Kreatin im Check: Kraftboost, Anti-Krebs-Mittel oder leere Versprechen?

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Auf TikTok und Instagram gilt Kreatin derzeit als Wundermittel – für Muskeln, Gehirn und sogar gegen Krankheiten. Doch was sagt die Wissenschaft dazu? Kaum ein Nahrungsergänzungsmittel wird derzeit so intensiv diskutiert wie Kreatin. In der Fitnessbranche gehört das Pulver schon lange zum Standard, doch inzwischen hat der Trend auch soziale Netzwerke erreicht. Auf Plattformen wie TikTok oder Instagram empfehlen Influencer das Nahrungsergänzungsmittel nicht nur für Muskelaufbau, sondern teilweise auch für bessere Konzentration, mentale Leistung oder sogar für gesundheitliche Vorteile. Viele dieser Aussagen gehen jedoch deutlich weiter als das, was wissenschaftlich gesichert ist. Tatsächlich zählt Kreatin zu den am besten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln im Sport. Fachleute betonen jedoch, dass der Nutzen klar eingegrenzt ist – und viele Versprechen aus dem Internet kritisch betrachtet werden sollten. Studie über Kreatin und Krebs erregt Aufsehen Zu zusätzlichen Diskussionen führte zuletzt eine große Analyse aus den USA . Darin untersuchten Forscher Daten von 25.879 Erwachsenen, die zwischen 2007 und 2018 erhoben wurden. Die Teilnehmer gaben an, was sie an zwei Tagen gegessen hatten. Daraus berechneten die Wissenschaftler, wie viel Kreatin sie über Lebensmittel aufgenommen hatten. Gleichzeitig wurde erfasst, ob bei den Befragten bereits einmal Krebs diagnostiziert worden war. Das Ergebnis: Menschen mit höherer Kreatinaufnahme berichteten etwas seltener von einer Krebsdiagnose. Bei sehr niedriger Kreatinzufuhr lag der Anteil der Betroffenen bei etwa 10 bis 11 von 100 Personen, bei besonders hoher Aufnahme bei rund 9 von 100. Der Unterschied war statistisch messbar, aber relativ klein. Warum die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden müssen Die Studie gilt als sehr umstritten und beweist keinesfalls, dass Kreatin vor Krebs schützt. Forscher sprechen hier von einer Beobachtungsstudie. Solche Untersuchungen können Zusammenhänge erkennen, aber keine Ursache-Wirkung-Beziehung nachweisen. Zudem wurde nur Kreatin aus der normalen Ernährung untersucht – nicht aus Nahrungsergänzungsmitteln. Ein weiterer wichtiger Punkt: Menschen könnten nach einer Krebsdiagnose ihre Ernährung verändern und zum Beispiel weniger Fleisch oder Fisch essen. Dadurch würde automatisch auch die Kreatinaufnahme sinken. Auch andere Inhaltsstoffe dieser Lebensmittel könnten eine Rolle spielen. Deshalb betonen Wissenschaftler, dass weitere Studien nötig sind, bevor daraus gesundheitliche Empfehlungen abgeleitet werden können. Im Check: Was bringt Kreatin zum Muskelaufbau? Sport im Alter: Mit diesem Training halten sich Senioren fit Messbare Effekte, aber kein Wunderpulver Der tatsächliche Nutzen von Kreatin ist vor allem im Sport gut untersucht. Studien zeigen, dass sich durch eine regelmäßige Einnahme die Kraftleistung leicht steigern lässt. Sportwissenschaftler berichten etwa, dass Trainierende mit Kreatin manchmal ein oder zwei Wiederholungen mehr schaffen oder beim Sprint etwas länger maximale Leistung halten können. Dadurch lassen sich intensivere Trainingsreize setzen. Langfristig kann das auch den Muskelaufbau unterstützen. Kreatin baut Muskeln jedoch nicht direkt auf, es ermöglicht lediglich ein etwas intensiveres Training. Für wen Kreatin sinnvoll sein kann Besonders profitieren Menschen, die sogenannte Schnellkraftsportarten betreiben. Dazu gehören etwa Krafttraining, Sprintdisziplinen oder Sportarten mit vielen kurzen intensiven Belastungen wie Fußball oder Kampfsport. Für klassische Ausdauersportarten ist der Nutzen dagegen deutlich geringer. Teilweise kann die Leistung sogar leicht sinken, weil Kreatin Wasser in den Muskelzellen bindet und dadurch das Körpergewicht etwas erhöht. Auch viele Freizeitsportler sind über ihre Ernährung bereits ausreichend versorgt. Viele Versprechen aus dem Internet sind nicht belegt Der aktuelle Social-Media-Hype geht oft deutlich weiter als die wissenschaftliche Datenlage. Influencer schreiben dem Supplement etwa positive Effekte auf Gedächtnis, Stimmung oder psychische Erkrankungen zu. Zwar gibt es erste Studien, die mögliche Auswirkungen auf die Energieversorgung von Nervenzellen untersuchen. Die bisherigen Ergebnisse reichen jedoch nicht aus, um klare Empfehlungen zu geben. Deshalb dürfen Hersteller in der Europäischen Union auch nicht mit einer Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit werben. Fazit Kreatin ist kein Wundermittel, aber eines der am besten untersuchten Nahrungsergänzungsmittel im Sport. Für Menschen, die intensiv Kraft- oder Schnellkrafttraining betreiben, kann es tatsächlich einen kleinen Leistungsvorteil bringen. Viele der Versprechen, die derzeit in sozialen Netzwerken kursieren, gehen jedoch deutlich über die wissenschaftliche Datenlage hinaus. Auch neue Studien, etwa zum möglichen Zusammenhang mit Krebs, liefern bislang eher Hinweise als klare Beweise.
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