Wie viele Kinder eine Frau bekommt und wann sie Mutter wird, könnte ihren Alterungsprozess beeinflussen. Das zeigt eine große Studie. Ein Forschungsteam der Universität Helsinki hat gemeinsam mit der Minerva Foundation untersucht, wie sich die Fortpflanzung auf das Altern auswirkt. Grundlage bildet eine finnische Zwillingsstudie mit rund 15.000 Teilnehmerinnen, deren Lebensverlauf seit 1975 verfolgt wird. Die Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachjournal "Nature Communications". Zwei bis drei Kinder schneiden am besten ab Die Auswertung zeigt klare Unterschiede: Frauen mit zwei bis drei Kindern lebten im Durchschnitt am längsten. Gleichzeitig alterten sie biologisch am langsamsten. Frauen mit mehr als vier Kindern schnitten dagegen schlechter ab. Sie hatten eine kürzere Lebenserwartung und zeigten schnellere Alterungsprozesse. Auch kinderlose Frauen wiesen im Schnitt ein höheres biologisches Alter auf. Warum das so ist, konnten die Forscher nicht eindeutig klären. Studie: Lebenserwartung in Europa driftet auseinander Mythos oder Fakt: Starben die Menschen im Mittelalter wirklich eher? Auch der Zeitpunkt der Schwangerschaft spielt eine Rolle Nicht nur die Anzahl der Kinder hat Einfluss auf die Ergebnisse. Auch das Alter bei der ersten Schwangerschaft ist laut Studie von Bedeutung. Frauen, die ihre Kinder zwischen 24 und 38 Jahren bekamen, zeigten beim Altern günstigere Werte. Frauen, die sehr früh Mutter wurden, alterten dagegen schneller. Die Wissenschaftler bringen das mit der Evolution in Verbindung. Der Körper investiert bei früher Fortpflanzung viel Energie in die Reproduktion. Diese Energie fehlt dann offenbar für Reparaturprozesse im Körper. Biologisches Alter mit spezieller Methode gemessen Die Forscher bestimmten das biologische Alter mit sogenannten epigenetischen Uhren. Dabei analysieren sie Blutproben und messen chemische Veränderungen an den Genen. Diese Veränderungen zeigen, wie schnell Zellen altern. Die Ergebnisse bestätigten die Beobachtungen zur Lebenserwartung: Frauen ohne Kinder oder mit vielen Kindern waren biologisch oft älter als gleichaltrige Frauen mit wenigen Kindern. Die Studie zeigt also, dass Lebensentscheidungen wie die Kinderzahl und der Zeitpunkt der Schwangerschaft messbare Spuren im Körper hinterlassen. Dennoch betonen die Forscher: Die Ergebnisse gelten nur für große Gruppen. Einzelne Frauen sollten daraus keine persönlichen Entscheidungen ableiten.