Alzheimer-Test zeigt: Jeder Zehnte über 70 mit auffälligen Werten

latest news headlines 3 wochen vor
Flipboard
Neue Forschung zeigt: Bei vielen älteren Menschen finden sich im Blut bereits Veränderungen, die typisch für Alzheimer sind. Wer besonders betroffen ist. Die Alzheimer-Krankheit beginnt oft lange, bevor erste Gedächtnisprobleme auftreten. Eine große Studie zeigt nun: Schon viele ältere Menschen weisen im Blut Veränderungen auf, die auf die Erkrankung hindeuten. Besonders ab dem 70. Lebensjahr steigt der Anteil deutlich an. Forscher um Dag Aarsland vom King’s College London untersuchten Blutproben von 11.486 Teilnehmern der norwegischen Studie "Trøndelag Health Study". Die Ergebnisse veröffentlichten sie kürzlich im Fachjournal "Nature". Demnach erfüllt rund jede zehnte Person über 70 die Kriterien für eine Behandlung mit modernen Alzheimer-Medikamenten. Alzheimer-Forschung: Wissenschaftler feiern Durchbruch Millionen betroffen: Woran sterben Menschen mit Demenz? Alzheimer lange schwer nachweisbar Alzheimer kennzeichnet sich durch Ablagerungen von Beta-Amyloid und sogenannten Tau-Proteinen im Gehirn. Tau-Proteine stabilisieren normalerweise Nervenzellen. Bei Alzheimer verändern sie sich, verklumpen und schädigen die Zellen. Lange konnten Ärzte diese Veränderungen nur nach dem Tod nachweisen. Später kamen bildgebende Verfahren wie die Positronen-Emissions-Tomografie hinzu. Außerdem lassen sich Eiweiß-Abbauprodukte im Nervenwasser, dem Liquor, messen. Beide Methoden eignen sich jedoch kaum für große Bevölkerungsstudien, da sie teuer oder belastend sind. Bluttest bringt neuen Einblick Mit neuen Bluttests änderte sich das. In der aktuellen Studie nutzten die Forscher einen Test auf das Tau-Protein mit dem Namen pTau217. Dieses gilt als besonders aussagekräftig für Alzheimer. Die Proben stammten aus einer Langzeitstudie, an der rund 80 Prozent der eingeladenen Bevölkerung teilnahmen. Das macht die Ergebnisse besonders belastbar. Auffällige Werte nehmen mit dem Alter stark zu Die Auswertung zeigt einen klaren Altersanstieg: Bei den 58- bis 59-Jährigen lagen bei 3,91 Prozent erhöhte pTau217-Werte vor. In der Gruppe der 65- bis 69-Jährigen waren es 7,69 Prozent. Ab 70 stiegen die Werte deutlich: 18,0 Prozent bei den 70- bis 74-Jährigen und 28,3 Prozent bei den 75- bis 79-Jährigen. Bei den über 90-Jährigen zeigten sogar 65,2 Prozent auffällige Blutwerte. Nicht alle Betroffenen litten bereits an Alzheimer. Unter den über 70-Jährigen mit erhöhtem pTau217 hatten 60,0 Prozent eine Demenzerkrankung , weitere 32,6 Prozent eine leichte kognitive Beeinträchtigung. Rund ein Viertel zeigte noch unauffällige Testergebnisse. Die Forscher gehen davon aus, dass viele von ihnen sich in einer frühen, noch symptomfreien Phase der Erkrankung befinden. Wer von neuen Therapien profitieren könnte Insgesamt erfüllten 10,2 Prozent der Teilnehmer über 70 die Kriterien für eine Behandlung mit den Antikörpern Lecanemab oder Donanemab . Diese Medikamente können Alzheimer nicht heilen, den Krankheitsverlauf aber verlangsamen. Der Bluttest allein reicht laut den Forschern jedoch nicht aus, um über eine Therapie zu entscheiden. Zwar steigt seine Aussagekraft mit dem Alter deutlich, ein negativer Test schließt eine Erkrankung aber nicht sicher aus.
Aus der Quelle lesen