Migräne: Studie zeigt Zusammenhang mit Luftverschmutzung

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Bei Menschen mit Migräne können zahlreiche Faktoren (Kopfschmerz-)Attacken auslösen. Laut einer neuen Studie gehört womöglich auch verschmutzte Luft dazu. Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass Luftverschmutzung mit einem erhöhten Risiko für Migräneanfälle zusammenhängt. Das gilt sowohl für kurzfristige als auch für länger andauernde Belastungen durch verunreinigte Luft. Zudem scheinen Hitze und Luftfeuchtigkeit für die Migräneaktivität eine Rolle zu spielen. Nachzulesen sind die Ergebnisse in "Neurology", der Fachzeitschrift der American Academy of Neurology. Langzeitstudie mit über 7.000 Betroffenen Migräne äußert sich für gewöhnlich durch anfallartig auftretende Kopfschmerzen, die vier bis 72 Stunden andauern. Ihre genauen Ursachen sind bislang unklar. Fest steht jedoch, dass bestimmte innere und äußere Faktoren als Auslöser beziehungsweise Trigger für Migräneanfälle wirken können, darunter Hormonschwankungen, Stress, Alkohol und Wetterwechsel. Die aktuelle Studie beschäftigt sich mit mehreren Umweltfaktoren und deren möglichem Einfluss auf die Migräneaktivität. Migräneanfällen vorbeugen: Wie wirksam ist Magnesium? Östrogen und Migräne: So hängt beides zusammen Chronische Migräne: Diese Blutzuckersenker könnten helfen Für die Studie analysierte ein Forschungsteam Daten von 7.032 Menschen mit Migräne, die in einer Großstadt im Süden Israels lebten. Die Daten waren über einen Zeitraum von durchschnittlich zehn Jahren erfasst worden und gaben Auskunft darüber, wie oft und wann die teilnehmenden Personen wegen akuter Migräne ins Krankenhaus oder in eine hausärztliche Praxis mussten und wie hoch ihr Verbrauch an Migränemedikamenten war. Diese Angaben verglich das Team mit dem Grad der Luftverschmutzung durch Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2) sowie mit den Wetterbedingungen, die an den jeweiligen Tagen und an den maximal sieben vorangegangenen Tagen geherrscht hatten, da es einige Tage dauern kann, bis sich die Auswirkungen dieser Umweltfaktoren auf den Körper bemerkbar machen. Migräne verschlimmert sich bei schlechter Luft Die Analyse ergab, dass an Tagen mit besonders hoher Luftverschmutzung mehr Betroffene wegen akuter Migräne medizinische Hilfe suchten. Umgekehrt waren an Tagen mit niedriger Belastung durch Luftschadstoffe weniger Besuche in Krankenhäusern oder ärztlichen Praxen zu verzeichnen. Kopfschmerzerkrankungen: Weltweit Milliarden Betroffene Luftverschmutzung: Warum sie gerade für Ältere riskant ist Feinstaub-Alarm: Welche Verhaltensweisen jetzt wichtig sind Besonders auffällig war der Zusammenhang mit Stickstoffdioxid (NO2): Bei kurzfristig hohen NO2-Konzentrationen stieg das Risiko für einen behandlungsbedürftigen Migräneanfall um 41 Prozent. Bei starker Sonnen- beziehungsweise UV-Strahlung suchten die Betroffenen mit einer um 23 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit wegen Migräne ärztliche Hilfe. Wenn über einen längeren Zeitraum eine erhöhte Exposition gegenüber NO2 oder Feinstaubpartikeln mit einem maximalen Durchmesser von 2,5 Mikrometern (µm) bestand, nahm der Verbrauch an Migränemedikamenten zu. Dabei stellte das Forschungsteam außerdem fest, dass die klimatischen Bedingungen die Auswirkungen der Luftverschmutzung beeinflussten: Hohe Temperaturen und niedrige Luftfeuchtigkeit verstärkten die Wirkung von NO2, während kalte und feuchte Bedingungen die Wirkung von Feinstaub verstärkten. Ergebnisse sind nur eingeschränkt aussagekräftig Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Aktivität von Migräne und mehreren Umweltfaktoren auf. Dass etwa Luftverschmutzung direkt Migräneanfälle verursacht, ist damit allerdings nicht bewiesen. Überdies ist zu beachten, dass sich die Ergebnisse möglicherweise nicht auf alle Menschen mit Migräne übertragen lassen. Denn individuelle Faktoren wie Aufenthaltsort, Lebensstil oder die Nutzung von Klimaanlagen blieben in der Studie unberücksichtigt. Zudem basieren die Ergebnisse hauptsächlich auf schweren Fällen, die ärztliche Hilfe und die Einnahme von Migränemitteln erforderten. Welchen Nutzen Betroffene daraus ziehen können Dennoch könnten die Ergebnisse zumindest einigen Menschen mit Migräne – allein in Deutschland circa acht Millionen – möglicherweise helfen, Migräneanfällen besser vorzubeugen. So könnten die Betroffenen bei vorhergesagten Schadstoffbelastungsspitzen ihre Aktivitäten im Freien verringern, Luftfilter nutzen oder frühzeitig Medikamente einnehmen.
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