Tinnitus: Was Kiefer und Zähne damit zu tun haben

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Tinnitus kann für Betroffene sehr belastend sein. Die Ursachen sind oft vielfältig. Manchmal sind die Ohrgeräusche auf Probleme im Mund zurückzuführen. Tinnitus kann verschiedene Auslöser haben. Was vielen unbekannt ist: Die belastenden Ohrgeräusche können ihren Ursprung in Zahnfehlstellungen, Kieferfehlstellungen, Verspannungen der Kiefermuskulatur sowie Zähneknirschen und Zähnepressen haben. Tinnitus – ein häufiges Problem Viele Menschen sind von Ohrgeräuschen betroffen. Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit zufolge haben etwa 5 bis 15 Prozent aller Erwachsenen irgendwann länger andauernde Ohrgeräusche. Häufig verschwindet der Tinnitus von selbst wieder. Manchmal bleibt er dauerhaft bestehen. Laut der Deutschen Tinnitus Liga e. V. (DTL) bekommen jährlich etwa 250.000 Deutsche einen chronischen Tinnitus. Rund 1,5 Millionen Menschen hierzulande leiden den Experten zufolge sehr unter ihren Ohrgeräuschen. Nicht nur Lärm ist kritisch – häufige Tinnitus-Auslöser Lärm ist der häufigste Auslöser für Tinnitus. Lärm kann die Sinneszellen der Hörschnecke im Innenohr schädigen. Dann können sie die Signale nur noch unzureichend oder gar nicht mehr an das Gehirn weiterleiten. Die Nervenzellen im Hörzentrum des Gehirns reagieren irritiert. Es kommt zu Fehl- und Phantomgeräuschen. Weitere mögliche Auslöser für Ohrgeräusche sind: Schwerhörigkeit geplatztes Trommelfell Hörsturz chronische Mittelohrentzündung Verstopfung des Gehörgangs mit Ohrenschmalz Otosklerose: eine Knochenerkrankung im Mittel- und Innenohr, die zu Hörverlust führt Menière-Krankheit: eine Erkrankung des Innenohrs, die sich durch Tinnitus, Schwindel und Hörverlust äußert Bluthochdruck Medikamente, etwa bestimmte Antibiotika oder Krebsmedikamente intensive Stresszustände Probleme mit den Kiefermuskeln oder dem Kiefergelenk Wie hängen Kiefer und Zähne mit Tinnitus zusammen? Es ist möglich, dass Ohrgeräusche bei Menschen mit Zahn- und Kieferfehlstellungen, Verspannungen der Kiefermuskulatur sowie Zähneknirschen und Zähnepressen auftreten. Laut der Tinnitus-Liga e. V. berichten Patienten immer wieder, dass sie durch Anspannung der Kaumuskeln beim Essen, aber auch durch nächtliches Knirschen und Pressen mit den Zähnen einen Tinnitus erzeugen oder einen bestehenden Tinnitus verstärken. Auch nach Zahnarbeiten tritt mitunter Tinnitus auf – direkt nach der Behandlung als Folge des lange geöffneten Mundes, teilweise aber auch erst Wochen später, etwa nach dem Einsetzen einer Krone. Viele Betroffene berichten von einer Verbesserung der Symptomatik, sobald die Prothese korrigiert oder ausgewechselt wird. Wenn Tinnitus und Kieferprobleme zusammenhängen Dass Kiefer- und Zahnprobleme zu Ohrgeräuschen führen können, erklären die Tinnitus-Experten folgendermaßen: Zum einen liegen das Kiefergelenk und das Ohr anatomisch sehr nah beieinander. Zum anderen ist das Kiefergelenk durch Nervenverbindungen und Blutgefäße sowie durch Funktionen der Halswirbelsäule mit dem Ohr verbunden. Wissenschaftlich sind die genauen Zusammenhänge zwischen Ohrgeräuschen und Störungen im Bereich der Kiefergelenke und der Kiefermuskulatur noch nicht abschließend geklärt. Es ist aber bekannt, dass eine Verbindung zwischen dem Kausystem und der akustischen Verarbeitung im Gehirn besteht. Störungen in diesem sensiblen Informationssystem können akustische Fehlermeldungen zur Folge haben. Wie eine gestörte Kaufunktion auf das Ohr wirken kann Es ist beispielsweise möglich, dass sich eine Kaufunktionsstörung, eine sogenannte craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), auf das Ohr auswirkt und Ohrgeräusche begünstigt. Stimmt etwa die Lage von Kiefergelenkgrube und Kiefergelenkköpfchen nicht, kann das Gelenkköpfchen des Unterkiefers nach hinten gegen die Wand des Mittelohres stoßen – was als Geräusch wahrnehmbar wird. Auch wenn die Zähne nicht richtig ineinandergreifen oder wenn die Kiefergelenke nicht in der richtigen Position sind, kann sich das auf die umgebenden Strukturen auswirken – was auch das Gehör irritieren kann. Hinweise, dass der Tinnitus aus dem Mundbereich kommt Es gibt verschiedene Hinweise darauf, dass der Tinnitus seinen Ursprung im Mundbereich hat. So variieren die Geräusche oftmals, sind nicht dauerhaft vorhanden und verändern sich beispielsweise beim Kauen. Mediziner sprechen von stomatognathogenem Tinnitus, wenn sich die Geräusche im Ohr durch Zubeißen, starkes Gähnen oder Verschieben des Unterkiefers manipulieren lassen. Auch können die Ohrgeräusche variieren und mal in einem Ohr und dann wieder beidseitig auftreten. Nicht selten berichten Betroffene zudem von wiederkehrenden Kopfschmerzen, Kieferschmerzen , Gesichtsschmerzen, Nackenverspannungen und Schwindel. Was können Betroffene tun? Besteht der Verdacht, dass die Ursache des Tinnitus im Bereich des Mundes liegt, braucht es tiefergehende Untersuchungen. Die Deutsche Tinnitus-Liga rät Betroffenen, ergänzend zu einem HNO-Arzt auch einen erfahrenen Zahnarzt aufzusuchen, der sich mit den Einflüssen des craniomandibulären Systems auskennt und gezielte Funktionsuntersuchungen durchführen kann. Beispielsweise untersucht der Spezialist die Spannungsverhältnisse der Kaumuskulatur sowie die Funktion des Kiefergelenks in der Bewegung. Bei Verdacht auf Tinnitus durch Kieferprobleme rasch handeln Wichtig ist den Experten zufolge, dass die Beseitigung der störenden Fehlfunktion so schnell wie möglich erfolgt. Die ersten zahnärztlichen Maßnahmen sollten innerhalb der ersten Woche nach dem Auftreten der Ohrgeräusche erfolgen. Je früher gehandelt wird, desto besser sind die Therapiechancen. Akuter Tinnitus kann chronisch werden Ist ein Tinnitus durch eine Fehlfunktion des craniomandibulären Systems entstanden und durch Nichterkennen im akuten Stadium chronisch geworden, kann es sein, dass zahnärztliche oder kieferorthopädische Maßnahmen nicht mehr den gewünschten Erfolg zeigen. Das ist laut den Experten darauf zurückzuführen, dass das Gehirn die falschen Informationen irgendwann speichert – und diese abruft, selbst wenn die Ursache längst beseitigt ist. Phantomgeräusche entstehen. Dann zielt die Behandlung darauf ab, den Tinnitus abzumildern und einer weiteren Zunahme der Ohrgeräusche entgegenzuwirken.
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