Schlechtes Wetter kann die Stimmung im Urlaub merklich drücken. Spezielle Versicherungen bieten Schutz – doch lohnt sich dieser wirklich? Endlich Urlaub. Das ganze Jahr haben Sie darauf gespart und dem Abreisedatum entgegengefiebert. Und dann: Dauerregen statt Sonne satt. Ob der Urlaub schön oder ein Reinfall wird, hängt für viele Menschen vom Wetter ab. Präferiert werden dabei in der Regel sonnige Tage. Nicht ohne Grund werben Urlaubsanbieter in ihren Katalogen mit strahlend blauem Himmel. Aber: Garantieren können sie diesen nicht. Allerdings können sich Urlauber gegen regnerische Tage mittlerweile absichern. Spezielle Versicherungen bieten Entschädigungen, wenn der Urlaub ins Wasser fällt. Das grundlegende Prinzip: Regnet es am Urlaubsort, bekommt der Urlauber Geld. Erst Dürre-, dann Regenversicherungen Seit 2019 bietet Nikolaus Haufler über sein Unternehmen Wetterheld spezielle Regenversicherungen an. Urlauber standen für den Hamburger dabei zunächst nicht im Fokus. "Ursprünglich wollten wir Freiluftveranstaltungen versichern", erklärt Haufler im Gespräch mit t-online. Die Idee sei ihm auf dem Hamburger Dom gekommen, einem regelmäßig auf dem Hamburger Heiligengeistfeld stattfindenden Volksfest. "Die Schausteller haben sich so über den starken Regen und die damit verbundenen Umsatzeinbußen beschwert, dass wir mit unserer Versicherung zuerst sie im Blick hatten", erzählt Haufler. Die Corona-Pandemie machte dem Geschäftsmodell einen Strich durch die Rechnung: Alle Freiluftveranstaltungen waren abgesagt. Haufler schwenkte um, versicherte Landwirte gegen Dürre. Seit 2023 können sich nun auch Urlauber gegen Wetterkapriolen versichern. Acht Regentage: 800 Euro Entschädigung Die Versicherung funktioniert so: Wer etwa über Pfingsten vom 22. bis 29. Mai nach Faro an die portugiesische Algarve fliegt, zahlt für seine Wetterversicherung insgesamt 41,50 Euro – das sind rund 5 Euro pro Tag. Regnet es an einem dieser Tage, bekommt der Urlauber eine Entschädigung zwischen 50 und 300 Euro – die Höhe lässt sich dabei frei festlegen. Regnet es acht Tage am Stück, bekommt der Versicherungsnehmer bei einer Entschädigungssumme von 100 Euro folglich 800 Euro ausgezahlt. Als Regentag wertet das Unternehmen dabei Tage, an denen es in einer bestimmten Uhrzeit (meistens von 10 bis 18 Uhr) eine bestimmte Menge Niederschlag fällt. Im vorliegenden Beispiel wären das mehr als 1,9 Milliliter. Das ist etwa der Fall, wenn es für 35 bis 90 Minuten leicht regnet. Doch auch wenn die festgelegte Regenmenge durch einen kurzen Wolkenbruch erreicht wird, gibt es Geld. Entscheidend für eine Auszahlung ist nicht nur die Regenmenge, sondern auch der Ort, an dem der Regen fällt. Beim Vertragsschluss teilt Wetterheld den Kunden genaue GPS-Daten mit. Diese markieren den Versicherungsort. Nur wenn die vertraglich vereinbarten Regenmengen genau dort verzeichnet werden, greift die Versicherung. Wetterschutz für die ganze EU Die Höhe der Versicherungsprämien kalkuliert Haufler mittels historischer Wetterdaten. Anhand dieser lässt sich genau nachvollziehen, wie häufig es in den vergangenen 30 Jahren vor Ort geregnet hat, wie hoch folglich das Niederschlagsrisiko ausfällt. "Entsprechend hängen die Preise auch vom Zeitpunkt der Reise ab. Im November ist die Regenversicherung für Mallorca teurer als im Juli", sagt Haufler. Versicherbar sei jedoch nahezu jeder Ort in der Europäischen Union (EU). Selbst für die slowenische Hauptstadt Ljubljana, eine der regenreichsten Hauptstädte innerhalb der EU, gibt es Versicherungsschutz. Allerdings mit Einschränkungen: Wer beispielsweise für den 22. bis 29. Juni bucht, muss zwei Tage als Selbstbehalt in Kauf nehmen. Die Versicherung greift somit erst nach dem dritten Regentag. Nicht möglich ist hingegen eine kurzfristige Reaktion auf den Wetterbericht. Wer sich noch kurz vor Abflug gegen das drohende Tiefdruckgebiet absichern möchte, dürfte enttäuscht werden. Abschließbar ist der Niederschlagsschutz bis zu 15 Tage vor Urlaubsbeginn. Wer seinen Flug also für den 16. Mai gebucht hat, muss spätestens bis zum 1. Mai die Versicherung abschließen. Expansion geplant Neben Regen umfasst der Schutz auch andere Niederschläge wie Hagel und Schnee. Doch ist Schnee nicht schön? "Schnee ist immer dann schön, wenn er schon liegt, nicht wenn er fällt", entgegnet Haufler. Starker Schneefall sorge beispielsweise dafür, dass Skifahrer nichts sehen. "Und dann ist Schnee genauso unschön wie Regen." Eine Ausweitung des Angebots ist fest geplant. "Wir planen auf jeden Fall, weitere Reiseziele hinzuzufügen", sagt Haufler. Bald sollen auch Regentage in der Türkei versicherbar sein. Auch bei den USA , Kanada , Kuba und der Dominikanischen Republik stehe man in den Startlöchern. Nachgefragt werde die Versicherung in erster Linie von Familien, Aktiv- aber auch Campingurlaubern. Auch wer viel Geld für Urlaub ausgebe, neige zum zusätzlichen Wetterschutz. Städtetouristen greifen indes weitaus seltener zu. Am häufigsten versichert werden dabei die folgenden Reiseziele: Ostseeküste (Deutschland, Polen , Dänemark) Nordseeküsten (Deutschland, Niederlande) Sylt (Deutschland) Tirol/Südtirol (Österreich, Italien) Belgien Dänemark Mallorca (Spanien) Oberbayern (Deutschland) Gardasee (Italien) Kärnten (Österreich) Schwäbische Alb (Deutschland) Venetien (Italien) Steiermark (Österreich) Chalkidiki (Griechenland) Niederrhein (Deutschland) Adria (Kroatien) Köln (Deutschland) Kreta (Griechenland) Harz (Deutschland) Mazedonien (Griechenland) Städtetouristen greifen nur selten zum Regenschutz. "In Städten gibt es so viele Aktivitäten, die auch bei Regen möglich sind, dass unsere Versicherung hier nur sehr selten nachgefragt wird", berichtet Haufler. Schlechtes Wetter wiederum wirke sich positiv aus. "Wenn in den Medien viel über Regen berichtet wird, steigt bei uns die Nachfrage", so Haufler. Abschließbar ist die Versicherung über die Webseite des Unternehmens oder über Partner wie Tui oder das Ferienwohnungsportal Upstalsboom. Der britische Reiseanbieter On the Beach bietet die Versicherung seit Kurzem zudem in Form einer Schönwettergarantie bei bestimmten Reisen sogar umsonst für seine Kunden an. Ein Modell, das Schule machen könnte. Bleibt die Frage, ob eine solche Versicherung wirklich sinnvoll ist. Verbraucherschützer wie der Bund der Versicherten sehen entsprechende Angebote kritisch. Versichert werde hier schließlich kein existenzielles Risiko, sondern ein Problem, das sich auch mittels einer Regenjacke lösen ließe. "Die Wetter-Police ähnelt also eher einer Wette aufs Wetter", bemängeln die Verbraucherschützer. Ob Urlauber diese Wette eingehen möchten, muss jeder für sich selbst entscheiden.