Nationalmannschaft: Stiller erhält von Nagelsmann eine WM-Chance

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Eigentlich war Angelo Stiller nicht für das DFB-Team nominiert worden. Der Ausfall seiner Konkurrenten spülte ihn aber in die Mannschaft – und bietet ihm mit Blick auf die WM noch einmal eine Chance. Aus Basel berichtet William Laing Die Verwunderung war zunächst groß. Als Julian Nagelsmann in der vergangenen Woche sein Aufgebot für die letzten beiden Testspiele vor der WM-Kader-Nominierung bekanntgab, fehlte ein Name auf der Liste, den nicht wenige Fans und Experten dort erwartet hätten: Angelo Stiller . Doch der Bundestrainer verzichtete zunächst auf den Mittelfeldspieler vom VfB Stuttgart . Ein empfindlicher Rückschlag für die WM-Hoffnungen des 24-Jährigen. Dabei spielt Stiller bei den Schwaben gerade eine herausragende Saison, hat als kreative Schaltzentrale maßgeblichen Anteil am aktuell dritten Platz in der Bundesliga und dem Erreichen des Halbfinals im DFB-Pokal. Doch für die Nationalelf stand er seit der 0:2-Niederlage gegen die Slowakei im September nicht mehr auf dem Feld, fand für die Länderspiele im November sogar gar keine Berücksichtigung mehr. Denn Nagelsmann setzte im Mittelfeldzentrum lieber auf andere Spieler. Antonio Rüdiger: Nagelsmann verkündet Entscheidung in der DFB-Abwehr Doch ausgerechnet die stehen dem Bundestrainer plötzlich nicht mehr zur Verfügung. Die von Nagelsmann favorisierten Aleksandar Pavlović und Felix Nmecha fallen für die Partien gegen die Schweiz (Freitag, ab 20.45 Uhr im Liveticker bei t-online) und Ghana (Montag) verletzungsbedingt aus. Die Folge: Stiller wurde am Montag gemeinsam mit Mannschaftskollege Chris Führich nachnominiert. Mit Blick auf die WM bekommt er nun die womöglich allerletzte Chance, den Bundestrainer hinsichtlich seiner Person noch einmal eines Besseren zu belehren. Bei Stiller gilt das Prinzip "Ganz oder gar nicht" Dass Stiller eben jene Chance im zentralen Mittelfeld erhalten wird, machte Nagelsmann am Donnerstag auf der abschließenden Pressekonferenz vor dem Duell mit der Schweiz deutlich. "Angelo wird morgen beginnen auf der Position", verkündete der 38-Jährige im Baseler St. Jakob-Park. Als Nachrücker rutscht Stiller also direkt in die Startformation. Neben ihm wird Leon Goretzka auflaufen. Nagelsmanns Entscheidung, Stiller trotz des ursprünglichen Verzichts in die erste Elf zu beordern, kommt nicht von ungefähr. Bei der Kadernominierung in der vergangenen Woche hatte der Coach noch erklärt, dass er Bayern-Star Pavlović im Vergleich zu Stiller "einfach noch einen Tick vorne dran sehe." Und: "Ich sehe Angelo nicht in der ersten Elf, deshalb haben wir uns dafür entschieden, die Plätze dahinter anders zu besetzen." Das tat der Bundestrainer mit Pascal Groß, einem Akteur, der offenbar als Ersatzmann einen hohen Wert für das DFB-Team hat. "Pascal ist sehr, sehr selbstlos. Er ist einfach ein toller Mensch und deshalb auch ein richtig guter Kaderspieler", hatte Nagelsmann erklärt – und damit indirekt unterstrichen, dass dieses Profil wohl nicht ganz auf Stiller zutrifft. Bei Stuttgart gilt dementsprechend das Prinzip "Ganz oder gar nicht". Stiller ist einer für die Startelf, aber keiner für Auswechselbank – und gerade deshalb trotz seiner fußballerischen Qualität ein Wackelkandidat für die Weltmeisterschaft. Das Pendel könnte in eine entscheidende Richtung ausschlagen Die Partie gegen die Schweiz könnte das Pendel für Stiller nun in eine entscheidende Richtung ausschlagen lassen. Liefert der beim FC Bayern ausgebildete Mittelfeldmann gegen den Nachbarn eine überzeugende Leistung ab, dürfte er es dem Bundestrainer hinsichtlich der WM-Kaderplätze unweigerlich schwerer machen, auf ihn zu verzichten. Enttäuscht Stiller aber wie bei seinem letzten DFB-Einsatz, der 0:2-Niederlage in der Slowakei im September, dürfte sich sein WM-Traum schon jetzt in Luft auflösen. Nagelsmann hätte dann keine Argumente mehr, weiter auf ihn zu setzen. Stillers Vorteil vor der für ihn wohl richtungsweisenden Partie: Der Ausfall von Pavlović und Nmecha entschärft die Konkurrenzsituation im deutschen Mittelfeld in diesen Tagen um einiges. Der Stuttgarter kann gegen die Schweiz also ohne den unmittelbaren Druck, sich im direkten Vergleich mit seinen ärgsten Widersachern um die WM-Teilnahme messen zu müssen, frei aufspielen – wenngleich ihm mit Kaderspieler Groß und Rückkehrer Anton Stach zwei weitere Konkurrenten im Nacken sitzen. Kapitän Joshua Kimmich ist bekanntlich als Rechtsverteidiger eingeplant. Für Stiller wird der Versuch, sich entscheidend in den Fokus zu spielen, dennoch zu einer Herkulesaufgabe. "Es ist ja schon eine besondere Situation, dass unsere zwei wahrscheinlich gerade stabilsten zentralen Mittelfeldspieler ausfallen", sagte Nagelsmann am Donnerstag in Basel und bekräftige damit zweieinhalb Monate vor WM-Start einmal mehr die aktuell gehobene Stellung von Pavlović und Nmecha. Doch genau an dieser gilt es für Stiller nun zu rütteln – damit der eigene WM-Traum doch noch wahr wird.
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