RS-Viren kennen viele vor allem als Erreger von Atemwegsinfekten. Doch ein Infekt kann auch das Herz belasten. Warum Herzkranke besonders aufpassen sollten. Viele Menschen bringen das respiratorische Synzytial-Virus (RSV) vor allem mit Säuglingen und Kleinkindern in Verbindung. Denn sie erkranken besonders häufig daran, oftmals mit schwerem Verlauf. Doch auch Erwachsene können sich anstecken. Insbesondere für Ältere oder Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann die Infektion problematisch werden, da sie nicht nur die Lunge, sondern auch das Herz belasten kann. Zwar verläuft eine RSV-Infektion bei ansonsten gesunden Erwachsenen in der Regel mild und macht sich allenfalls als leichte Erkältung bemerkbar. Bei bestimmten Risikogruppen kann der Infekt jedoch schwer verlaufen. Dazu zählen vor allem: Menschen ab 60 Jahren mit einem geschwächten Immunsystem oder bestimmten Vorerkrankungen (etwa Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen, neurologischen Erkrankungen sowie Diabetes mellitus) Menschen ab 60 Jahren, die in einer Pflegeeinrichtung leben Menschen ab 75 Jahren (ohne Grunderkrankungen) Wie kann eine RSV-Infektion das Herz beeinflussen? Nicht jeder RSV-Infekt muss zu Herzproblemen führen. Atemwegsinfektionen belasten jedoch grundsätzlich den gesamten Körper, auch das Herz. Sie lösen im Körper Entzündungsreaktionen aus. Gleichzeitig steigt der Sauerstoffbedarf, während die Lunge durch den Atemwegsinfekt möglicherweise weniger Sauerstoff liefert. Für ein bereits geschwächtes Herz kann das eine große Belastung sein. Durch eine RSV-Infektion kann sich daher eine bereits bestehende Herzkrankheit verschlechtern oder das Risiko für verschiedene Herz-Kreislauf-Komplikationen erhöhen, etwa für: Herzrhythmusstörungen Herzschwäche (Herzinsuffizienz) Herzinfarkt oder Schlaganfall Herzmuskelentzündung Nach RSV-Infekt: Höheres Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass vor allem im ersten Jahr nach einer RSV-Infektion bei älteren Menschen das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich steigt. Und zwar in ähnlichem Ausmaß wie nach einer durchgemachten Grippe (Influenza). Besonders kritisch scheint dabei die Zeit direkt nach der Infektion zu sein, denn in den ersten Tagen bis Wochen ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse am höchsten. RSV-Infektion: Darum kann man immer wieder erkranken Schutz vor RSV: Was bringen Desinfektionsmaßnahmen? Herzkranke sollten daher bei und nach Atemwegsinfekten besonders aufmerksam sein, auch wenn nicht klar ist, ob es sich um RSV oder ein anderes Virus handelt. Stellen sich Beschwerden wie zunehmende Atemnot , Brustschmerzen, Herzstolpern , Herzrasen oder starke Erschöpfung ein, ist eine ärztliche Abklärung immer ratsam. RSV-Impfung: Für Menschen mit Herzerkrankungen wichtig Um die Risiken, die mit einer RSV-Infektion für chronisch Herzkranke einhergehen können, zu minimieren, ist eine Schutzimpfung zu empfehlen. Mit dieser kommt es bei RSV‑bedingten Atemwegserkrankungen seltener zu schweren Verläufen und Herz-Kreislauf-Komplikationen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt daher allen über 75-Jährigen sowie Menschen über 60, wenn diese an einer chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einer anderen schweren Grunderkrankung leiden oder in einer Pflegeeinrichtung leben, sich einmalig gegen RSV impfen zu lassen. Für einen optimalen Schutz sollte die RSV-Impfung im Herbst (am besten im September/Oktober) stattfinden. Fazit Eine RSV-Infektion kann vor allem bei älteren, herzkranken Personen ernsthafte Herz‑Kreislauf-Komplikationen auslösen, bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfall. Wer eine chronische Herzerkrankung hat, sollte Atemwegsinfekte ernst nehmen, Warnzeichen früh abklären und sich über die Möglichkeit einer RSV‑Impfung beraten lassen.