Kaffee gilt als Wachmacher, aber auch als möglicher Schlafräuber. Eine große Studie zeigt nun jedoch: Der Einfluss des beliebten Getränks auf den Schlaf könnte deutlich geringer sein als lange angenommen. Kaffee ist in Deutschland eines der beliebtesten Getränke. Im Schnitt trinkt jeder Deutsche rund 164 Liter pro Jahr, das sind etwa drei bis vier Tassen täglich. Neben dem Geschmack dürfte hier vor allem der wachmachende Effekt des Koffeins für die Beliebtheit verantwortlich sein. Doch für den Schlaf ist der hohe Kaffeekonsum nicht gut. Oder stimmt diese Einschätzung gar nicht? Eine Arbeit schwedischer Forscher legt nun zumindest nahe, dass regelmäßiger Kaffeekonsum den Schlaf viel weniger beeinflusst als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine große Bevölkerungsstudie, die kürzlich im Fachjournal "Plos One" veröffentlicht wurde. Mehr als 30.000 Menschen untersucht Für die Studie werteten Forscher Daten aus der Swedish Cardiopulmonary Bioimage Study (SCAPIS) aus. In dieser Gesundheitsstudie untersuchen Wissenschaftler Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Krankheiten. Insgesamt nahmen 30.154 Menschen im Alter zwischen 50 und 64 Jahren teil. Die Teilnehmer beantworteten Fragebögen zu ihrem Kaffeekonsum und zu ihrem Schlaf. Die Forscher erfassten unter anderem, wie lange die Menschen schliefen, ob sie Probleme beim Einschlafen hatten, wie oft sie nachts aufwachten, ob sie sehr früh aufwachten, ob sie Probleme mit Reflux oder Schnarchen hatten und wie müde sie sich tagsüber fühlten. Außerdem untersuchten die Wissenschaftler genetische Varianten, die mit dem Kaffeekonsum zusammenhängen. Diese genetischen Unterschiede beeinflussen zum Beispiel, wie schnell der Körper Koffein abbaut. Dabei zeigte sich kein Zusammenhang, dass Menschen, die Koffein genetisch bedingt schneller abbauen, insgesamt mehr Kaffee trinken. Studie enthüllt : So verändert Kaffee am Morgen die Stimmung Kaffee besser nicht bei Herzproblemen? Neue Studie widerspricht bisheriger Annahme Kaum Zusammenhang zwischen Kaffee und Schlafproblemen Das Ergebnis überraschte: Der Zusammenhang zwischen regelmäßigem Kaffeetrinken und Schlafproblemen war insgesamt sehr schwach. Interessanterweise ging vor allem ein geringer Kaffeekonsum (im Vergleich zum völligen Verzicht auf Kaffee) mit einer schlechteren Schlafqualität, größeren Einschlafschwierigkeiten und häufigerem nächtlichem Aufwachen einher. Menschen hingegen, die viel Kaffee tranken, berichteten im Durchschnitt nicht über deutlich schlechteren Schlaf oder stärkere Müdigkeit am Tag. Teilweise zeigten die Daten sogar kleine gegenteilige Effekte: Personen mit hohem Kaffeekonsum gaben etwas häufiger an, besser zu schlafen oder weniger Probleme beim Einschlafen zu haben. Die Unterschiede waren jedoch so gering, dass sie im Alltag kaum eine Rolle spielen dürften, schreiben die Forscher. Beim Schnarchen hingegen zeigt sich ein einheitliches Bild: Den Forschern zufolge geht jede Kaffeemenge mit lauterem Schnarchen einher. Für viele sicher überraschend : Ist Kaffee auf nüchternen Magen ungesund? Warum Kaffee möglicherweise weniger wirkt als gedacht Aber wie kann es sein, dass Kaffee nur bei geringen Konsummengen den Schlaf stört? Die Forscher vermuten, dass sich der Körper bei regelmäßigem Konsum an den Effekt von Koffein gewöhnt. Koffein wirkt als Stimulans des zentralen Nervensystems. Es steigert die Wachheit und die Konzentration, indem es sogenannte Adenosinrezeptoren im Gehirn blockiert. Adenosin ist ein Botenstoff im Gehirn, der normalerweise Müdigkeit signalisiert und beim Einschlafen hilft. Wenn Koffein diese Rezeptoren blockiert, fühlen sich Menschen wacher. Den Forschern zufolge könnte das Gehirn seine Signalwege so verändern, dass die Wirkung von Koffein mit der Zeit schwächer wird. Fachleute sprechen hier von Toleranzbildung, also einem Gewöhnungseffekt. Aber: Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass Kaffee grundsätzlich keinen Einfluss auf den Schlaf hat. Kurzfristig kann Koffein durchaus das Einschlafen erschweren. Die Studie deutet jedoch darauf hin, dass regelmäßige Kaffeetrinker langfristig weniger stark betroffen sein könnten als bisher angenommen. Die Forscher betonen daher: Weitere Studien müssen klären, wie Alter, Genetik und persönliche Gewohnheiten die Wirkung von Kaffee auf den Schlaf beeinflussen. Besonders interessant wäre es, jüngere Altersgruppen oder den genauen Zeitpunkt des Kaffeekonsums genauer zu untersuchen.