Wundheilung im Faktencheck: Pflaster oder Luft? Fünf Mythen im Check

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Wie heilen kleine Hautverletzungen am besten – mit Pflaster oder ohne? Fünf häufige Mythen rund um die Wundheilung unter der Lupe. Ein Kratzer bei der Gartenarbeit, ein Schnitt beim Brotschneiden oder eine Schürfwunde beim Sport: Kleine Verletzungen passieren schnell. Nach ein paar Tagen heilen die Wunden meist komplikationslos von selbst ab. Der Körper verfügt über gute Reparaturmechanismen. Welche Pflege unterstützt die Wundheilung – und was schadet? Fünf Wund-Mythen im Check. Wund-Mythos 1: Kleine Wunden brauchen kein Pflaster Hartnäckig hält sich der Mythos, dass kleine Wunden kein Pflaster benötigen. Und ja, kleine Verletzungen heilen auch an der Luft. Trotzdem empfehlen Dermatologen, ein Pflaster zu benutzen. Auch, wenn Pflaster oft umständlich und störend sind – beispielsweise an den Händen – erfüllen sie doch einen wichtigen Zweck: Sie schützen die Wunde vor Schmutz und Keimen, puffern Stöße ab und verhindern Reibung. Hinzu kommt: Trockene Wunden heilen schlechter. Ein feuchtes Milieu hingegen unterstützt die Wundheilung. Nach Verletzung: Wie lange braucht eine Wunde zum Heilen? Nachdem die Wunde gereinigt und mit einem Wunddesinfektionsmittel desinfiziert ist und nicht mehr blutet, kann man ganz dünn eine antiseptische Wundcreme auftragen. Diese schützt und befeuchtet die Wunde, wirkt gegen Keime, unterstützt die Wundheilung und verhindert, dass das Pflaster an der Wunde anhaftet. Wichtig: Das Pflaster regelmäßig wechseln und im Rahmen der Wundversorgung auch die Wundcreme oder das Wundgel erneut anwenden. Dabei die Creme nicht zu dick auftragen, damit die Haut atmen kann und sich keine okklusive Schicht bildet, unter welcher die Haut aufweicht. Tipp: Schnittwunden heilen besser, wenn die Wundränder eng aneinander liegen. Ein Pflaster ist hier eine gute Hilfe und schützt die Haut zugleich vor einem erneuten Einreißen. Wund-Mythos 2: Pflaster sind ein Keimrisiko Viele Menschen haben Sorge, dass Pflaster ein Keimrisiko darstellen und verzichten auf den Wundschutz. Bei einer sorgfältigen Wundpflege ist diese Sorge unbegründet. Im Gegenteil: Richtig angewendet senken Pflaster das Keimrisiko, statt es zu erhöhen. Sie bilden eine schützende Barriere vor Schmutz und Bakterien. Vor allem die Hände kommen mit vielen Oberflächen, Materialien und meist auch anderen Händen in Kontakt. Eine offene Wunde ist eine Eintrittspforte für Erreger – das Risiko für Infektionen steigt. Problematisch ist es dann, wenn das Pflaster nicht regelmäßig gewechselt wird, nass oder schmutzig ist oder die Haut darunter aufweicht. Das regelmäßige Wechseln des Pflasters hat zudem den Vorteil, dass man die Wundheilung im Blick behält. Zeigt die Wunde Anzeichen einer Entzündung, sollten Betroffene eine dermatologische Praxis aufsuchen. Anzeichen für eine Wundinfektion sind Rötung, Überwärmung, Schwellung sowie Eiter. Auch bei starken Schmerzen sollte ein Arzt oder eine Ärztin kontaktiert werden. Wund-Mythos 3: Speichel wirkt desinfizierend Die Wunde zur Desinfektion ablecken – dieser Wund-Tipp gehört ebenfalls in das Reich der Mythen. Wer sich verletzt und frisches Wasser zur Wundreinigung zur Verfügung hat, sollte dieses immer bevorzugen. Speichel enthält jede Menge Erreger, die eine Entzündung der Wunde begünstigen können. Obwohl Speichel antimikrobielle Bestandteile besitzt, reicht das klinisch nicht aus, um eine Wunde sicher zu desinfizieren. Das gilt übrigens auch für Urin. Der Tipp "Einfach über die Wunde pinkeln – das desinfiziert" ist keine gute Idee. Bei Ausflügen ergänzend zu Wasser am besten immer auch eine kleine Notfalltasche mit Pflastern, Mullbinden, Wundauflagen und Wunddesinfektionsspray dabeihaben. Ist Schmutz in die Wunde gelangt, der sich nicht ausspülen lässt, sollte ein Arzt aufgesucht und die Wunde professionell gereinigt werden. Wichtig: Im Impfpass nachschauen, ob die Tetanus-Impfung noch Schutz bietet und gegebenenfalls auffrischen – das gilt auch nach Tierbissen. Wund-Mythos 4: Juckt die Wunde, heilt sie gut Eine juckende Wunde wird oft positiv betrachtet. Und es stimmt: Während des Heilungsprozesses ist es nicht ungewöhnlich, dass die Wunde juckt. Das hat verschiedene Ursachen: Ausgeschüttete Entzündungsbotenstoffe wie Histamin und Prostaglandine sensibilisieren Nervenfasern. Krustenbildung trocknet die Haut aus und lässt diese spannen – was die Haut reizen und Juckreiz verursachen kann. Regenerieren sich verletzte Nervenfasern, kann Juckreiz oder ein leichtes Kribbeln entstehen. Aber Achtung: Juckreiz kann auch auftreten, wenn eine Kontaktallergie auf Pflasterkleber, Desinfektionsmittel oder Salben auftritt. Aufmerksamkeit ist geboten, wenn zum Juckreiz Warnzeichen hinzukommen, wenn sich die Wunde etwa rötet, sehr warm wird, pocht oder weißliches Sekret absondert. Dann sollte die Wunde von einem Arzt begutachtet werden. Das sind Hinweise auf eine Infektion. Wund-Mythos 5: Je tiefer die Wunde, desto stärker schmerzt sie Auch das ist ein Mythos. Die Intensität des Wundschmerzes hat nichts mit der Tiefe der Wunde zu tun. Eine tiefe Schnittwunde schmerzt oft weniger als eine oberflächliche Schürfwunde. In der Oberhaut liegen besonders viele Nervenenden. Je mehr Nervenenden freigelegt und verletzt sind, desto stärker ist der Wundschmerz. Schnittwunden hingegen betreffen in der Regel weniger Nervenendigungen an der Oberfläche. Zudem ist eine Schürfwunde mehr Luft, Reibung und Austrocknung ausgesetzt als eine Schnittwunde. Wann mit einer Verletzung zum Arzt gehen? Egal, ob Schürfwunde oder Schnittwunde: Mit einer Hautverletzung sollten Betroffene ärztliche Hilfe suchen, wenn: die Wunde durch ein Tier entstanden ist (hohe Infektionsgefahr). die Wunde groß, klaffend oder tief ist. die Wunde stark blutet. die Blutung nicht zu stoppen ist. Schmutz in die Wunde gelangt ist, der sich nicht ausspülen lässt. kein Impfschutz gegen Tetanus besteht oder man unsicher ist, was den Impfschutz angeht. die Wunde pocht, gerötet ist, eitert oder schmerzt. die Wunde in der Nähe der Augen oder im Bereich der Genitalien ist. sich nach einem Schnitt in den Finger dieser nicht mehr richtig bewegen lässt oder sich taub anfühlt. Fieber auftritt. Damit die Wunde gut heilen kann, sollte man nicht an ihr kratzen, mechanische Reibung vermeiden, auf eine gute Wundhygiene achten und die Wunde nicht austrocknen lassen. Auch der Wundschorf sollte von selbst abfallen. Je länger das neue Gewebe unter der schützenden Schicht ist, desto besser kann es sich entwickeln und desto geringer ist das Risiko für Narbenbildung.
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