Studie zu Alzheimer: Häufiges Bakterium kann Krankheit verschlimmern

latest news headlines 17 std vor
Flipboard
Eine Bakterienart, die vor allem als Erreger von Atemwegsinfekten bekannt ist, hängt womöglich mit Alzheimer zusammen und kann den Verlauf verschlimmern. Was die Studie zeigt. Die Bakterienart Chlamydia pneumoniae ist weitverbreitet und verursacht in der Regel Atemwegsinfekte wie Lungen- und Nasennebenhöhlenentzündungen. Doch womöglich spielt sie auch bei Alzheimer eine Rolle. Eine kürzlich in der Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlichte Studie zeigt, dass der Keim über Jahre im Auge und im Gehirn verbleiben und den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung ungünstig beeinflussen kann. Das Forschungsteam konnte erstmals nachweisen, dass die Keime bis zur Netzhaut des Auges vordringen. Dort rufen die Bakterien offenbar Immunreaktionen hervor, die mit entzündlichen Prozessen, dem Abbau von Nervenzellen im Gehirn und geistigem Abbau zusammenhängen. "Das Auge fungiert gewissermaßen als Stellvertreter des Gehirns. Diese Studie zeigt, dass bakterielle Infektionen der Netzhaut und chronische Entzündungen Hinweise auf krankhafte Veränderungen im Gehirn liefern und den Krankheitsverlauf vorhersagen können. Damit stützt sie den Einsatz der Netzhautbildgebung als schonendes, nichtinvasives Verfahren, um Menschen mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko frühzeitig zu identifizieren", sagt Maya Koronyo-Hamaoui, leitende Autorin der Studie. Höhere Bakterienzahl bei Alzheimer-Patienten Für die Studie untersuchten die Forscher Gewebeproben von 104 Menschen, von denen einige Alzheimer oder leichte Gedächtnisstörungen hatten und andere kognitiv gesund waren. Dabei ließen sich in der Netzhaut und im Gehirn von Menschen mit Alzheimer deutlich mehr Bakterien nachweisen als bei Menschen ohne kognitive Beeinträchtigung. Demenz: Was vermutlich besser hilft als Medikamente Forscher erklären: Warum Frauen öfter an Alzheimer erkranken Zudem stellten die Forscher fest, dass die Hirnveränderungen und der geistige Abbau umso ausgeprägter waren, je mehr Bakterien nachgewiesen wurden. Hohe Keimzahlen traten außerdem häufiger bei Menschen auf, die Träger der sogenannten APOE4-Genvariante waren. Diese gilt als wichtigster genetischer Risikofaktor für eine Alzheimer-Erkrankung. Den Forschern zufolge scheint Chlamydia pneumoniae weniger ein Auslöser zu sein, sondern als eine Art Verstärker zu fungieren. Laborversuche bestätigen den Zusammenhang Der Zusammenhang zwischen Chlamydia pneumoniae und einem schwereren Alzheimer-Verlauf ließ sich auch durch Laborversuche stützen. Eine Infektion mit den Bakterien führte sowohl bei menschlichen Nervenzellen als auch bei Mäusen mit Alzheimer zu stärkeren Entzündungen, einem vermehrten Absterben von Nervenzellen und einem schnelleren geistigen Abbau. Gleichzeitig regte die Chlamydien-Infektion die Bildung von Beta-Amyloid an, einem Eiweiß, das sich bei Menschen mit Alzheimer in Form von Plaques (einer Art Verklumpung) im Gehirn ablagert. Ergebnisse lassen auf neue Diagnose- und Therapieansätze hoffen "Diese Entdeckung eröffnet die Möglichkeit, die Infektions-Entzündungs-Achse gezielt zu nutzen, um Alzheimer zu behandeln", sagte Timothy Crother, Mitautor der Studie. Womöglich könnten nichtinvasive Untersuchungen der Netzhaut dabei helfen, die Erkrankung zu erkennen und den Verlauf zu überwachen. Denkbar wären zudem neue Therapien, die gezielt chronische Infektionen oder Entzündungen behandeln. Bis daraus konkrete Behandlungsmöglichkeiten entstehen, sind jedoch weitere Studien nötig.
Aus der Quelle lesen