Was bedeutet eine Prostata-OP für die Sexualität? Experte ordnet ein

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Eine Prostata-OP kann lindern oder heilen, aber auch die Sexualität dauerhaft verändern. Ein Experte erklärt, worauf sich Betroffene einstellen müssen. Viele Männer stehen irgendwann vor der Entscheidung, ob sie sich einer Prostata-OP unterziehen sollen oder nicht. Grund können etwa Probleme beim Wasserlassen und sonstige Beschwerden infolge einer gutartig vergrößerten Prostata sein, die mit zunehmendem Alter immer häufiger auftreten: Bis zu 70 Prozent aller über 70-jährigen Männer sind davon betroffen. Zudem kann eine Prostata-OP zur Therapie von Prostatakrebs infrage kommen: Rund 40 Prozent aller Männer erkranken im Laufe des Lebens an dieser Krebsart, wobei ein Großteil der Betroffenen gute Chancen auf ein langes Überleben ohne Rückfälle hat. Doch unabhängig von ihrem Anlass bedeutet eine Prostata-OP immer einen Einschnitt mit teils dauerhaften Folgen: vom stummen Samenerguss bis hin zu Erektionsproblemen. Dabei spielt die Art des Eingriffs eine große Rolle. Axel Merseburger von der Deutschen Gesellschaft für Urologie erläutert dies anhand eines ungewöhnlichen Vergleichs. Blasenentzündung: Beim Mann kann die Prostata schuld sein Prostatakrebs: Pflaster zur vereinfachten Antihormontherapie? Krebsrisiko senken: Das können Männer für ihre Prostata tun Fall 1: Es werden Teile der Prostata ausgeschabt Man müsse sich die Prostata wie eine Apfelsine vorstellen: Bei gutartigen Vergrößerungen werde oft nur innen das Fruchtfleisch herausgeschält. Da passiere nichts mit der Sexualität, weil die Nerven außen an der Schale liegen. "Bei diesen Operationen kommt es in der Regel auch nicht zu Inkontinenz und auch nicht zu einer Erektionsproblematik", sagt der Urologe . Was allerdings passieren kann, wenn Teile der Prostata entfernt werden: Die Ejakulation bleibt danach aus. Dann habe man nur noch einen "stummen Samenerguss", sagt Merseburger. Denn einen Orgasmus kann man weiterhin haben. "Was gleich bleibt, ist die Lust. Wenn die vorher nicht da war, wird sie nicht besser", sagt er und fügt an: "Aber sie wird auch nicht schlechter durch diese Art OP." Fall 2: Die Prostata wird komplett entfernt Bei Prostatakrebs wird hingegen oft die gesamte Drüse operativ entfernt. Um im bildlichen Vergleich zu bleiben: Die ganze Apfelsine inklusive der Schale ist weg – und damit manchmal auch Nervenverbindungen, die für Erektionen wichtig sind. "Es kommt hier darauf an, ob nervenschonend operiert wurde und wie fit der Mann ist", sagt Axel Merseburger. Entsprechend kann die Erektionskraft dann manchmal eingeschränkt oder auch ganz verschwunden sein. Was dann helfen kann: Medikamente wie sogenannte PDE5-Hemmer, zu denen auch Viagra zählt, aber auch Penisprothesen. Das sind Implantate, die in den Penis eingesetzt werden und oft mittels eines Pumpmechanismus eine Erektion ermöglichen. Der Samenerguss ist – anders als bei Ausschabungen, wo das nicht passieren muss – nach der vollständigen Entfernung der Prostata immer trocken, die Fruchtbarkeit verloren. Der Orgasmus könne sich manchmal anders anfühlen: kürzer oder weniger intensiv, aber das sei individuell ganz unterschiedlich. Die Libido werde durch die OP an sich meist nicht beeinträchtigt, sagt der Urologe. Aber es sei manchmal die gesamte Situation, die dazu beitragen kann, dass sie schwindet. "Da hat der Mann eine Krebsdiagnose, Nebenwirkungen, Angst. Und das kann die Lust verändern."
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