Reizblase: Was gegen ständigen Harndrang hilft

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Ständiger Harndrang und ungewollter Urinverlust: Menschen mit einer Reizblase haben oft einen großen Leidensdruck. Doch es gibt gute Behandlungsmethoden. Eine Reizblase kann dazu führen, dass sich die Betroffenen zunehmend aus dem sozialen Leben zurückziehen. Länge Ausflüge, ohne zu wissen, wo die nächste Toilette ist? Purer Stress. Glücklicherweise gibt es wirksame Maßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten, um das Problem in den Griff zu bekommen. Was ist eine überaktive Blase? Eine überaktive Blase, früher Reizblase genannt, ist auf eine Störung der Blasenfunktion zurückzuführen. Die Blase signalisiert "voll" – selbst dann, wenn sie nur wenig gefüllt ist. Die Betroffenen verspüren immer wieder einen plötzlich auftretenden, sehr starken Harndrang. Dieser kann so intensiv sein, dass ungewollt Harn abgeht – häufig bevor die Betroffenen die Toilette erreichen. Der mit der überaktiven Blase oftmals in Zusammenhang stehende Harnverlust wird in Expertenkreisen als "nasse überaktive Blase" bezeichnet. Eine weitere Bezeichnung ist "Dranginkontinenz". Erreichen die Betroffenen die Toilette ohne "Unglück", ist von einer "trockenen überaktiven Blase" die Rede. Leidensdruck: Bis zu 20-mal auf die Toilette Für die Betroffenen ist der ständige, intensive Harndrang mit möglichem Harnverlust eine extreme Belastung – am Tag wie in der Nacht. Angaben der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e. V. geht die Zahl der Betroffenen in die Millionen. Viele müssen pro Tag bis zu 20-mal zur Toilette. Trotz ausgeprägtem Harndrang kommen oft nur wenige Tropfen. Im Unterschied zu einer Blasenentzündung zeigen sich beim Syndrom der überaktiven Blase meist keine Schmerzen und kein Brennen beim Wasserlassen. Was ist die Ursache einer Dranginkontinenz? Die Ursachen einer trockenen oder nassen, überaktiven Blase sind nicht abschließend geklärt. Experten vermuten, dass sich bei den Betroffenen die Blasenmuskelaktivität nicht gut genug regulieren lässt oder die Blase Signale sendet, die nicht mit ihrem tatsächlichen Füllungszustand übereinstimmen. Es kommt irrtümlicherweise zu einer plötzlichen Blasenkontraktion. Bestimmte Risikofaktoren können eine überaktive Blase begünstigen oder diese verstärken, darunter: hormonelle Schwankungen, wie sie etwa in der Pubertät, während der Schwangerschaft und in den Wechseljahren (Östrogenmangel) vorkommen altersbedingte Harnwegsveränderungen verstärkter Druck auf die Blase, etwa durch Übergewicht, Schwangerschaft oder chronische Verstopfung Gebärmuttersenkung bei der Frau Prostatavergrößerung beim Mann neurologische Erkrankungen, etwa Parkinson oder ein Schlaganfall Nervenschäden Diabetes mellitus Blasensteine Harnwegsinfekte die Einnahme bestimmter Medikamente Wie wirkt Stress auf die Blase? Auch psychische Belastungen können eine Rolle spielen. Stress und Angst können die Nervenzellen der Blase aktivieren: Unter starkem Stress ist es möglich, dass die Nervenzellen der Blase empfindlicher werden und sensibler auf Reize reagieren. Dass die Psyche auf die Blase einwirken kann, machen auch Sprichwörter wie 'Die Blase ist der Spiegel der Seele' oder 'Urin statt Tränen' deutlich. Viele Menschen kennen es, dass bei ihnen besonders unter Stress und in belastenden Situationen ständig die Blase drückt. Symptome der Reizblase belasten Betroffene oft stark Wie belastend ständiger Harndrang und die andauernde Suche nach einer Toilette sind, wissen Menschen, die schon mal eine akute Blasenentzündung hatten. Betroffene mit einer Reizblase haben diese Symptome dauerhaft. Das kann den Alltag erheblich einschränken und Lebensfreude nehmen. Eine überaktive Blase ist eine Erkrankung, welche die Lebensqualität beeinträchtigt und zu sozialer Isolation und Depressionen führen kann. Die Behandlung ist daher von großer Bedeutung. Der Weg zur Diagnose Viele Betroffene scheuen sich, zum Arzt zu gehen. Besonders eine Dranginkontinenz, also eine nasse, überaktive Blase, ist vielen unangenehm und wird oft tabuisiert. Doch ärztliche Abklärung ist wichtig, auch um ernste Ursachen auszuschließen. Eine Therapie kann die Beschwerden meist deutlich lindern und manchmal sogar ganz beseitigen. Laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e. V. ist eine überaktive Blase eine Ausschlussdiagnose. Die Diagnose wird erst gestellt, wenn trotz ausführlicher Diagnostik keine Erkrankung als Ursache für die Symptome gefunden wird. Im ersten Schritt schließt der Urologe oder Gynäkologe eine Infektion aus. Dafür untersucht er den Urin des Patienten oder der Patientin. Auch geben ein Ultraschall von Blase und Harnwegen sowie gegebenenfalls eine Blasenspiegelung Hinweise auf die Ursache. In manchen Fällen wird eine Blasenfunktionsprüfung durchgeführt. Auch ein Miktionstagebuch, in dem Betroffene Trinkmenge und Toilettengänge notieren, helfen, das Ausmaß der Beschwerden einzuschätzen. Abhängig von der ermittelten Ursache wird die Therapie zusammengestellt. Reizblase: Was hilft gegen die überaktive Blase? Neben Medikamenten, die das Nervensystem der überaktiven Blase regulieren, sogenannte Anticholinergika, ist Beckenbodentraining eine wichtige Säule der Reizblasentherapie. Es stärkt die Blasenmuskulatur, trainiert die Stützfunktion des Halteapparates, fördert die Funktion des Blasenschließmuskels und unterstützt so die Blasenkontrolle. Des Weiteren ergänzen Toilettentraining, Harnhaltestrategien und Entspannungsübungen die Behandlung. Auch eine Stimulation der Beckenbodenmuskulatur durch elektrische Impulse kann gegen die überaktive Blase möglicherweise helfen. Hierfür wird eine Elektrode in der Vagina oder im After platziert oder eine Elektronadel gesetzt. Der Stromimpuls soll die Aktivität des Blasenmuskels verringern. Auch das Spritzen von Botulinumtoxin (Botox) kann die Aktivität des Blasenmuskels herabsetzen. Unter bestimmten Umständen kann eine psychotherapeutische Begleitung empfehlenswert sein. Reizblase: Das können Sie selbst tun Außerdem können Betroffene selbst einiges zur Symptomlinderung beitragen. Bei Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme den Druck auf die Blase in vielen Fällen lindern und die Beschwerden verbessern. Auch sollten Betroffene versuchen, Verstopfung entgegenzuwirken, da diese den Druck auf den Beckenboden verstärkt und die Blase reizen kann. Ein Rauchstopp ist ebenfalls ratsam. Der Verzicht auf Alkohol, Cola, schwarzen Tee, grünen Tee und Kaffee hilft vielen Betroffenen, denn diese Getränke reizen die Blasenschleimhaut. Beim Genuss von scharfen Gewürzen bemerken viele Betroffene ebenfalls eine Zunahme der Beschwerden. Oft sind es auch saure Speisen und Getränke, welche die Blasenwand reizen. Mithilfe eines Blasentagebuchs bekommen Betroffene mit einer Reizblase gute Hinweise, welche Speisen und Getränke bei ihnen die Probleme verstärken. Auch bei Reizblase ausreichend trinken Viele Betroffene trinken bei Inkontinenz weniger, weil sie hoffen, so den Harnverlust zu minimieren. Doch das ist keine gute Idee. Auch bei einer Reizblase ist es wichtig, ausreichend zu trinken. Wer wenig trinkt, hat einen konzentrierten Harn – und der wirkt blasenreizend. Und nicht nur das: Auch das Risiko für Harnwegsinfekte und Nierenerkrankungen ist bei einer zu geringen Spülung der Blase erhöht. Wer Urin verliert, kann durch spezielle Hygieneeinlagen für Inkontinenz peinliche Momente umgehen. Die Einlagen können größere Mengen Urin auffangen, sind mit Geruchsbindern versehen und wandeln den Urin in Gel um, was den Auslaufschutz erhöht.
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