Niesanfälle sind meist harmlos – können aber stören, wenn sie häufiger auftreten. Was verursacht die Attacken und wie lassen sie sich stoppen? Niesen kann viele Ursachen haben. Grundsätzlich ist der Niesreflex ein Schutzreflex des Körpers, um störende Reizstoffe, Partikel wie Staub oder Pollen, aber auch Erreger aus den oberen Atemwegen zu entfernen. Oft folgen dem ersten Nieser noch ein bis zwei weitere – oder das Ganze entwickelt sich zu einem regelrechten Niesanfall , der kaum enden will. Häufige Ursachen für Niesanfälle Treten Niesanfälle auf, zählen Infekte der oberen Atemwege (wie Erkältung , Schnupfen oder eine Nasennebenhöhlenentzündung) zu den häufigsten Ursachen. Ein allergischer Schnupfen (wie bei Heuschnupfen , Hausstauballergie , Tierhaarallergie) oder eine trockene Nasenschleimhaut sind ebenfalls häufige Auslöser. Auch eine verkrümmte oder löchrige Nasenscheidewand kann mit Niesattacken einhergehen. Niesen unterdrücken: Gefährlich oder nicht? Reaktion auf unspezifische Reize bei Allergiegeplagten Wer unter allergischem Schnupfen leidet, erlebt neben Beschwerden wie einer verstopften Nase, Fließschnupfen und Juckreiz in der Nase oftmals auch Niesanfälle, wenn die auslösenden Allergene (zum Beispiel Pollen) auf die Nasenschleimhaut gelangen. Denn dabei kommt es in der Nase zu Entzündungsreaktionen, die Niesattacken auslösen können. Allerdings enden Niesanfälle nicht immer, wenn die Allergieauslöser überwiegend oder gänzlich verschwunden sind. Tatsächlich besteht die allergisch bedingte Entzündung in der Nase noch eine Zeit lang minimal weiter. Als Folge ist die Nase häufig überempfindlich und reagiert nun sogar auf eigentlich harmlose Reize, die nichts mit der Allergie zu tun haben, oft mit einem Niesanfall. Fachleute sprechen dann von nasaler Hyperreaktivität. Zu solchen unspezifischen Reizen, die unter Umständen einen Niesanfall auslösen, zählen etwa: trockene, staubige Luft Tabakrauch starke Gerüche Temperaturunterschiede (wie Wechsel von warmer zu kalter Luft) körperliche Belastung Lagewechsel des Körpers (wie morgens beim Aufstehen) emotionaler Stress scharfes Essen heiße Getränke Trockene Nasenschleimhaut als Ursache für Niesattacken Hinter Niesanfällen kann außerdem eine krankhaft trockene (und mitunter verkrustete) Nase stecken, die fachsprachlich als Rhinitis sicca bezeichnet wird. Diese kann unterschiedliche Ursachen haben, wie zum Beispiel: fortgeschrittenes Alter Staubbelastung zu Hause oder bei der Arbeit Rauchen Niesanfall als Nebenwirkung von Medikamenten Daneben können verschiedene Medikamente als Nebenwirkung eine trockene Nase hervorrufen. Paradoxerweise zählen dazu auch Arzneimittel, die gegen allergischen Schnupfen eingesetzt werden. Zu den Medikamenten, die als Auslöser von Niesanfällen infrage kommen, zählen etwa: Allergiemittel wie Antihistaminika oder kortisonhaltige Nasensprays abschwellende Nasensprays (bei zu langer Anwendung) entwässernde Mittel (Diuretika) Blutdrucksenker wie Betablocker manche Antidepressiva Seltene Ursachen für Niesanfälle In seltenen Fällen können bestimmte Umstände einen Niesanfall auslösen, die im Grunde nichts mit der Nase zu tun haben. Dazu zählen beispielsweise Niesattacken nach dem Schauen in helles (Sonnen-)Licht (sogenannter photischer Niesreflex), beim Kämmen der Haare, beim Zupfen der Augenbrauen, beim alleinigen Vorstellen sexueller Aktivitäten beziehungsweise nach dem Orgasmus sowie nach Beenden einer Mahlzeit (durch den gefüllten Magen). Vereinzelt scheinen Niesattacken zudem in Verbindung mit bestimmten Erkrankungen aufzutreten: So kann ein Niesanfall beispielsweise auch Vorbote einer Migräne oder Clusterkopfschmerz-Attacke sowie eines Mini-Schlaganfalls (TIA, transiente ischämische Attacke) sein. Wahrscheinlich wird der Niesanfall in diesen Fällen durch eine direkte oder indirekte Reizung des Trigeminusnervs (sogenannter Drillingsnerv) verursacht. Dieser entspringt dem Schädel in Höhe des Ohrs, gabelt sich von dort in drei Äste auf und versorgt so den Großteil des Gesichts und einen Teil der Kaumuskeln. Aber nicht alle Menschen müssen niesen, wenn sie beispielsweise in helles Licht schauen, sich die Augenbrauen zupfen oder satt sind – vermutlich spielt hierbei auch die Vererbung eine Rolle. So zeigen Studien etwa, dass der Niesreflex auf helles Licht oder das Niesen bei gefülltem Magen unabhängig vom Geschlecht vererbt werden kann. Was hilft gegen Niesanfälle? Steckt eine Erkältung oder ein anderer Infekt hinter dem Niesanfall, bessern sich die Beschwerden in der Regel von selbst, sobald die Erkrankung abheilt. Ist eine Allergie die Ursache der Niesattacken, können Allergiemittel das Niesen verringern. Auch eine trockene Nase kann zu Niesanfällen führen. Helfen kann es dann, für ausreichend Feuchtigkeit und Pflege der Nase zu sorgen – etwa indem die Nase mit isotonischer Salzlösung gespült oder Nasensprays mit isotonischer Salzlösung, Dexpanthenol und/oder Hyaluronsäure genutzt werden. Wer aufgrund von Allergien regelmäßig Mittel wie kortisonhaltige Nasensprays anwendet, sollte zudem wissen, dass diese zu einer trockenen Nase beitragen können. Treten während des Gebrauchs dadurch Niesanfälle oder andere Beschwerden auf, kann es ratsam sein, parallel dazu Nasensprays oder Nasenspülungen mit isotonischer Salzlösung zu verwenden und die Schleimhäute damit feucht zu halten. Sind die Niesattacken eine Nebenwirkung von Medikamenten wie Blutdrucksenkern oder Antidepressiva, lässt sich in Rücksprache mit dem Arzt abwägen, ob möglicherweise ein anderes Präparat infrage kommt. Wichtiger Hinweis: Lassen sich Allergien, Infekte, trockene Nasenschleimhäute, Anomalien der Nasenscheidewand oder Medikamente als Ursache ausschließen, sollten Betroffene die Niesanfälle zur Sicherheit in einer neurologischen Praxis abklären lassen.