Gelenkbeschwerden können sowohl auf Gicht als auch auf rheumatoide Arthritis hindeuten. Die wichtigsten Unterschiede erfahren Sie hier. Wenn Gelenke schmerzen, anschwellen und sich steif anfühlen, kann das zahlreiche Gründe haben. Gerade wenn die Beschwerden dauerhaft spürbar sind oder immer wieder auftreten, liegt die Sorge nahe, dass eine chronische Erkrankung dahintersteckt: Könnte es Gicht oder Rheuma sein? Gicht und Rheuma haben verschiedene Auslöser Damit keine Missverständnisse aufkommen: Rheuma ist ein Sammelbegriff für zahlreiche verschiedene Krankheitsbilder, zu denen auch die Gicht zählt. Wer von Rheuma oder Gelenkrheuma spricht, meint aber meist die rheumatoide Arthritis, eine chronische fortschreitende Entzündung der Gelenkinnenhäute, Gelenke, Schleimbeutel und Sehnen. Dazu kommt es, weil das körpereigene Abwehrsystem die Innenhaut der Gelenke angreift. Es handelt sich also um eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Bei Gicht entzünden sich ebenfalls Gelenke, jedoch aus einem anderen Grund: Bei den Betroffenen sammelt sich zu viel Harnsäure im Körper, die sich in Form von winzigen, nadelförmigen Kristallen unter anderem in den Gelenken ablagert. Die Ablagerungen können Gichtanfälle auslösen, die sich durch akute, schmerzhafte Gelenkschwellungen äußern. Rheuma oder Gicht? Wie Sie den Unterschied erkennen Gicht und rheumatoide Arthritis lassen sich nicht nur anhand ihrer Ursachen voneinander abgrenzen, sondern unter anderem auch anhand ihrer Symptome und ihres Verlaufs. Wer die typischen Merkmale beider Erkrankungen kennt, kann besser einschätzen, welche davon am ehesten für die eigenen Gelenkprobleme verantwortlich sein könnte, oder aber zu dem Schluss gelangen, dass wahrscheinlich beide nicht als Ursache infrage kommen. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist der Beginn der Schmerzen : Gicht tritt meist plötzlich auf. Innerhalb weniger Stunden entzündet sich oft ein einzelnes Gelenk stark. Es schmerzt, schwillt an und wird druckempfindlich, rot und heiß. In vielen Fällen ist zunächst das Großzehengrundgelenk betroffen, mitunter auch Knie, Sprunggelenk oder Ellbogen. Die Schmerzen sind nicht selten so ausgeprägt, dass schon das Gewicht einer Bettdecke kaum zu ertragen ist. Nach einigen Tagen oder Wochen klingt ein Gichtanfall üblicherweise wieder ab. Bei der rheumatoiden Arthritis entwickeln sich die Beschwerden eher allmählich über Wochen oder Monate hinweg. Zu Beginn sind oft nur wenige Gelenke betroffen, häufig unterschiedliche auf beiden Körperseiten. Später breitet sich die Erkrankung hingegen meist symmetrisch aus, beispielsweise auf beide Hände oder beide Füße. Vor allem die kleinen Finger- und Zehengelenke schmerzen und schwellen an. Zudem klagen viele Betroffene über die sogenannte Morgensteifigkeit in den Gelenken, die meist erst nach einer Stunde abklingt. Anders als bei der Gicht verschwinden diese Beschwerden nicht vollständig, sondern können dauerhaft bestehen bleiben. Bei den Begleitsymptomen gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede. Anders als bei der Gicht üblich, kann eine rheumatoide Arthritis den ganzen Körper betreffen: Viele Erkrankte fühlen sich über längere Zeit abgeschlagen, erschöpft und müde. Auch nächtliches Schwitzen sowie eine leicht erhöhte Körpertemperatur sind klassische Begleiterscheinungen. Hinzu kommen manchmal Muskel- und Gliederschmerzen , die unabhängig von einzelnen Gelenken auftreten können. Wenn sich die Betroffenen wegen der Beschwerden zu wenig bewegen, werden die Muskeln zudem immer schwächer. Bei fortgeschrittener rheumatoider Arthritis können darüber hinaus Rheumaknoten auftreten. Das sind kleine, feste, meist schmerzlose Knötchen unter der Haut, die sich vor allem an druckbelasteten Stellen wie den Ellbogen oder an Sehnen bilden. Weitere Unterschiede zwischen den Erkrankungen zeigen sich beim Verlauf : Gicht verläuft in einzelnen Anfällen, zwischen denen normalerweise längere beschwerdefreie Zeiten liegen. Viele Erkrankte bemerken, dass ihre Anfälle durch bestimmte Auslöser begünstigt werden, etwa üppiges Essen, Alkohol, Fasten oder Stress. Der Verlauf der rheumatoiden Arthritis kann sehr unterschiedlich sein. Die Beschwerden können langsam zunehmen, lange gleich bleiben oder in Schüben auftreten. Zehn Jahre nach Krankheitsbeginn berichtet circa die Hälfte der Betroffenen über leichte Einschränkungen im Alltag, zum Beispiel beim Anziehen oder einfachen Handgriffen wie dem Öffnen einer Flasche. Rund 40 Prozent beschreiben die Einschränkungen als mittelschwer, etwa zehn Prozent klagen über schwere Einschränkungen. Schließlich unterscheiden die beiden Krankheiten sich auch darin, wer besonders häufig betroffen ist: Gicht tritt deutlich häufiger bei Männern auf und zeigt sich meist im mittleren bis höheren Lebensalter. Bei Frauen steigt das Erkrankungsrisiko nach den Wechseljahren. Die rheumatoide Arthritis betrifft Frauen weitaus öfter als Männer und kann in jedem Erwachsenenalter beginnen, oft jedoch ebenfalls ab der Lebensmitte. Verdacht auf Rheuma oder Gicht: Was tun? Wer befürchtet, an Gicht oder rheumatoider Arthritis erkrankt zu sein, sollte frühzeitig ärztlichen Rat einholen. Nur eine Ärztin oder ein Arzt kann mit Gewissheit beurteilen, was hinter den Beschwerden steckt. Voraussetzung für eine sichere Diagnose sind ein ausführliches Gespräch sowie eine gründliche Untersuchung. Dabei werden unter anderem die Gelenke genau begutachtet und abgetastet und die Konzentrationen bestimmter Stoffe im Blut ermittelt. Zudem können bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen, um Veränderungen an den Gelenken festzustellen. Im Vorfeld des Arzttermins ist es ratsam, die eigenen Symptome möglichst genau zu beobachten und zu dokumentieren: Seit wann bestehen die Beschwerden? Welche Gelenke sind betroffen? Treten die Schmerzen plötzlich oder schleichend auf, gibt es beschwerdefreie Phasen oder erkennbare Auslöser? All das kann der Ärztin oder dem Arzt entscheidende Hinweise liefern und dazu beitragen, dass schnell eine klare Diagnose gestellt und eine geeignete Therapie eingeleitet werden kann. Beide Erkrankungen lassen sich in der Regel gut behandeln – vorausgesetzt, sie werden rechtzeitig erkannt. Je früher eine gezielte Therapie beginnt, desto besser lassen sich Schmerzen unter Kontrolle bringen, Entzündungen eindämmen und dauerhafte Gelenkschäden verhindern.