Thymian ist nicht nur ein Küchengewürz. Auch als Heilpflanze hat das Kraut eine lange Tradition und kommt vor allem bei Atemwegserkrankungen zum Einsatz. Bereits in der Antike war der Echte Thymian (Thymus vulgaris) wegen seiner gesundheitsförderlichen Wirkung bekannt und geschätzt. Auch heute noch greifen viele vor allem bei Atembeschwerden auf das traditionelle Heilmittel zurück. Die Wirkstoffe der Thymianpflanze sind Bestandteil vieler pflanzlicher Arzneimittel, um etwa bei Husten die Symptome zu lindern. Ihre entzündungshemmende, schleimlösende Wirkung hat sich in der Volksheilkunde bewährt, die Studienlage zur medizinischen Heilkraft von Thymian ist jedoch dünn. Thymian: Herkunft, Wachstum und Ernte Der Echte Thymian ist auch unter der Bezeichnung Gartenthymian bekannt und zählt zur Familie der Lippenblütler. Der kleine, unten verholzende Halbstrauch stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und erreicht eine Höhe von etwa 20 bis 40 Zentimetern. Die 8 bis 12 Millimeter großen graugrünen Blätter sind an der Unterseite filzig behaart und an den Rändern leicht eingerollt. Je nach Sorte blüht die Pflanze weiß, rosa oder blassviolett. Der Echte Thymian ist vor allem in Eurasien und Nordafrika verbreitet. In Deutschland kommt Echter Thymian wild wachsend normalerweise nicht vor. Hierzulande ist er vor allem als Kulturpflanze in Kräutergärten oder auf dem Balkon als Topfpflanze anzutreffen. Die Pflanze gedeiht am besten an geschützten, sonnigen und warmen Standorten. Der Boden sollte nährstoffarm, mäßig trocken, durchlässig und idealerweise kalkhaltig sein. Thymian ist pflegeleicht und benötigt als mediterrane Pflanze nur wenig Wasser. Auch längere Trockenperioden übersteht die Pflanze problemlos. Frischer Thymian kann das ganze Jahr über geerntet werden. Kurz vor der Blütezeit zwischen Mai und Oktober ist das Aroma der Blätter besonders intensiv. Wer die Zweige trocknen möchte, kann sie als Bündel an einem warmen, schattigen Ort aufhängen und nach zwei bis vier Wochen abnehmen. Zum Aufbewahren eignet sich eine Frischhaltedose im Kühlschrank. Inhaltsstoffe und Wirkung von Thymian Der wichtigste Inhaltsstoff in Thymian ist sein ätherisches Öl, bestehend unter anderem aus den Komponenten Thymol und Carvacrol. Darüber hinaus enthalten die Blüten und Blätter der Pflanze Flavonoide und Gerbstoffe. Das ätherische Öl hat antiseptische Eigenschaften und soll das Wachstum von Keimen hemmen. Den Inhaltsstoffen von Thymian wird eine krampf- und schleimlösende Wirkung zugeschrieben. Daher enthalten viele Hustenmittel Thymianextrakte. Gemäß der Kommission E, einer wissenschaftlichen Kommission von Sachverständigen für pflanzliche Arzneimittel, kann Thymiankraut zur Linderung der Symptome bei Erkältungen (Katarrhen der oberen Luftwege), Bronchitis und Keuchhusten eingesetzt werden. Zu dieser Einschätzung kommt auch der Europäische Dachverband nationaler Fachgesellschaften für Phytotherapie (ESCOP). Honig gegen Husten: Was das Hausmittel bringt Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) dagegen attestiert dem Thymiankraut aufgrund fehlender aussagekräftiger Studien nur den "traditionellen Gebrauch" bei erkältungsbedingtem Husten. Das bedeutet, dass die Wirkung zwar nicht wissenschaftlich erwiesen ist, sich aber durch langjährige Erfahrung bestätigen lässt. Die Volksmedizin verwendet das Heilkraut auch bei Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, vor allem bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit. Ebenfalls soll Thymian als Badezusatz bei Hauterkrankungen den Juckreiz lindern. Doch auch hierfür gibt es keine wissenschaftlichen Nachweise, sondern nur Erfahrungswerte. Anwendung, Nebenwirkungen und Gegenanzeigen Als pflanzliches Arzneimittel kann Thymian in Form von Säften, Tropfen, Pastillen und Dragees eingenommen werden. Die ätherischen Öle der Pflanze werden aber auch als Badezusatz, in Salben und Mundwässern verwendet. Bei äußerlicher Anwendung von Thymianöl ist darauf zu achten, dass es niemals in direkten Kontakt mit den Schleimhäuten oder mit den Augen gerät. Wer überempfindlich auf Thymian oder andere Lippenblütler (etwa bei einer Allergie gegen Birken- oder Beifußpollen oder einer Sellerieallergie) reagiert, sollte von einer Einnahme absehen. Frauen, die schwanger sind oder stillen, sollten immer erst einen Arzt fragen, bevor sie zu Thymianextrakten greifen. Denn mögliche Risiken für Mutter und Kind sind bislang nicht gut untersucht. Zubereitung als Tee: Was ist zu beachten? Thymiantee ist wohltuend und besitzt ein würziges Aroma. Als Erkältungs- oder Bronchialtee wird er in Drogerien und Apotheken als Fertigprodukt in Beuteln oder auch lose zum Abwiegen angeboten. Für die Zubereitung ein bis zwei Gramm Thymiankraut (Thymi herba) pro Tasse mit heißem Wasser übergießen und abgedeckt einige Minuten ziehen lassen. So können die ätherischen Öle der Pflanze nicht entweichen. Verwendung von Thymian als Küchenkraut Das mediterrane Kraut erfreut sich auch in der Küche großer Beliebtheit und verleiht Gerichten mit Fleisch, Fisch und Gemüse eine würzige Note. Ob frisch, getrocknet, tiefgefroren oder gemahlen: Thymian sorgt in vielen Speisen für ein mediterranes Aroma und soll bei schweren Gerichten die Verdauung unterstützen. Das Kraut ist fester Bestandteil der berühmten Kräuter der Provence und findet auch in Kräuterlikören Verwendung. Thymian besitzt einen intensiven Geschmack und eine starke Würzkraft. Diese ist bei der getrockneten Variante höher als bei den frischen Kräutern. Beim Kochen sollte es daher sparsam dosiert werden. Für ein besonders starkes Aroma sollte man das getrocknete Gewürz am besten zu Beginn des Kochvorgangs hinzufügen. So kann es den Geschmack gut entfalten.