Wundheilung: Weshalb Wunden bei Stress langsamer heilen

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Stress verlangsamt die Wundheilung. Warum das so ist und welche Maßnahmen die Regeneration der Wunde fördern können. Stress kann jede Phase der Wundheilung stören – von der frühen, keimabwehrenden Entzündung bis zur Gewebeerneuerung. Vor allem chronischer Stress wirkt sich ungünstig auf die Heilungsprozesse aus, da er das Immunsystem, die Hormonbildung und das persönliche Verhalten beeinflusst. Wie Stress auf die Wunde wirkt und was die Heilung unterstützen kann. Wie funktioniert die Wundheilung Die Wundheilung läuft in vier ineinander übergehenden Phasen ab. In der exsudativen Phase wird das Immunsystem aktiv. Entzündungsprozesse zur Keimbekämpfung werden eingeleitet. Ebenso kommen Prozesse zur Blutstillung in Gang und Wundsekret wird gebildet. In der resorptiven Phase steht die Reinigung der Wunde von abgestorbenem Gewebe und Bakterien durch Fresszellen, sogenannte Makrophagen, im Fokus. Wachstumsfaktoren werden aktiviert, darunter solche für die Gefäßneubildung. In der proliferativen Phase (Granulationsphase) entstehen neue Blutgefäße und neues Bindegewebe. Ziel ist, die Wunde mit neuem Gewebe vollständig zu bedecken. In der reparativen Phase (Epithelisierung) regeneriert sich die Hautoberfläche und die Wunde schließt sich. Diese Phase kann mehrere Monate dauern. Nach etwa drei Wochen hat eine Hautnarbe ungefähr 20 Prozent der Reißfestigkeit von normaler Haut erreicht. Wundheilung: Wie lange juckt eine Wunde Stress stört die Phasen der Wundheilung Jede dieser Phasen braucht ein bestimmtes Zusammenspiel von Immunzellen, Botenstoffen, Sauerstoff, Nährstoffen und Gefäßen. Anhaltender, starker Stress stört dieses Zusammenspiel und dämpft beispielsweise die frühe, kontrollierte Entzündungsantwort des Immunsystems, hemmt im weiteren Verlauf die Bildung von neuem Zellgewebe und erhöht das Infektionsrisiko. Stresshormone unterdrücken das Immunsystem Während akuter Stress, der Minuten bis Stunden andauert, einzelne Immunfunktionen sogar vorübergehend hochfahren kann, bewirkt chronischer Stress das Gegenteil. Zirkulieren anhaltend zu viele Stresshormone im Körper – darunter Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol – wirken diese immunsuppressiv. Das führt unter anderem dazu, dass die Zellkommunikation ungünstig beeinflusst wird und in Folge etwa das Gleichgewicht zwischen pro- und antientzündlichen Signalen gestört ist und Reparaturprogramme nicht normal ablaufen können. Nach Verletzung: Wie lange braucht eine Wunde zum Heilen So wirkt Stress auf die Wunde Chronischer Stress kann sich auf verschiedene Weise auf die Wundheilung auswirken: Stress schwächt die frühe, keimkontrollierende Entzündung zur Keimabwehr in der Wunde. Stress verzögert den Übergang sowie die Prozesse der Aufbau- und Umbauphasen. Stress verengt die Gefäße, was die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung im Wundgebiet verschlechtert. Stress schwächt die Keimabwehr; das Risiko für Infektionen und Komplikationen steigt. Stress kann das Schmerzempfinden erhöhen. Ungesunde Gewohnheiten wirken auf die Wundheilung Hinzu kommt, dass gestresste Menschen oft einen ungesunden Lebensstil haben. Zu den Faktoren, welche die Wundheilung negativ beeinflussen können, gehören etwa: Schlafmangel ungesunde Ernährung Rauchen Alkohol Schlafmangel schwächt das Immunsystem Chronischer Stress verschlechtert den Schlaf. Im Schlaf finden wichtige Reparaturmechanismen statt. Zu wenig Schlaf verlangsamt die Wundheilung. Schlafmangel schwächt das Immunsystem, stört Immunfunktionen, hemmt die Zellregeneration und fördert Entzündungsprozesse. Das beeinträchtigt alle Heilungsphasen – von der frühen Entzündung bis zur Gewebeerneuerung – und erhöht das Risiko für Infektionen und eine schlechte Narbenbildung. Ungesunde Ernährung wirkt ungünstig auf die Wundheilung Für den Wundheilungsprozess braucht der Körper Energie und Nährstoffe. Besonders eine ausreichende Zufuhr von Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen ist für die Zellbildung und die Immunabwehr bedeutsam. Fehlen dem Körper wichtige Bausteine, heilt die Wunde langsamer. Auch das Risiko für eine Infektion kann zunehmen. Wer sich gesund und ausgewogen ernährt, unterstützt die verschiedenen Wundheilungsphasen. Rauchen hemmt die Wundheilung Auch Rauchen beziehungsweise die in Tabak enthaltenen Giftstoffe verzögern die Wundheilung. Nikotin beispielsweise verengt die Blutgefäße, fördert Entzündungsprozesse und verschlechtert die Sauerstoffversorgung des Gewebes. Wunden von Rauchern heilen deutlich langsamer als Wunden von Nichtrauchern. Dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zufolge haben Raucher in Abhängigkeit von der Höhe ihres Zigarettenkonsums ein rund dreimal so hohes Risiko für eine verzögerte Wundheilung wie Nichtraucher. Bei ihnen treten nach Operationen nicht nur Wundinfektionen sowie ein erneutes Öffnen der Wunde häufiger auf, sondern auch das Risiko für das Absterben von Gewebe (Wundnekrose) sowie das Thromboserisiko sind den Experten zufolge erhöht. Ein Rauchstopp lohnt sich also, auch für die Gesundheit im Allgemeinen. Was Alkohol mit Wunden macht Alkohol wirkt sich ebenfalls ungünstig auf die Wundheilung aus. Alkohol schwächt die Immunabwehr, verschlechtert die Sauerstoff- und Blutversorgung des Gewebes, stört die Gewebeneubildung und erhöht das Infektionsrisiko. Die Heilung verlangsamt sich, es können auffällige Narben zurückbleiben und Komplikationen auftreten. Wer die Wundheilung unterstützen möchte, sollte auf Alkohol verzichten. Wundheilung verbessern – fünf Tipps Stressreduzierende Maßnahmen und ein gesunder Lebensstil stellen eine sinnvolle Ergänzung zu einer guten Wundversorgung und Wundpflege dar. Die folgenden fünf Tipps können dazu beitragen, die Wundheilung positiv zu unterstützen: Stress lindern: Welche Möglichkeiten gibt es, Stressoren im beruflichen und privaten Umfeld zu lindern Welche Methoden können helfen, den Körper zu entspannen Beispielsweise können Entspannungs- und Achtsamkeitsverfahren hilfreich sein. Schlaf verbessern: Sieben bis neun Stunden Schlaf sollten dem Körper zur Verfügung stehen. Feste Schlafenszeiten, eine ruhige und dunkle Schlafumgebung sowie für die Dauer der Wundheilung der Verzicht auf Sport, Kaffee, Alkohol, große Essensmengen und Bildschirmlicht in den Abendstunden unterstützen einen gesunden Schlaf. Auf eine gesunde Ernährung achten: Der Körper braucht ausreichend Protein und Nährstoffe für die Wundheilung. Gute Eiweißquellen sind mageres Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, Eier, Milchprodukte, Nüsse und Sojaprodukte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfiehlt Erwachsenen eine tägliche Proteinzufuhr von 0,8 bis 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit reichlich Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und ungesättigten Fetten versorgt den Körper mit wichtigen wundheilungsfördernden Nährstoffen, darunter Vitamin C, Vitamin A, Selen und Zink. Auf Zigaretten verzichten: Schon wenige rauchfreie Wochen vor operativen Eingriffen und der Rauchverzicht während der Heilungsphase verbessern die Wundheilung. Der Rauchstopp kann ärztlich begleitet sein, etwa durch spezielle Entwöhnungsprogramme und Nikotinersatz. Alkohol vermeiden: Wer dem Körper das Zellgift erspart, trägt einen wichtigen Teil zur Wundheilung bei. Ebenso wichtig ist es, bestehende Grunderkrankungen zu behandeln, beispielsweise einen Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Durchblutungsstörungen. Bei einer verzögerten Wundheilung oder wenn die Wunde Anzeichen einer Infektion zeigt, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen.
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