diese Einlagerungen zudem schneller platzen. Als Folge kann sich an der betroffenen Stelle ein Blutgerinnsel bilden, der das Gefäß komplett verschließt. Wird ein solches Gerinnsel mit Blut weggeschwemmt, kann es überdies einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hervorrufen. Wirkung über Wochen nachweisbar Doch die kurze Haferkur wirkte nicht nur unmittelbar. Auch sechs Wochen nach der zweitägigen Kur waren die verbesserten Cholesterinwerte noch nachweisbar. Die Forschenden vermuten: Die Effekte gehen weit über die bekannten Vorteile der löslichen Ballaststoffe hinaus. Vielmehr verändert Hafer offenbar das Mikrobiom – also die Gesamtheit der Bakterien im Darm. Linda Klümpen, Erstautorin der Studie, erklärt: "Wir konnten feststellen, dass sich durch den Verzehr der Haferflocken die Zahl bestimmter Bakterien im Darm erhöht." Diese Bakterien produzieren beim Abbau des Hafers sogenannte phenolische Verbindungen, darunter vor allem Ferulasäure und Dihydroferulasäure. Frühere Tierstudien deuten darauf hin, dass diese Stoffe den Cholesterinstoffwechsel günstig beeinflussen. Umgekehrt "entsorgen" andere Mikroorganismen die Aminosäure Histidin. Diese wird vom Körper ansonsten teilweise in ein Molekül umgewandelt, das im Verdacht steht, eine sogenannte Insulinresistenz zu befördern. Diese Unempfindlichkeit gegenüber Insulin ist ein zentrales Merkmal des Diabetes mellitus. Besser intensiv und kurz als lange und mäßig Im Vergleich zur zweitägigen Haferkur brachte eine moderate Haferdiät über sechs Wochen hinweg deutlich geringere Erfolge: In einem zweiten Teil der Studie aßen 17 Personen täglich 80 Gramm Haferflocken bei sonst unveränderter Ernährung. Hier fielen die Verbesserungen deutlich schwächer aus. Marie-Christine Simon, Juniorprofessorin am Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn zieht daraus eine klare Schlussfolgerung: "Eine kurze Haferkur in regelmäßigen Abständen könnte eine gut verträgliche Möglichkeit sein, den Cholesterinspiegel im Normbereich zu halten und einem Diabetes vorzubeugen." Die Forschenden wollen nun prüfen, ob dies tatsächlich der Fall ist.
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