Abnehmmittel helfen beim Gewichtsverlust, aber oft nur vorübergehend. Eine neue Studie zeigt: Wer die Behandlung beendet, nimmt im Schnitt deutlich schneller wieder zu als nach Diätprogrammen. Ob moderne Abnehmspritzen wie Ozempic und Wegovy oder ältere Substanzen wie Orlistat oder Fenfluramin: Immer mehr Menschen setzen auf Abnehmmedikamente, um Gewicht zu verlieren. Nach Angaben eines Reports der Krankenkasse Barmer von 2025 hat sich die Anzahl der Therapien mit Abnehmspritzen in Deutschland zwischen 2020 und 2024 in etwa verdoppelt. Der Erfolg scheint dabei zunächst groß zu sein. Doch eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit der Universität Oxford zeichnet ein ernüchterndes Bild: Nach dem Absetzen der Medikamente geht das Gewicht in der Regel schnell wieder nach oben – schneller als nach klassischen Diät- und Bewegungsprogrammen. Die Studie wurde kürzlich im "British Medical Journal" veröffentlicht. Gewicht nach 18 Monaten wieder zurück Für die Übersichtsarbeit analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 37 Studien mit insgesamt 9.341 übergewichtigen oder stark übergewichtigen (adipösen) Erwachsenen. Diese hatten im Durchschnitt 39 Wochen lang ein Medikament zur Gewichtsreduktion erhalten, darunter auch moderne GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid (in Ozempic und Wegovy), Liraglutide (in Saxenda) oder Tirzepatid (in Mounjaro). Nach dem Absetzen der Medikamente wurden die Teilnehmenden durchschnittlich weitere 32 Wochen lang beobachtet. Diabetes, Fettleber und Co. : Neuer Test zeigt, wie gesund Ihr Stoffwechsel ist Die Ergebnisse zeigen: Etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten setzt die Medikamente innerhalb eines Jahres wieder ab, was den Studienautoren zufolge an weitverbreiteten Nebenwirkungen wie Übelkeit oder den hohen Kosten liegen könnte. Pro Monat nahmen die Probanden im Schnitt wieder um 0,4 Kilogramm zu. Bei den neuen Wirkstoffen wie Semaglutid und Tirzepatid fiel der Rückfall mit durchschnittlich 0,8 Kilogramm Gewichtszunahme pro Monat sogar noch deutlicher aus. Die Forschenden schätzen, dass bei diesem Tempo das Ausgangsgewicht nach rund 18 Monaten wieder erreicht ist. Rückfall schneller als nach normalen Diätprogrammen Besonders auffällig: Im Vergleich zu verhaltensorientierten Programmen – etwa Diäten oder Bewegungsangeboten – verlief die Gewichtszunahme nach dem Ende der medikamentösen Behandlung deutlich schneller. Im Schnitt betrug der Unterschied 0,3 Kilogramm pro Monat – unabhängig davon, wie viel Gewicht die Teilnehmer zuvor verloren hatten. Der Grund dafür liegt laut Studienautor Dimitrios Koutoukidis wahrscheinlich in der Natur der Behandlung. In einer Mitteilung zur Studie erklärt er: "Menschen, die Medikamente einnehmen, müssen ihre Ernährung nicht bewusst umstellen, um abzunehmen. Wenn sie das Medikament absetzen, haben sie möglicherweise nicht die praktischen Strategien entwickelt, die ihnen helfen könnten, das Gewicht zu halten." Ideales Körpergewicht : Schnell abnehmen – Tipps, die wirklich helfen Laut britischer Studie : Diesen überraschenden Vorteil haben Kaffeetrinker Auch die Gesundheit profitiert nur kurzfristig Nicht nur das Gewicht kehrt zurück, auch die positiven Effekte auf wichtige Gesundheitswerte schwinden. Während der Behandlung verbesserten sich viele kardiometabolische Marker wie Blutzucker (HbA1c), Blutdruck oder Cholesterin. Nach dem Absetzen der Medikamente kehren diese Werte jedoch innerhalb von etwa 1,4 Jahren auf ihr Ausgangsniveau zurück. Der leitende Studienautor Sam West erklärt: "Das ist kein Versagen der Medikamente, sondern ein Hinweis darauf, dass Adipositas eine chronische und rückfallanfällige Erkrankung ist." Für ihn sei die kurzfristige Anwendung der Medikamente ohne einen umfassenderen Ansatz zur Gewichtsreduktion das Problem. Gewichtskontrolle : Abnehmen im Alter – wann gesund und wann gefährlich? Beim Essen abnehmen : So nehmen Sie schnell ab – auch ohne Sport Was bedeutet das für Patienten? Laut der Oxford-Studie nutzen derzeit rund 90 Prozent der Menschen die Abnehmmedikamente auf eigene Faust, also ohne ärztliche Begleitung oder begleitende Verhaltensunterstützung. Gerade diese sei aber entscheidend, um das erreichte Gewicht auch langfristig zu halten, betonen die Forschenden. Zudem sei es wichtig, weiterhin auf ganzheitliche Methoden zu setzen, die Bewegung und eine Ernährungsumstellung einbeziehen. Auch der US-amerikanische Epidemiologe Qi Sun, der selbst nicht an der Studie beteiligt war, schreibt in einem Artikel zu der Studie: "Eine gesunde Ernährung und ein aktiver Lebensstil müssen weiterhin die Grundlage der Adipositasbehandlung bilden, Medikamente wie GLP-1-Rezeptoragonisten können dies allenfalls ergänzen."