Eine weitere Premier-League-Nacht im Darts ist gespielt. Ein Abend voller Emotionen, Überraschungen und Bewegung in der Tabelle. Aus Berlin berichtet Jakob Lummert Luke Littler hat die achte Nacht der Premier League Darts in Berlin gewonnen. Vor 12.000 Fans in der Uber Arena präsentierte sich der mehrfache Weltmeister am Donnerstag in Topform. Der junge Engländer schlug im Finale Michael van Gerwen mit 6:4 und holte damit seinen dritten Tagessieg insgesamt – und den zweiten in Folge. "Ich denke, das war das Beste, was ich bisher an einem Abend gespielt habe", sagte Littler nach seinem Sieg. Die Zahlen untermauerten den Eindruck: In jeder Partie seiner drei Spiele in Berlin erreichte Littler einen Average – also einen Durchschnittswert – von über 105, eine dominante Leistung der Nummer eins der Welt. Der Abend beginnt mit einer Überraschung Der Abend begann jedoch mit einer Überraschung, denn gleich zu Beginn gelang Josh Rock ein erfolgreicher Auftakt. Schon vor dem Start war die Stimmung in der Arena bestens. Philip Brzezinski, der Master of Ceremonies, stimmte die Halle mit einigen ersten Gesängen auf den Abend ein, ehe es sportlich wurde. Für Rock war das erste Match von besonderer Bedeutung: Nach sieben Anläufen gewann er zum ersten Mal in seiner Karriere ein Spiel in der Premier League. Der Nordire bezwang Jonny Clayton mit 6:3 und warf direkt mit seiner ersten Aufnahme eine 180. Im weiteren Verlauf blieb das Niveau nicht von hohem Scoring geprägt, sondern eher von vielen Fehlern auf beiden Seiten. Josh Rock spielte etwas stabiler und setzte sich durch. Voller Emotionen sank Rock nach seinem Sieg zu Boden. Beim Gang in den Backstage-Bereich nach dem Spiel standen ihm Tränen in den Augen. Das zweite Viertelfinale zwischen Michael van Gerwen und Luke Humphries hatte ein etwas höheres Niveau. Beide kamen mit hohen Aufnahmen ins Spiel, die jedoch im Laufe der Partie immer weniger wurden. Am Ende verfehlte Humphries jedoch insgesamt zu viele Doppel, sodass van Gerwen mit 6:3 ins Halbfinale einziehen konnte. Das qualitativ hochwertigste Viertelfinale war das Spiel zwischen Luke "The Nuke" Littler und Stephen "The Bullet" Bunting. Zwischenzeitlich warfen beide im Schnitt über 108 Punkte pro Aufnahme und dennoch ging Littler klar mit 4:0 in Führung. Bunting lieferte mit einem 167er-Finish zum 1:4 einen der Höhepunkte des Abends, Littlers Sieg konnte er jedoch nie ernsthaft gefährden. Endstand: 6:3. Gian van Veen, der die vorherige Premier-League-Nacht krankheitsbedingt verpasst hatte, wollte im letzten Viertelfinalspiel wichtige Punkte um die Playoff-Plätze sammeln. Sein Gegner war der Waliser Gerwyn Price . Der ließ van Veen jedoch keinerlei Chancen und gewann die ersten 5 Legs in Folge. Mit einem High-Finish von 113 zum 5:1 sendete der Niederländer ein kleines Lebenszeichen. Als Price dann jedoch die Möglichkeit hatte, das Spiel für sich zu entscheiden, legte van Veen seine Darts schon weg, bevor der Matchdart überhaupt im Board steckte. Endstation Halbfinale Auf den emotionalen Sieg im Viertelfinale sollte für Josh Rock ein Halbfinale gegen Michael van Gerwen folgen. Auch dieses Spiel begann der Nordire mit einer perfekten 180er-Aufnahme und gewann das erste Leg. Danach spielte er jedoch mehr gegen sich selbst als gegen van Gerwen. Immer wieder scheiterte er an den Doppelfeldern, sodass van Gerwen trotz eines deutlich schlechteren Averages mit 3:1 in Führung gehen konnte. Auch der Anschluss zum 2:4 wenige Minuten später brachte Rock letztlich nicht mehr auf die Siegerstraße. Die Trefferquote von 18 Prozent auf die Doppel kostete ihn den Sieg und van Gerwen zog nach einem 6:3 ins Finale ein. In der Neuauflage des Halbfinals der Vorwoche, in dem Luke Littler einen 1:5-Rückstand noch in ein 6:5 gedreht hatte, wollte sich Price diesmal revanchieren. Zu Beginn war es noch ein offener Schlagabtausch auf Augenhöhe. In den ersten sieben Legs gewann immer der Spieler, der den ersten Dart im jeweiligen Leg warf. Ein spektakuläres Finish bei 154 Rest von Price schien dann sogar das Momentum in Richtung "Ice Man" zu schwingen. Doch in den Schlussminuten konnte Littler dann das Match wieder auf seine Seite ziehen und mit 6:4 gewinnen. Littler "angelt" sich zum Sieg Im Finale traf also die Nummer vier der Welt, Michael van Gerwen, auf die Nummer eins der Welt, Luke Littler. Von Beginn an spielten beide einen hohen Average, jedoch konnte Littler zu Beginn mehr Momente für sich nutzen. Erst beim 0:3-Rückstand sendete van Gerwen ein Lebenszeichen. "Mighty Mike" checkte die 124 über das "Bull's Eye" und glänzte auch in den Legs danach, egalisierte Littlers Führung – 3:3. Auch das siebte Leg des Matches war umkämpft, mit dem besseren Ende für Littler. Nun begann die "Littler Show": Gleich zweimal innerhalb von drei Legs konnte Luke Littler das größte Finish im Darts, die 170, den sogenannten "Big Fish", zum Gewinn eines Legs checken. Erst zum 5:3 und dann zum 6:4, das auch gleichzeitig den Sieg bedeutete. Littler brachte die Halle zum Toben und feierte sich selbst mit seiner typischen "Angler-Geste". Auch ein Blick auf die Tabelle gibt Littler Grund zum Jubeln. Der Engländer übernimmt mit 21 Punkten die Führung und schiebt Jonny Clayton mit 19 Punkten auf Rang zwei. Gerwyn Price festigt seinen dritten Platz mit 14 Punkten und Michael van Gerwen rückt mit der Finalteilnahme auf Platz vier vor. Dahinter liegen noch Humphries, van Veen und Bunting im Kampf um die Playoff-Plätze. Platz acht belegt weiterhin Josh Rock. In der kommenden Woche geht es mit der Premier League in Manchester weiter, wo am 2. April die neunte Nacht stattfindet.