Lange Zeit galten Betablocker nach einem Herzinfarkt als unverzichtbar. Neue Forschungsergebnisse wecken jedoch Zweifel am Nutzen der Dauerbehandlung. Eine aktuelle Studie aus Südkorea hat gezeigt: Viele Menschen, die nach einem Herzinfarkt Betablocker verschrieben bekommen haben, könnten die Medikamente möglicherweise absetzen, ohne mit gesundheitlichen Nachteilen rechnen zu müssen. Warum Betablocker lange als Standard galten Seit den 1980er-Jahren kommen nach einem Herzinfarkt üblicherweise Betablocker zum Einsatz. Die Wirkstoffe senken den Blutdruck und die Herzfrequenz. Das entlastet den Herzmuskel in den Bereichen, die den Infarkt überlebt haben. Laut den Ergebnissen früherer Studien verringert sich dadurch das Risiko, einen weiteren Herzinfarkt zu bekommen und zu sterben. Studien enthüllen: Betablocker können lebensgefährlich sein Analyse zeigt: Diese Alltags-Medikamente belasten das Herz Überraschend: Drei Dinge senken das Infarktrisiko um 60 Prozent Veränderte Ausgangslage erfordert eine Neubewertung Mittlerweile hat sich die Behandlung von Herzinfarkten jedoch stark verändert. Das Forschungsteam aus Südkorea wollte deshalb untersuchen, ob Betablocker auch heute noch für alle Betroffenen notwendig sind. An seiner Studie nahmen 2.540 Personen mit einem Durchschnittsalter von 63,2 Jahren teil, die ein Jahr zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatten. Fast alle Studienteilnehmer hatten sich einem Eingriff unterzogen, um die Durchblutung der Herzkranzgefäße wiederherzustellen. Dieser bestand meist in einer perkutanen koronaren Intervention (PCI): Das ist ein Kathetereingriff, bei dem verengte Gefäße erweitert werden. Zum Zeitpunkt der Studie hatte sich die Herzfunktion aller Teilnehmer wieder normalisiert. Außerdem zeigte niemand von ihnen Symptome einer Herzschwäche. Blutdruck senken: Mit diesen einfachen Übungen gelingt es Neun Faktoren: Diese Herzrisiken kennen nur wenige Studienablauf und Ergebnisse Das Forschungsteam teilte alle teilnehmenden Personen per Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein: Eine Gruppe setzte die Betablocker ab, die andere nahm sie weiter ein. Über einen Zeitraum von durchschnittlich gut drei Jahren beobachtete das Team, ob schwerwiegende Ereignisse auftraten. Dazu zählten Todesfälle, erneute Herzinfarkte oder Krankenhausaufenthalte wegen Herzschwäche. Das Ergebnis: In der Gruppe ohne Betablocker traten bei 58 Personen schwerwiegende Ereignisse auf, in der Vergleichsgruppe bei 74 Personen. Daraus lässt sich abschätzen, dass die Wahrscheinlichkeit für solche Ereignisse nach vier Jahren ohne Betablocker 7,2 Prozent und mit Betablockern 9,0 Prozent beträgt. Auch die Sterblichkeit war in der Absetzgruppe etwas niedriger, nämlich 2,4 gegenüber 3,4 Prozent. Statistisch gesehen ergab sich kein signifikanter Unterschied. Das bedeutet: Die Unterschiede könnten auch zufällig entstanden sein. Dennoch bestätigt die Studie bereits vorliegende Hinweise darauf, dass das Absetzen der Betablocker nicht schlechter ist als die Fortführung der Behandlung. Wann könnte ein Absetzen infrage kommen? Die Ergebnisse legen nahe, dass Betablocker in bestimmten Fällen zur Nachsorge nach einem Herzinfarkt nicht mehr zwingend notwendig sind. Das gilt vor allem für Menschen, deren Herz nach dem Infarkt wieder weitgehend normal funktioniert und die keine Beschwerden haben. Das ist auch deshalb von Bedeutung, weil Betablocker bei einigen Menschen Nebenwirkungen hervorrufen, darunter Schlafstörungen , Gewichtszunahme oder Müdigkeit. Zudem gibt es mittlerweile andere bewährte Medikamente: ACE-Hemmer sowie Sartane senken den Blutdruck, Thrombozytenaggregationshemmer verhindern Blutgerinnsel und Statine hemmen die Entstehung von Arteriosklerose (umgangssprachlich auch Arterienverkalkung genannt). Einschränkungen und Ausblick Allgemeingültig sind die Ergebnisse aber eher nicht. Denn zum einen nahmen an der Studie nur wenige Frauen teil, zum anderen waren Personen mit leicht eingeschränkter Herzfunktion unterrepräsentiert. Zudem bleibt offen, ob an der südkoreanischen Bevölkerung durchgeführte Untersuchungen ohne Weiteres auf alle Menschen übertragbar sind. Die Studie zeigt allerdings eines ganz deutlich: Die Nachsorge nach einem Herzinfarkt entwickelt sich weiter. Für viele Betroffene könnte das weniger Medikamente und damit auch weniger Nebenwirkungen bedeuten, allerdings nur nach sorgfältiger ärztlicher Prüfung.