Im Kühlschrank sollen Lebensmittel länger haltbar bleiben. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass das Gerät auch ein artenreicher Lebensraum ist. Kühlschränke sollen helfen, Lebensmittelinfektionen zu vermeiden. Die Geräte beherbergen jedoch unzählige Mikroorganismen: Laut einer neuen Studie leben in Haushaltskühlschränken Tausende verschiedene Arten von Bakterien und Pilzen, darunter auch potenziell krank machende Keime. Risiko Lebensmittelinfektion Ein typischer Magen-Darm-Infekt durch verunreinigte Lebensmittel (etwa mit Bakterien wie Salmonellen oder Campylobacter ) verursacht Übelkeit und Durchfall , oft auch Bauchkrämpfe und Erbrechen . In Deutschland kommt es laut Meldedaten jedes Jahr zu rund 100.000 Lebensmittelinfektionen, wobei die Dunkelziffer vermutlich weitaus höher ist. Kühlung bietet Schutz, ist aber oft unzureichend Zum Schutz vor lebensmittelbedingten Magen-Darm-Erkrankungen sind Hygiene im Umgang mit Lebensmitteln sowie die ausreichende Kühlung bei deren Transport und Lagerung entscheidend: Niedrige Temperaturen verlangsamen das Wachstum von Mikroorganismen und verlängern so die Haltbarkeit von Lebensmitteln. Der Kühlschrank leistet dazu einen wesentlichen Beitrag – vorausgesetzt, die Temperatur in seinem Inneren ist niedrig genug. Laut internationalen Empfehlungen sollte die Temperatur im Kühlschrank konstant unter fünf Grad Celsius liegen. Salmonellen abtöten: So gelingt es ganz bestimmt Behörden warnen: Neuer Rekord bei Lebensmittelinfektionen Fachleute mahnen: Diese Käsesorten sind in der Schwangerschaft tabu Die neue Studie zeigt jedoch: Die Realität sieht in vielen Haushalten anders aus. Nur 38 Prozent der untersuchten Kühlschränke hielten die empfohlene Temperatur ein. In fast einem Viertel der Geräte herrschten sogar über sieben Grad Celsius, was im Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit als ungünstig gilt. 45 Kühlschränke untersucht Das Forschungsteam analysierte für seine Studie Abstriche aus 45 Haushaltskühlschränken. Dabei fand es eine große Vielfalt an Mikroorganismen. Häufig vertreten waren Bakterien, die typischerweise mit Lebensmitteln oder kalten Umgebungen verbunden sind. Auch Keime aus fermentierten Lebensmitteln sowie von der menschlichen Haut gelangten offenbar regelmäßig in den Kühlschrank, etwa über Hände oder unverpackte Lebensmittel. In rund 60 Prozent der untersuchten Geräte waren außerdem potenziell krankheitserregende Bakterien nachweisbar. Am häufigsten fand das Forschungsteam Bacillus cereus und Staphylococcus aureus. Vereinzelt waren auch andere bekannte Lebensmittelkeime in den Proben enthalten, etwa Campylobacter und Listerien . Ein weiterer bedeutender Befund betraf die Widerstandsfähigkeit der Keime gegen Antibiotika: In den Abstrichen aus vielen Kühlschränken fanden sich Belege für solche Resistenzen. Besonders ältere Geräte waren betroffen, was vermutlich daran liegt, dass sich dort über die Jahre stabile mikrobielle Gemeinschaften ansammeln konnten. Es kommt auch auf die Sauberkeit an Das Forschungsteam stellte aber auch fest: Die Temperatur allein bestimmte nicht, wie viele Mikroorganismen sich im Kühlschrank ansammelten. Viel wichtiger war, wann das Gerät zuletzt gereinigt worden war. Kühlschränke, deren Reinigung länger zurücklag, wiesen deutlich höhere Keimzahlen auf. Gleichzeitig bestand ein Großteil dieser Keime aus wenigen anpassungsfähigen Mikroorganismen – ein Gefüge, das auch von Biofilmen bekannt ist, in denen sich unerwünschte Keime leicht sammeln und vermehren können. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen: Kälte allein reicht nicht aus, um Lebensmittel sicher zu lagern. Ebenso wichtig ist es, den Kühlschrank regelmäßig zu reinigen. Erst das Zusammenspiel aus niedriger Temperatur und guter Hygiene hilft, die Keimbelastung möglichst gering zu halten.