Stress macht krank: So schützen Sie sich vor den Folgen

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Es wird vermutet, dass bis zu 80 Prozent aller Hausarztkonsultationen auf irgendeine Weise mit Stress zusammenhängen. Höchste Zeit also für Stressbewältigung. Eigentlich ist Stress eine lebenserhaltende Erfindung der Evolution: Die Natur hat uns damit die Möglichkeit gegeben, in einer Kampf- oder Fluchtsituation angemessen zu reagieren und akute Bedrohungen zu überleben, und das seit nicht weniger als etwa drei Millionen Jahren. In einer Stresssituation laufen interessante Vorgänge ab: Stress unterdrückt Teile unserer Gehirnaktivität. Unsere Pupillen weiten sich, damit mehr Licht eindringt und wir besser sehen. Im Blut wird Zucker freigesetzt, weil wir vielleicht aktuell zusätzliche Energie für eine schnelle Flucht benötigen. Gleichzeitig reagieren Muskel- und Leberzellen weniger sensibel auf das Hormon Insulin, sodass schließlich noch mehr Zucker in unserem Blut herumströmt und nicht von den Zellen aufgenommen wird: Wir brauchen ihn auch dringend für unser Gehirn. Herzinfarktrisiko steigt Unser Herz schlägt schneller, unser Blutdruck steigt. So ist sichergestellt, dass wir uns schnell und effizient bewegen können. Unsere Konzentration erhöht sich, wir sind aufmerksam und aufnahmefähig. Sogar Libido und Verdauung werden für eine Weile abgeschaltet, damit nichts Unnötiges stört: Im Moment gibt es einfach Wichtigeres als den Schweinebraten im Magen oder die Vermehrung. Letzteres gilt auch für die Fibroblasten. Das sind Zellen, die unser Bindegewebe produzieren. Wer braucht schon eine straffe Haut, wenn es ums Überleben geht. Wenn die Fibroblasten langfristig an der Vermehrung gehindert werden, wird die Haut allerdings dünn, verletzlich und alt. Damit wir nicht verbluten, sollten wir uns bei der Flucht verletzen, erhöht die Stressreaktion (unter anderem über Katecholamine und Cortisol) die Gerinnungsneigung, damit eine Blutung schneller zum Stillstand kommt. Leider steigt dadurch aber auch das Thrombose-, Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko. Es geht um Leben und Tod Kurzfristig werden nicht einfach nur Immunzellen aus dem Knochenmark bereitgestellt, sie werden vor allem auch schneller mobilisiert und umverteilt. Dies geschieht, damit der Körper bei Verletzungen rasch eine kurzfristige Entzündungsreaktion auslösen kann, die die Heilungsprozesse beschleunigt. Akuter Stress kann Immunreaktionen vorübergehend sogar steigern. Chronischer Stress dagegen schwächt das Immunsystem, und es wird fehlgesteuert, weshalb Dauerstress immer mit einer erhöhten Infektneigung einhergeht. Stress spielt außerdem eine Schlüsselrolle bei Autoimmunerkrankungen, Schlaflosigkeit und Burn-out, ebenso bei psychischen Angststörungen und Depressionen. Dummerweise sind wir in unserer heutigen Gesellschaft von lauter Stresstriggern umgeben, die wir nicht mehr vollständig bewältigen können. Kontinuierlicher Stress macht krank und alt. Biologisch gefühlt, geht es hier immer um Leben und Tod. Auch deshalb hat die Weltgesundheitsorganisation Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts erklärt. So wird das Demenzrisiko gesenkt Stress kann zerstörerische Langzeiteffekte für unsere Gesundheit haben: Er trägt dazu bei, dass wir übergewichtig werden, was wiederum zu erhöhtem Blutdruck und zu Typ-2-Diabetes führen kann, zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfällen oder Alzheimer-Demenz. Man geht davon aus, dass sich die Zahl der an Demenz Erkrankten allein in den USA in den nächsten dreißig Jahren auf 15 Millionen verdreifachen wird. Eine bioidentische Hormonersatztherapie ab der Perimenopause/Menopause kann bei Frauen das Demenzrisiko vermutlich senken, weil das Nervensystem vor schädlichen Ablagerungen geschützt wird und die Gefäßgesundheit insgesamt profitiert. Zudem kann sie robuster machen gegen Stressgefühle in den Wechseljahren und danach. Die Hormone Pregnenolon und DHEA werden ebenfalls als Helfer für ein robustes Gehirn diskutiert. Man kann sie im Blut bestimmen und gegebenenfalls einnehmen. Das kann weitergegeben werden Forscher konnten außerdem nachweisen, dass die Telomere – die "Schutzkappen" an unseren Chromosomen – bei Menschen mit großem Arbeitsstress kürzer sind als bei anderen. Auch die Parkinson-Erkrankung, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs haben mit einer Verkürzung der Telomere zu tun und somit mit dem Altern. Schon der Gedanke an Stresssituationen lässt uns im wahrsten Sinne des Wortes graue Haare wachsen. Wer etwa Angst vor einer Pandemie ganz allgemein oder auch nur vor einem Vortrag in der Öffentlichkeit hat, altert schneller. Vorübergehend sind bei Stress sogar Seh- und Hörverluste möglich. Stress wirkt sich vor allem auf die Genregulation und epigenetische Muster aus, also darauf, wann Gene aktiv werden und wann nicht. Aus der Forschung weiß man, dass schwere Traumata als genetische Informationen über epigenetische Veränderungen an die Nachkommen weitergegeben werden können. Auch diese Krankheiten hängen mit Stress zusammen Weniger dramatisch, aber für jedermann sichtbar: Stress kann zu Ausbrüchen von Herpes an der Lippe führen, gemeinerweise geschieht das auch umgekehrt, beim Abfall von Stress. Deshalb zieren uns diese Bläschen sehr gerne genau dann, wenn der Urlaub beginnt. Auch Erkältungskrankheiten und Migräne hängen zuweilen mit diesem Wechsel von Stressphasen und Entspannung zusammen. Das Cortisol aus der Nebenniere aktiviert diverse Stoffwechselprozesse in unserem Körper, damit energiereiche Verbindungen für die akute Stressphase zur Verfügung gestellt werden. Dauert diese Stressphase allerdings an, kann Cortisol Diabetes begünstigen, vor allem deshalb, weil es einen Effekt auf unseren Kohlenhydrathaushalt hat. Es fördert die Zuckerproduktion in der Leber und stört damit die Wirkung von Insulin. Außerdem beeinflusst es den Fettstoffwechsel und den Eiweißumsatz. Muskulatur wird abgebaut. Ein unguter Stammplatz im Leben Zwar wird durch Cortisol auch der Fettspeicher reduziert, wenn das Fett dann jedoch nicht verbraucht wird, findet es sich ganz flott wieder am Bauch ein. Chronisch erhöhte Stresshormone begünstigen Appetit, Insulinresistenz und die Einlagerung von viszeralem Bauchfett, also Fett, das tief in der Bauchhöhle innere Organe wie Leber, Darm und Bauchspeicheldrüse umgibt. Cortisol stimuliert die Bauchspeicheldrüse, wo vermehrt Insulin freigesetzt wird. Die vermehrte Insulinausschüttung entsteht dabei vor allem als Reaktion auf den erhöhten Blutzucker. Typische Stressauslöser sind die tägliche gesellschaftliche Belastung und Überforderung, der Lärm der Großstädte oder die ständige Online-Verfügbarkeit. Wir schauen nicht mehr in die beruhigende Natur, sondern lieber aufs Display unseres Mobiltelefons. Schlechter Schlaf und Schnarchen mit Atemaussetzern, die ständig wiederkehrenden nächtlichen Erstickungsanfällen gleichkommen, steigern massiv die Ausschüttung von Stresshormonen. Eine Reduzierung von Übergewicht ist dann kaum mehr möglich, man gerät in einen Teufelskreis. Es gibt eine Vielfalt von Stress auslösenden Reizen (Stressoren) aus dem Bereich des Arbeitslebens, der Psyche, dazu körperlichen Stress, technologischen Stress, Lebensstress und andere mehr. Viele davon haben längst einen unguten Stammplatz in unserem Leben. Ziel ist ein ruhigerer Lebensstil Auf plötzlichen Lebensstress wie einen Trauerfall haben wir keinen Einfluss. Aber bei anderen Stressoren können wir ansetzen, sofern sie uns bewusst sind: Mancher ist so gefangen in seinem Hamsterrad, dass er gar nicht mehr erkennt, wodurch es angetrieben wird. Dann braucht es manchmal einen liebenden Partner oder gute Freunde, die einen darauf aufmerksam machen und gegebenenfalls zu einem Arztbesuch raten. Sie selbst können mit einer Ihrer Alters- und Gesundheitssituation angemessenen regelmäßigen körperlichen Betätigung gegensteuern. Auch Gehirntraining, Meditation und der Aufbau eines tragenden sozialen Netzwerks mit Freunden, Bekannten und Familie können helfen, Stress abzubauen und wieder zu einem ruhigeren Lebensstil zurückzufinden. Ab in den Wald Übrigens dienen Computerspiele nicht per se der Entspannung – sie jagen mitunter den Adrenalinpegel nach oben, ohne dass der Körper sich dabei bewegt, um ihn wieder absenken zu können. Gesundes Essen und ein regelmäßiger Tagesrhythmus mit festen Schlafenszeiten helfen ebenso beim Abbau der Überlastung wie "Wald- und Natur-Baden" (wissenschaftlich nachgewiesen). Atem- und Meditationsübungen (wer es kann) entspannen, ebenso ruhige Musik oder Klänge. Auch geistige Aktivität im Austausch mit anderen Menschen lenkt von Stress ab, wenn es dabei nicht gleich wieder um die Arbeit geht. Zeigen Sie dem Stress, dass erst mal Ruhe ist, und kommen Sie gesund durch die Zeit.
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